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Keinen Platz mehr gab’s in der Sportgaststätte Attaching, als sich die Bürger des Ortsteils über die Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Praktikermarkt informierten.

Info-Abend zur geplanten Flüchtlingsunterkunft

Die Angst geht um in Attaching

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Bis zu 500 Asylbewerber können ab März für jeweils vier bis sechs Wochen im ehemaligen Praktiker-Markt untergebracht werden. Das macht einigen Attachingern Angst. Werde etwas für die Sicherheit getan, oder warte man, „bis was passiert“, fragte manch einer bei einer Infoveranstaltung in der Sportgaststätte.

Bürgermeister Hans Hölzl hatte noch gar nicht erläutert, dass das Baurecht die Nutzung des ehemaligen Praktiker-Marktes in Attaching als Erstaufnahmeeinrichtung erlaube, und man „keine Möglichkeit hat, es zu verhindern“, da meldeten sich schon die ersten Attachinger im mit mehr als 100 Leuten rappelvollen Sportheim. Und als Dorina Lehmann, Leiterin der Asylunterkunftsbetreuung im Landratsamt, erklärte, bis zu 500 Asylbewerber könnten dort für jeweils vier bis sechs Wochen unterkommen, bevor sie von hier aus weiter auf ganz Deutschland verteilt würden, gab es das erste leicht fassungslose und Erschrockenheit ausdrückende Gelächter im Saal.

„Sie wissen schon, wie viel Einwohner unser Dorf hat?“, rief einer. Dass der Mietvertrag momentan nur ein Jahr laufe, dass es ein Sicherheitskonzept gebe, dass ein Hausverwalter, zwei Sozialpädagogen sowie sehr viel Security vor Ort seien, wie Lehmann versicherte, konnte die Gemüter auch nicht beruhigen. Ein Bürger machte sich Sorgen, wenn der Sommer kommt. Denn: Die Stoibermühle sei für die Asylbewerber fußläufig erreichbar – jene Stoibermühle, an der Mädchen im Bikini baden.

Was tue man für die Sicherheit, oder „wartet ihr, bis was passiert“, wollte er wissen. Irmgard Eichelmann, Leiterin des Netzwerks Asyl im Landratsamt, versuchte, zu beruhigen: „Das sind ganz normale Menschen, die da kommen.“ Es gehe ja auch nicht darum, diese Flüchtlinge in Attaching zu integrieren, da es sich um eine Erstaufnahmeeinrichtung handle. Und: „Sie werden die gar nicht viel sehen“, versicherte Eichelmann den beunruhigten Attachingern. Denn: „Die sind ganz neu in Deutschland. Die haben kein Interesse, hier in den Ort zu gehen und Ärger zu machen.“

Das sei auch in Moosburg nicht der Fall, wo es seit einigen Monaten in der Turnhalle der Realschule ebenfalls eine solche Erstaufnahmeeinrichtung gebe. Durch die Nutzung des Praktiker, in dem mit Hilfe des THW kleine Wohneinheiten (fünf auf fünf Meter) für bis zu sechs Asylbewerber eingerichtet werden, könne die Moosburger Turnhalle wieder frei werden (siehe Bericht rechts). 

Doch auch der Hinweis, für Flüchtlinge gelte ebenfalls Recht und Ordnung, und die Polizei sei dafür zuständig, konnte Manchen nicht beruhigen: Eine Mutter fragte, wie sie dann ihre Tochter in die Schule schicken solle. Denn in den Bus lasse sie das Mädchen bestimmt nicht mehr einsteigen. Ein anderer Attachinger verwies darauf, dass ja „jeden Tag was in der Zeitung steht“, ein Teilnehmer der Infoveranstaltung wollte schon wissen, „wo die die Handys herhaben?“ Antwort: „Die kommen schon mit ihren Handys hier an.“

Nach einer Stunde, in der Hans Hölzl auch schon mal „Ruhe jetzt!“ rufen und sich „hetzerische Parolen“ verbitten musste, stand Monika Riesch auf. Auch in ihrer Brust würden zwei Herzen schlagen: Das seien „arme Leute“, denen man helfen müsse, aber sie habe auch Bedenken. Dennoch ihr Appell: „Wir müssen ihnen offen begegnen und schauen, was wir daraus machen.“ Applaus im Sportheim.

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