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Eine Crew der Hubschrauberstaffel der Polizei (v.l.): Sebastian Reeck, Manfred Sscher und Markus Langer.

Hubschrauber-Staffel der Bayerischen Polizei

Lebensretter und Jäger aus der Luft

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Flughafen München - Über 2500 Mal sind voriges Jahr die acht Helikopter der bayerischen Polizeihubschrauber-Staffel gestartet. 122 Vermisste konnten gerettet, 39 Straftäter geschnappt werden. Die Ära am Flughafen München neigt sich aber dem Ende zu.

Der demenzkranke Mann ist nicht zu erkennen. Er droht auf einer Wiese zu erfrieren. Erst der Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera entdeckt ihn – und lotst die Retter mitten in der Nacht zum Patienten.

Zwei Einbrecher sind auf der Flucht. Für die Polizisten am Boden sind sie wie vom Erdboden verschluckt. Die Helikopterbesatzung entdeckt das Duo auf einem Flachdach. Minuten später gelingt die Festnahme.

Dies sind nur zwei von 2163 Einsätzen, die die Staffel 2015 geflogen ist. Insgesamt legten die acht Maschinen an den Standorten Flughafen München und Roth bei Nürnberg sowie den Stützpunkten in Kaufbeuren, Würzburg und Nabburg über 2500 Starts und Landungen hin – einschließlich Aus- und Fortbildungsflügen. Die Statistik stellten gestern Wolfgang Sommer, Präsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, und Staffel-Chef Joachim Walzig am Flughafen vor.

Stolz versicherte Sommer, dass die 1970 gegründete bayerische Polizeihubschrauber-Staffel die modernste und leistungsfähigste aller deutschen Länder sei – „und das seit 30 Jahren unfallfrei“. Walzig lieferte aktuelle Zahlen: 789 Mal wurden die Crews zu Vermisstensuchen gerufen, davon 369 nachts. 122 Personen wurden gefunden, 107 davon lebend. „Etliche haben unseren Helis ihr Leben zu verdanken“, sagte der Polizeidirektor.

Gerne auf die Jäger mit den Rotoren verzichtet hätte der eine oder andere Ganove. 395 Fahndungen nach Straftätern stehen in den Logbüchern, davon 242 in der Nacht. 39 Kriminelle wurden auf diese Weise schachmatt gesetzt worden. „Wir machen zwar Lärm, aber wir vermitteln so auch Sicherheit“, so Walzig.

Das Einsatzspektrum der Staffel ist bedeutend größer. „Wir transportieren Verletzte in Kliniken, bringen Notärzte an Unfallorte, unterstützen die Bergwacht in unzugänglichem Gelände und die Feuerwehren mit Löschbehältern bei Waldbränden“, berichtete Walzig.

Der G 7-Gipfel im Juni hat die Staffel mit ihren 30 Piloten und 26 Technikern – insgesamt zählt die Truppe gut 100 Köpfe – nach den Worten Sommers gar nicht so sehr in Beschlag genommen: „Vieles hat die Bundespolizei abgewickelt. Zudem gab es Unterstützung aus anderen Ländern“, erklärte der Präsident.

Geflogen wird rund um die Uhr. Dafür sind ist diese Besatzung ein gutes Beispiel: Während Manfred Sacher und Sebastian Reeck mit Nachtsichtgeräten an ihren Helmen im Cockpit sitzen, bedient Markus Langer dahinter Suchscheinwerfer und Wärmebildkamera. „Dunkelheit ist für uns kein Problem“, berichtet Sacher. Davon hätten 2015 unter anderem 14 indonesische Wanderer profitiert, die sich am Watzmann verirrt hatten.

Die Tage im Erdinger Moos sind gezählt. Der Staffel-Chef berichtet von Plänen für ein neues Hubschrauberzentrum mit der Bundespolizei in Schleißheim. In den nächsten Jahre wird umgezogen.

Bilder: Die Hubschrauber-Staffel der Polizei

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