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Der Referent und der Gastgeber: „Was bedeutet die Geschichte des Abendlandes für uns heute?“ war die zentrale Frage, der sich Theologe Jörg Lauster (l.) am Montagabend im Kardinal-Döpfner-Haus widmete. MdL Florian Herrmann (r.) hatte zum Politischen Salon eingeladen – und zahlreiche Zuhörer waren gekommen.

Kardinal-Döpfner-Haus

Politischer Salon: Ausflug in die Geschichte des christlichen Abendlandes

„Leitkultur“ und „Wertekonsens christlich-abendländischer Prägung“ – zwei Begriffe, die derzeit fast täglich in den Medien auftauchen. Beim Politischen Salon, zu dem MdL Florian Herrmann am Montag ins Kardinal-Döpfner-Haus geladen hatte, erhielten die Gäste fundierte Informationen zu dieser aktuellen Diskussion.

Freising – Der evangelische Theologe Professor Jörg Lauster referierte zum Thema „Die Verzauberung der Welt – Was bedeutet die Geschichte des Abendlandes für uns heute?“. Das Mehr zu erkennen, den Überschuss und den „Mehr-Wert“ des Lebens, das sei der Anfang aller Religion. Diese These stellte der Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie an der evangelisch-theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München gleich an den Beginn seiner Ausführungen.

Die tragenden Grundüberzeugungen des Christentums seien nicht ausschließlich in Lehren oder Riten zu finden, sondern vor allem auch in Werken der Musik, Kunst und Literatur. Was wäre die Welt ohne Kathedralen, die göttliche Erhabenheit einflößten, ohne die Gemälde von Caspar David Friedrich, die das unfassbare Geheimnis des Daseins versinnbildlichten, oder ohne die Skulpturen wie die Pieta von Michelangelo? „Alles hohe Ausdruckskraft von Religiosität“, sagte Lauster.

Im berühmtesten Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle in Rom – Michelangelos „Die Erschaffung Adams“ – zeige sich die „Gottebenbildlichkeit“ des Menschen: „Das Kunstwerk ist eine theologische Meisterleistung“, betonte Lauster. Doch auch Romane machten die sittliche Kraft des Christentums deutlich: Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ etwa, der „inneres christliches Welterleben“ zum Ausdruck bringe. „Das Buch gehört zur Weltgeschichte des Christentums.“

Doch auch vor den dunklen Seiten der Kulturgeschichte des Christentums dürften die Augen nicht verschlossen bleiben. Der christliche Glaube habe zu vielen historischen Zeitpunkten der Gesellschaft schlimme Folgen wie den Hundertjährigen Krieg gebracht. Jedoch – auch das war eine These Lausters – sei das christliche Abendland nicht deckungsgleich mit dem Christentum. Religionskritiker wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx, Friedrich Nietzsche oder Sigmund Freud hätten ebenfalls einen festen Platz im „christlichen Abendland“. Außerdem zeuge es von „Kleingeist“, die leeren Kirchen als Indiz für den Untergang des Christentums zu nehmen. Das Christentum definiere sich eben vor allem durch die vielen geistesgeschichtlichen Ereignisse der Geschichte.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob es besser wäre, in einer Welt der globalisierten Wirtschaft und eines grenzenlosen Tourismus auf Konfrontationskurs mit anderen Religionen zu gehen, oder ob es besser wäre, „zusammenzurücken“, antwortete der Theologe: „Wenn die Aufgabe des Christentums global sein könnte, bedeutet das, den anderen neben sich stehen zu lassen.“ Optimismus sei langfristig eine berechtigte Haltung.

Maria Martin

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