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Herzensaufgabe: Familie Rietzscher aus Au pflegt den vom Aussterben bedrohten Igel

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Von: Lena Hepting

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Barbara und Lutz Rietzscher auf den Sessel
Barbara und Lutz Rietzscher pflegen gemeinsam Igel. © Hausler

Barbara und Lutz Rietzscher haben es sich zur Herzensaufgabe gemacht: Den kurz vor dem Aussterben bedrohten Igel zu schützen.

Barbara und Lutz Rietzscher haben es sich zur Herzensaufgabe gemacht: Den kurz vor dem Aussterben bedrohten Igel zu schützen. Sie sind seit über 30 Jahren Igelpaten und geben ihr Wissen nun mit einer eigenen Homepage und Vorträgen an Schulen weiter. Was tun, wenn man derzeit einen Igel findet? Die Optionen liegen auf der Hand: Den Igel dem Kreislauf des Lebens hinterlassen oder ihn im besten Fall vor dem Aussterben retten. Entscheidet man sich für das Überleben des Tieres, legt der Gesetzgeber vor, ihn artgerecht zu halten oder ihn in eine Igelauffangstation zu bringen. Lutz und Barbara Rietzscher aus Au/Hallertau sind Igelpaten und versorgen Stacheltiere, deren Leben bedroht ist. Doch hätten Tierschützer wie sie weitaus weniger zu tun, würden schon kleinste Gefahrenstellen im Alltag des Menschen keinen Raum einnehmen. Das Laub im Herbst zu einem Haufen zu Rechen als Unterschlupf für den Winterschlaf, den gelben Sack zur Abholung an den Gartenzaun hängen oder auch den Rasenmäher-Roboter nur tagsüber fahren lassen: Damit würde jeder einen Beitrag zum Igelschutz leisten.

Barbara Rietzscher mit Igel Werner
Barbara Rietzscher mit Igel Werner. © Hausler

„Umweltschutz fängt bei mir im Kleinen an“, erzählt der 69-jährige Lutz Rietzscher. Was für ihn 1982 mit seinem ersten Igel, den er überwintert hat, anfing ist heute eine kleine Auffangstation für Igel der näheren Umgebung. Dabei ist es ihm mit seiner Frau Barbara wichtig, dass alle Igel rundum gut versorgt sind und die Betreuung Qualität hat, so wie es auch das Gesetz vorgibt. Obwohl sie bereits sieben Tiere an Igelpaten zur Überwinterung weitergeben konnten, ist das Ehepaar mit derzeit 17 Igeln voll ausgelastet und hat rund um die Uhr zu tun. Erst gestern kam wieder ein Igel bei den Rietzschers an. Dieser war unterernährt, tagaktiv und übersäht mit Zecken. Er wird nun so lange sein zu Hause bei den Wahl-Auern haben, bis er genügend Winterspeck angefressen hat und kerngesund ist. So wie der Igel „Lilly“.

Lutz und Barbara haben diesen Mitte August im Nachbarort Osterwaal aus einem Abflussschacht gerettet. Als einzige der fünfköpfigen Familie hat Lilly mit nur 69 Gramm überlebt. Mittlerweile ist sie mit ausreichendem Gewicht bereits im Freigehege, um sich an die Umwelteinflüsse und ans Klima zu gewöhnen und so den Winter zu verschlafen. Ende April/Anfang Mai wird sie dann das Weite suchen. Das Wissen für die gute Pflege des vierbeinigen Stachlers hat sich das Ehepaar über die Jahre durch viel Erfahrung selbst und Zusammenarbeit mit erfahrenen Igelstationen angeeignet. Dabei ist es fast so, wie bei eigenen Kindern. Sowohl als Igeleltern bevorzugt man eine bestimmte Ausstattung, aber auch die Igel haben ihre Vorlieben und so bietet Barbara täglich einen vielfältigen und abwechslungsreichen Speiseplan: Katzenpastete, Rührei, Hähnchenunterschenkel und Mehlwürmer. „Wir achten sehr darauf, dass die Igel so artgerecht wie nur möglich gehalten werden. Das kostet aber auch“, erklärt Lutz Rietzscher.

