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Machen die Sprengstoffsuchgeräte am Flughafen München krank?

Kontrolleure zeigen Bilder von Hautauschlägen

So krank sollen Sprengstoff-Kontrollgeräte am Flughafen machen

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München - Der Einsatz von Sprengstoffsuchgeräten am Flughafen München verunsichert die Belegschaft erneut: Die Geräte sind wieder im Einsatz und einige Mitarbeiter erneut krank. Sie zeigen nun Bilder ihrer Leiden.

Geschwollene Hände: Kontrollgeräte am Flughafen machen krank. Davon sind die Mitarbeiter überzeugt.

Rötliche Verfärbungen im Gesicht und am Hals, Hautausschläge am Rücken, eine stark belegte Zunge – die Bilder, die ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma SGM unserer Redaktion zeigte, deuten auf schwere Verätzungen hin. Die Fotos stammen vom vergangenen September. Damals klagten Mitarbeiter der Firma, die die Sicherheitskontrollen bei den Passagieren vornimmt, reihenweise über Gesundheitsschäden – neben den Hautausschlägen traten auch Asthma, Schwindel, neurologische Ausfälle, sogar Blasenentzündungen und Nierenprobleme auf. Die Kontrolleure führten das auf neue Sprengstoffsuchgeräte des Typs Itemiser oder Sniffer zurück. Der Einsatz der Geräte ist von der EU vorgeschrieben. Zeitweise waren 200 der über 1500 SGM-Beschäftigten im Krankenstand.

Diverse Male wurden die Geräte, unter anderem durch die Dekra, aber auch durch andere Fachbüros, überprüft. Schließlich entschied das Luftamt Südbayern, das für die SGM zuständig ist: die Geräte dürfen wieder eingesetzt werden. Zum Stichtag 10. März waren schon wieder 22 Geräte des Typs Itemiser 4DX in Betrieb. Auf eine Landtags-Anfrage des Freisinger Abgeordneten Benno Zierer (Freie Wähler), ob auch der Sniffer wieder verwendet werden solle, antwortet das bayerische Verkehrsministerium nun schlicht: Ja.

Keine neuen Erkrankungen seit Wiederverwendung

Seit der Wiederverwendung der so genannten ETD-Geräte (Explosive Trace Detectors), erklärte das Ministerium weiter, seien keine neuen Erkrankungen aufgetreten. Doch SGM-Mitarbeiter bezweifeln dies. „Viele sind weiterhin krank, schleppen sich halt in die Arbeit“, sagt ein Betroffener, der anonym bleiben will. Der Name ist unserer Redaktion bekannt. Auch von einer Kündigungswelle ist die Rede.

Ausschläge am Rücken.

„Die größte Problematik“ sei die Dauernutzung der Geräte, heißt es bei den Beschäftigten. Auch dazu gibt nun die Anfrage des FW-Abgeordneten näher Aufschluss: „Bei einer unterstellten Öffnungszeit von zwölf Stunden und voller Auslastung werden mit dem Itemiser 4DX derzeit maximal 240 Sprengstofftests täglich durchgeführt.“ Die Geräte seien „dauerhaft eingeschaltet“, je nach Sicherheitsschleuse seien sie zwischen zwei und 18 Stunden im Betrieb.

Im Gesundheitsausschuss des Landtags soll die Affäre am Dienstag behandelt werden. Der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl verlangt in einer neuen Anfrage Aufklärung, ob der Flughafen nicht auf die älteren Suchgeräte des Typs EFIS III der Firma Thermo Fischer zurückgreifen könne. Hier sei es „bislang zu keinerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen“. Magerl hält es für unmöglich, dass die SGM Geräte einsetze, die augen- und atemwegsreizende Stoffe ausdünsteten. Womöglich habe das mit der Betriebstemperatur zu tun – wenn die Geräte lange laufen, dünsten sie mehr aus.

Techniker bekam einen Maulkorb

Eine stark belegte Zunge.

Am Flughafen sind Itemiser und Sniffer jedenfalls Dauerthema, wie interne Schreiben des Betriebsrats zeigen. So überprüfte zwischen dem 16. und 18. März ein Techniker der Firma ELP den Itemiser. SGM-Mitarbeiter sprachen ihn am Modul G im Frachtterminal an. Doch der Techniker bekam einen Maulkorb – und das Luftamt Südbayern wies die Beschäftigten an, keinen Kontakt mehr zu ihm aufzunehmen. Zuletzt wurden Raumluftmessungen im Echtbetrieb, die für den morgigen Dienstag terminiert waren, wieder abgesagt. Das Luftamt beabsichtige, „das Konzept des derzeitigen ETD-Einsatzes zu überprüfen und ggf. abzuändern“, informierte der Betriebsrat am 2.  April. Wie das Konzept aussehen wird, ist nicht bekannt.

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