Wie ein Prinz geschminkt wird, davon konnten sich die Tagblatt-Leser in der Solo-Garderobe des Asamtheaters überzeugen. Die Kunstfertigkeit von Maskenbildnerin Galina, die bereits seit 40 Jahre „im Geschäft“ ist, beeindruckte die Gäste, die mucksmäuschenstill zusahen.

FT-Leser hinter den Kulissen des Russischen Nationalballetts

Ein Besuch im Reiche Dornröschens

Freising: Ein bisschen Ehrfurcht und viele interessante Eindrücke: Für Gewinner einer FT-Verlosung war am Sonntag der Blick hinter die Kulissen des Russischen Nationalballetts eine schöne Erfahrung. Ein bisschen schämen musste man sich aber auch.

Ein bisschen Ehrfurcht und viele interessante Eindrücke: Für Gewinner einer FT-Verlosung war am Sonntag der Blick hinter die Kulissen des Russischen Nationalballetts eine schöne Erfahrung. Ein bisschen schämen musste man sich aber auch. 

In einer etwas dunklen Ecke sitzen sie auf einer unbequem wirkenden Holzeckbank, ganz in das Kartenspiel Uno vertieft. Zu dritt sind sie, um sie herum wuselt es. Doch das stört die drei Mitglieder des Russischen Nationalballetts nicht. Sie sind ganz auf ihr Kartenspiel konzentriert. Das ist nur eine Szene, die am Sonntag kleine und große Gewinner einer FT-Verlosung erleben, weil sie einen Blick hinter die Kulissen des berühmten Ensembles werfen dürfen. Konstantin Rain ist der Mann, der das Nationalballett auf seiner mehrmonatigen Europatournee begleitet und am Sonntag die Besuchergruppe auch dorthin führt, wo man normalerweise nicht hinkommt. Erste Station: vor der Bühne des Asamsaals, auf der gerade einige Tänzer und Ballerinas Figuren üben. Proben sind wichtig, erzählt Rain. Mindestens drei Stunden am Tag üben die 35 Mitglieder des Ensembles – zusätzlich zu den Aufführungen.

Also auch an jenem Sonntag in Freising, wenn am Nachmittag „Dornröschen“ und am Abend „Schwanensee“ gegeben wird, wenn man wie an jenem Sonntag eine nächtliche Fahrt mit dem Bus von Köln nach Freising hinter sich, das Hotel noch nicht gesehen hat und gleich in den Asamsaal gefahren ist. Rain erzählt, dass eine Ballettausbildung in Russland neun Jahre dauert, dass man im Alter zwischen fünf und sieben Jahren damit beginnen sollte. Noch kennt sich Rain in diesem „Labyrinth“ des Asamgebäudes, wie er sagt, nicht ganz aus: „Das ist etwas verwirrend hier“, erklärt er den Besuchern, denen er jetzt die Garderobe des Ensembles zeigen will. Man schreitet durch die maroden Gänge des Asamkomplexes, vorbei an Stützpfeilern und unter notdürftig befestigten Decken hindurch, bis man schließlich dorthin kommt, wo sich das Ensemble des Nationalballetts auf den Auftritt vorbereitet. „Etwas eng hier“, sagt Rain, nennt die beengten und wahrlich nicht repräsentativen Raumverhältnisse später ganz höflich „kuschelig“. Die Besucher klären Rain auf und versichern ihm: Bald wird das alles hier saniert und hergerichtet. „Ich hab’s schon gehört“, sagt Rain, der perfekt Deutsch und perfekt Russisch spricht.

In einem provisorisch zur Maske umfunktionierten Raum schminkt Galina gerade eine der Solistinnen – so, wie sie das seit 40 Jahren tut. Auf einer Kommode sind Dutzende von Perücken platziert. Geschminkt werden nur die Solisten, alle anderen Ensemblemitglieder müssen sich selbst für die Aufführung herrichten. Das ist schwierig, denn für die „Mädchen“ gibt es im Asamtheater zu wenig Spiegel. Noch, so verrät Rain, sei das hier „die Ruhe vor dem Sturm“. Will heißen: Je näher die Aufführung rückt, umso hektischer und nervöser gehe es zu. Noch also ist auch Zeit für ein paar Runden Uno, während die kleinen Besucher raten dürfen, wem wohl das graue Kostüm mit dem Schwanz gehört (richtige Antwort: dem Wolf) und wem die prachtvolle Robe (richtige Antwort: der Königin). Nächste Station: die Hintertreppe hinauf auf die Bühne. Dort hat das Nationalballett den Boden mit einer eigenen Plane überdeckt, um die notwendigen Voraussetzungen für eine Ballettaufführung der Extraklasse zu schaffen. Alles ist voll mit Dekorationsmaterial und Requisiten.

Und während die Besucher erfahren, dass Solist nur wird, wer besonders viel arbeitet und wer ganz viel Disziplin aufbringt („Das ist Kopfsache“), zittern ab und zu die Bühnenbretter unter den Füßen. Denn noch immer werden vorne vor dem Vorhang Figuren und Sprünge geübt. Was dann eine Stunde später so spielerisch leicht und grazil aussieht, das ist also – so hat man nach diesem Besuch hinter den Kulissen gelernt – harte Arbeit. Und zwar von allen Beteiligten. Auch von der Frau, die seit über 40 Jahren für die rund 200 Kostüme zuständig ist und gerade mit einem fauchenden Gerät die Kleider noch einmal „aufdampft“. Das Kartenspieler-Trio im Eck lässt sich aber auch davon nicht stören.

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