Igel Lilly auf der Hand
Igel Lilly ist derzeit bei der Familie Rietzscher zuhause. © Hausler

Der Igel als eines der ältesten Säugetiere gehört zu den besonders geschützten Tierarten, daher ist eigentlich die Entnahme aus der Natur im Bundesnaturschutzgesetz verboten. Gleichzeitig regelt aber dieses Gesetz auch, dass eben im Falle einer Notversorgung des Tieres eine Ausnahme gemacht werden darf, um die Fortpflanzung zu sichern. Dann ist eine artgerechte Haltung verpflichtend.
Zum Aufpäppeln brauchen die Igel vor allem anfangs Medikamente oder eine elektronisch gesteuerte Wärmematte. Weil aber mit der Pflege des Wildtieres auch sehr viel Müll anfällt, reicht die eigene Mülltonne nicht aus. Kosten für Restmüllsäcke fallen dann für die benötigten Wickelunterlagen, Küchenrollen und Holz-Pellets im Käfig an.

Zwar werden einige Tiere werden nach Behandlung von den Findern selbst überwintert und andere dankenswerterweise von Igelpaten durch die kalte Zeit gebracht, aber bei 29 Igeln, wie sie im letzten Jahr von den Igelschützern vor dem Sterben gerettet wurden, kommen dann einige Kosten zusammen. Daher freuen sie sich sehr, wenn ab und an jemand vorbeikommt und Küchenrolle, Wattepads oder eine Packung Holz-Pellets bringt. Denn Pflegebedarf, Medikamente oder finanzielle Unterstützung vom Staat oder der Kommune gibt es zwar für Tierheime aber nicht für Auffangstationen von Wildtieren. Doch welcher Igel muss derzeit eigentlich gerettet werden? „Ist ein Igel jetzt noch am Tag aktiv, läuft er hoch aufgestellt, torkelnd oder liegt er in Seitenlage sind das immer Alarmsignale, die für eine Inobhutnahme sprechen. Um zu wissen, welche SOS-Signale es hier gibt, und um dann die Situation richtig einschätzen zu können, haben Barbara und Lutz Rietzscher eine informative Homepage erstellt. Auch für den Laien ist hier auf Anhieb einfach erklärt, welcher Igel unter Beobachtung genommen werden muss. „Als erstes hat es oberste Priorität, den Igel zu wärmen“, erklärt die 67-jährige.

Igel Box
Jeder Igel hat seinen eigenen Bereich..jpg © Hausler

Falls mit der Rubrik „Erste Hilfe für den Igel“ auf ihrer Homepage nicht alle Fragen geklärt werden können, helfen die Rietzschers auf Anfrage auch weiter, die direkt per mail an Igelpaten@gmx.de gestellt werden können. „Wir lesen sehr regelmäßig unsere Nachrichten. Haben wir den Eindruck, dass ein Igel sofort Hilfe benötigt, nehmen wir Kontakt zu den Findern auf.“ Andernfalls kann man sich aber auch alle Informationen holen, um selbst ein „Igelpate“ zu werden. So werden auch die Anlegung eines Pflege-, Überwinterungs- oder Auswilderungsplatzes erläutert. „Wir hoffen, dass wir andere für den Igelschutz sensibilisieren können“. Über Zuwachs von Igelpaten würden sie sich daher sehr freuen. Letztendlich wissen die beiden, wo sie ansetzen möchten, damit zukünftig weniger Igel Hilfe benötigen. Kinder sind für das Wohl von Tieren noch sensibler als Erwachsene. Deshalb haben die Igelschützer in den Schulen im Umkreis angeboten für eine Stunde in den Unterricht zu kommen oder auch Vorträge bei der VHS über den Igel als nützliches Wildtier zu halten. Einige positive Rückmeldungen haben sie dazu schon bekommen.

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Victoria Hausler

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