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Will „mit allen Rohren dagegen schießen“: Theo Dittmann (Mi.) mit Unterstützern. Links der Sprecher der Kranzberger Bürgerinitiative, Michael Besch, rechts Alt-Bürgermeister Robert Scholz. 

Kranzberger will nicht aufgeben

Fluglärm-Klage hat wenig Chancen

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München/Kranzberg – Das Urteil steht noch aus. Aber die Klage des Fluglärm-Gegners Theo Dittmann aus Kranzberg (Kreis Freising) hat wenig Chancen auf Erfolg, deutete das Gericht gestern an. Ans Aufgeben denkt der Kläger nicht.

Seit nunmehr 33 Jahren wohnt der ehemalige bayerische Beamte Theo Dittmann (69) in der 4100-Einwohner-Gemeinde Kranzberg westlich von Freising. Damals war der Flughafen noch in München-Riem. Dittmann fühlt sich wohl in Kranzberg, der Zusammenhalt sei „sagenhaft“, wie er sagt. Das merke man auch an dem Umstand, dass die Bürger exakt 11 340 Euro für seinen Prozess gesammelt haben. Damit unterstützen sie die Klage Dittmanns gegen den Freistaat Bayern. Dittmann klagt gegen den Wegfall einer Lärmobergrenze. Für den Bau der dritten Startbahn hatte die Regierung von Oberbayern den seit 1974 geltenden Dauerschallpegel von 62 Dezibel aufgehoben. So steht es in der Baugenehmigung für die Flugpiste aus dem Jahr 2011. Dittmann fürchtet mehr Lärm, sollte die Flugpiste je gebaut werden. Und er pocht auf sein „Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit“, wie sein Anwalt sagte.

Doch vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ließ Richter Erwin Bauer wenig Zweifel daran, dass die Klage abgewiesen wird. Bauer sprang für den erkrankten (bei Gegnern der Startbahn berüchtigten) Richter Erwin Allesch ein, der den monatelangen Prozess im Hauptsache-Verfahren geführt hatte. In der Sache zeigte er sich indes ähnlich eindeutig wie Allesch. Er könne „keine für Sie bedeutsame Lärmrelevanz“ erkennen, sagte er zu dem Kläger. Grund sind Lärmberechnungen, die die Flughafen München GmbH für das Anwesen Dittmanns durchgeführt hatte. Demnach sind selbst nach dem Bau der dritten Startbahn maximal 50 Dezibel am Tag und knapp 40 Dezibel in der Nacht zu erwarten – weit weniger als rechtlich zulässig und sogar etwas weniger als heute. Allerdings geht der Flughafen von einem Dauerschallpegel aus – errechnet nach den Belastungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten. Das ärgert den Kranzberger Bürgermeister Hermann Hammerl (Freie Wähler), der sagt: In Spitzenzeiten sei der Fluglärm über Kranzberg weit höher. Der Flughafen führe hier „Rechenkunststücke“ vor. Auch das Argument, Dittmann müsse als langjähriger Bürger Kranzbergs Vertrauensschutz gewährt werden und die erlaubte Dezibel-Zahl sei somit unabänderlich, wies der Richter zurück. Diese Ansicht sei „nicht plausibel“. Bei jedem Bauprojekt müsse es „Entwicklungsmöglichkeiten geben. Ansonsten, so Bauer, „wäre unsere Wirtschaft längst zugrunde gegangen“.

Wenn die Lärmobergrenze auch nach dem Bau der dritten Flugpiste nicht erreicht werde, spreche doch nichts dagegen, sie als „Schutzmechanismus“ beizubehalten, wandte Dittmanns Anwalt ein. Doch auch dieses Argument zählte beim Landesanwalt als Vertreter des beklagten Freistaats Bayern nicht. Es gebe keine „Ewigkeitsgarantie“ für die einstigen Dezibel-Werte. Da wurde dann Theo Dittmann doch ärgerlich: Wenn die Zusagen von einst nicht gelten, „dann pfeife ich auf diesen Staat“, rief er verärgert.

Mitte kommender Woche will Richter Erwin Bauer das Urteil verkünden. Für den Fall, dass er unterliegt, schließt Dittmann einen weiteren Prozess nicht aus. Er wolle „mit allen Rohren dagegen schießen“. Eine Klage wegen Nichtzulassung der Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig ist möglich. Den etwaigen Bau der Startbahn würde dies allerdings nicht aufhalten.

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