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Zum Wohl: Für die Freisinger Stadträte gibt es nur selten etwas umsonst. Eine Ausnahme ist die Volksfest-Eröffnung. Für den Abend, an dem OB Tobias Eschenbacher das erste Fass ansticht, erhalten die politischen Vertreter ein kleines Zeichen-Kontingent – ein Anreiz dafür, dass sie Präsenz zeigen.

Nach dem Fall Kirchheim

Freikarten-Debatte: Räte erhalten nur selten ein Bon als Bonbon

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Landkreis - Freikarten als kleine Gefälligkeit für Lokalpolitiker: Genau das will der Kommunale Prüfungsverband künftig nicht mehr sehen. Im Landkreis Freising ist dies keine gängige Praxis. Sagen Vertreter, die es wissen müssen. Ein Zuckerl ist aber hin und wieder drin.

„Freising ist nicht Kirchheim“, betont Stadtsprecherin Christl Steinhart. Während der Gemeinderat der Kommune im Landkreis München die Ausgabe kostenloser Tickets nach Aufforderung des Kommunalen Prüfungsverbands streichen musste, gibt es in Freising außer der mit dem politischen Mandat verbundenen Aufwandsentschädigung keine „Bonbons“. „Mögliche Restkarten bei Veranstaltungen gehen über den Verein Kulturgut an Mitbürger, die sich andernfalls keine Karte leisten könnten“, erläutert Steinhart. „Zu verschenken hat die Stadt aber gerade bei freiwilligen Leistungen und im Kulturbereich nichts.“

Eine Ausnahme gibt es: Zur Volksfest-Eröffnung werden Stadträte eingeladen und erhalten dafür ein kleines Zeichen-Kontingent. „Damit soll es den Stadträten ermöglicht werden, die mit dem Volksfest einhergehenden kommunalpolitischen Aufgaben zu erfüllen“, erklärt Steinhart. Gremiumsmitglieder würden zudem Ermäßigungen im Altstadt-Parkhaus angeboten, um die Teilnahme an Sitzungen und anderen Terminen im Rathaus zu ermöglichen. Auf Antrag würden 30 Prozent der Kosten einer Dauerkarte übernommen. „Weitere Ermäßigungen für Freizeit- und Sporteinrichtungen gibt es nicht.“

In Moosburg ist der Kleinkunstfrühling seit einigen Jahren eine feste Größe. Bei der jährlich stattfindenden städtischen Veranstaltung sind schon Lisa Fitz, die Wellküren und Gerhard Polt aufgetreten. Die Stadträte mussten sich die Tickets dafür kaufen. „Es gibt keine Freikarten“, betont Rudolf Heinz, Kulturreferent der Stadt. „Jeder zahlt selbst. Auch die Bürgermeisterin! Selbst ich als Organisator, und zwar, um genau diese Debatten zu vermeiden.“

Im Bürgerhaus Eching gibt es ebenfalls keine kostenlosen Tickets. Für ermäßigte Preise existieren klare Kriterien, wie Ulla Grabow, Leiterin des Bürgerhauses, verdeutlicht. „In diesen Genuss kommen Rentner, Schüler und Studenten, Schwerbehinderte, Wehrdienst- und Freiwilligendienstleistende, Besitzer von Ehrenamtskarten und Ehrenbürger.“ Das bedeutet: Für ein ermäßigtes Ticket müsste Rathauschef Josef Riemensberger schon zum Ehrenbürger(meister) ernannt werden – oder wie Grabow ergänzt: „Gemeinderäte müssten etwa im Seniorenstatus sein.“

Auch der Auer Bürgermeister Karl Ecker ist nicht Herr über Berge von Freikarten. „Zu uns fließen keine Kontingente, die wir unter uns im Rathaus oder im Gemeinderat verteilen würden“, sagt er. Ausnahme ist das Dellnhauser Volksmusikfest. „Dort wird mit der Anzahl der kostenlosen Tickets aber ein Teil der Miete beglichen. Und die Karten werden an Bürger verlost“, betont Ecker. Ansonsten gilt für ihn: „Wenn ich eingeladen werde zu Vereinsjubiläen oder Benefizveranstaltungen, bezahle ich mein Essen selbst – wie jeder andere auch. Das kann ich mir schon leisten.“ Nicht mal beim Hopfenfest verteilt die Gemeinde Bons an die Lokalpolitiker. Die Räte erhalten zwar Freimarken für Hendl und Bier. Gesponsert wird das aber von der Schlossbrauerei.

Franz Donauer kennt beide Seiten – als Vorsitzender des Musikvereins Zolling verteilt er für Veranstaltungen Freikarten, als Gemeinderat in Haag verzichtet er auf solche. „Ich nehme in der Regel keine Freikarten an, und wenn ich eine annehme, leiste ich eine Spende in Höhe des Eintrittspreises“, betont er. Donauer weist aber auch darauf hin, dass es sich bei Gemeinderäten um ehrenamtliche Kräfte handelt. „Und die Aufwandsentschädigung, die man erhält, deckt nicht mal die Fahrkosten.“ Als Veranstalter gibt er daher Tickets an Räte und Bürgermeister weiter – wie an andere Ehrenamtliche auch. „Ich sehe die Leute schon als Art Schirmherren an, von denen ich nicht erwarte, dass sie Eintritt zahlen“, sagt er. „Ich finde, dass gesellschaftliche Zusammenkünfte auch die Chance bieten, dass sich Bürger und Amtsträger in lockerer Runde jenseits des Verhandlungstisches austauschen.“

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