Frau und Tochter (4) misshandelt

Landkreis-Süd - Die Aussage der angeblich zur Prostitution gezwungenen Ehefrau reichte nicht, um einen 54-Jährigen wegen Zuhälterei zu verurteilen. Nach Verständigungsgesprächen kam er vor der 4. Strafkammer des Landshuter Landgerichts für die Misshandlungen der Gattin und deren Tochter (damals 4) mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten davon.

Wie zum Prozessauftakt berichtet, wurde dem vielfach vorbestraften Angeklagten vorgeworfen, seine Frau nach der Geburt des gemeinsamen Kindes ab November 2013 bis März 2014 gezwungen zu haben, der Prostitution nachzugehen. Außerdem, so weitere Anklagevorwürfe, hatte er sie und die Stieftochter vielfach geschlagen, die damals Vierjährige unter anderem mit einer Reitgerte, einem Buch und einem Holzstück.

Im Gegensatz zu ihrem Ehemann, der die Zuhälter-Vorwürfen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurückgewiesen hatte, verzichtete die Noch-Ehefrau, die auch als Nebenklägerin auftrat, auf einen derartigen Schutz ihrer Intimsphäre. Von Anfang an habe es in ihrer Streitereien gegeben, berichtete sie - vor allem, weil die finanzielle Situation „sehr eng“ gewesen sei. „Um die Haushaltskasse aufzubessern, hat er mich dann zur Prostitution überredet“, so die 33-Jährige. Dann sei sie schwanger geworden und habe von September 2012 bis Oktober 2013 nicht mehr „angeschafft“. Finanziell sei es immer mehr abwärts gegangen. Da habe sie ihr Gatte bedrängt, wieder anzuschaffen. Vom Geld habe sie nichts gesehen: „Ich musste alles abliefern, er hat mich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.“ Sie habe mit den Kindern von Eltern- und Kindergeld leben müssen.

Wie berichtet, hatte der 54-Jährige in einer kurzen Stellungnahme die Vorwürfe als „falsch“ zurückgewiesen und berichtet, dass er ebenfalls im „Geschäft“ gewesen sei: „Wir haben uns im Internet als Paar angeboten.“ Dies bestätigte die Ehefrau zwar, allerdings sei es nur zu einigen wenigen „Dreiern“ gekommen.

Zum Auftakt des zweiten Verhandlungstags kam es zu über zweiständigen Verständigungsgesprächen zwischen den Prozessbeteiligten, bis ein von allen Seiten akzeptiertes Ergebnis gefunden wurde. Wie Richter Oliver Dopheide im Anschluss daran berichtete, wären die Voraussetzungen für eine Verurteilung des 54-Jährigen wegen Zuhälterei angesichts der Aussage seiner Noch-Ehefrau problematisch gewesen. Deshalb habe man sich auf die Einstellung dieses Anklagevorwurfes geeinigt. Die verbleibenden Körperverletzungsdelikte räumte der 54-Jährige weitgehend ein. Dafür war ihm eine Freiheitsstrafe von zwölf bis 18 Monate in Aussicht gestellt worden, für die angesichts seines Vorstrafenregisters eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht infrage kam. Die 4. Strafkammer verhängte für die zehn Fälle der vorsätzlichen Körperverletzung, die Misshandlung Schutzbefohlener und zwei gefährliche Körperverletzungen eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Besonders straferschwerend, so Dopheide, seien die Misshandlungen der Stieftochter ins Gewicht gefallen. Der 54-Jährige hatte sich in seinem letzten Wort besonders bei ihr entschuldigt und festgestellt, dass er sich vor allem zu einem Geständnis durchgerungen habe, um ihr einen Auftritt vor Gericht zu ersparen.

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