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30 Kubikmeter Styropor hat sich bei der Firma Bock angesammelt. Thomas Eisgruber zeigt den Abfall, den keiner haben will – oder der nur sehr teuer zu entsorgen ist.

Bestimmte Styroporplatten müssen separat entsorgt werden

Dachdecker vor ungelöstem (Sonder-)Müll-Problem

Bei den Dachdeckern im Landkreis stapeln sich die Styroporplatten. Der Grund: Platten, in denen der Stoff Hexabromcyclododecan (HBCD oder HBCDD) verarbeitet ist, müssen seit Oktober separat entsorgt werden. Das Problem: Einige Betreiber von Müllverbrennungsanlagen wollen sie nicht annehmen.

Landkreis „Es ist eine Sauerei vom Staat, dass man etwas beschließt und danach keine Abhilfe schafft“, schimpft Dieter Stengel von der gleichnamigen Bedachungsfirma in Freising. Die im vergangenen Oktober in Kraft getretene EU-Verordnung war für ihn ein harter Schlag. Das Brandschutzmittel HBCD, das sich vor allem in älterem Dämmmaterial befindet, wird damit als gesundheitsgefährdend eingestuft. Das Polystyrol – im Volksmund als Styropor bekannt – darf nun nicht mehr zusammen mit dem Bauschutt entsorgt, sondern muss separat verbrannt werden. Allerdings: „Die Entsorgung dieser Dämmstoffe ist ins Stocken geraten und wird teilweise von Müllverbrennungsanlagen der öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger verweigert“, schlägt der Bayerische Dachdeckerverband Alarm.

Damit nicht genug: Findet man doch eine Müllverbrennungsanlage, die große Mengen Dämmmaterial annimmt, kommt das den Handwerker teuer zu stehen. „Der Kubikmeter kostet etwa 95 Euro“, weiß Andreas Schatt, Dachdeckermeister bei Bock Dachtechnik in Freising. Auch von 180 Euro pro Kubikmeter war schon die Rede. „Sie können gerne mal bei uns in den Hof reinschauen“, sagt Schatt auf die Frage, ob sich die Platten bei ihm bereits stapeln. Auch er ist verärgert über diese Verordnung: „Wir hoffen, dass die Leute, die das beschlossen haben, erkennen, dass es totaler Schwachsinn war.“

Eine kleine Lockerung der Vorschrift gab es bereits. Auf der Internetseite des Bayerischen Landesamts für Umwelt heißt es: „Sofern der Anteil HBCDD-haltiger Dämmstoffe 0,5 Kubikmeter pro Tonne Baumischabfall nicht übersteigt, kann der Baumischabfall in diesem Einzelfall als nicht gefährlich eingestuft werden.“

Bei „Baumischabfall“ handelt es sich um den Abfall einer Baustelle, der neben Metall, Schutt und Holz entsteht. Dennoch bleibt es für die Dachdecker schwierig, da nach und nach nur geringe Mengen entsorgt werden können. Andreas Schatt kann wohl für seine Kollegen sprechen, wenn er sagt: „Kalkuliert hat das von uns keiner.“

Dieter Stengel hat für seine Firma daher eine Entscheidung getroffen: Bis sich nichts geändert hat, will er keine Aufträge annehmen, bei denen HBCD-haltiges Material entfernt werden muss. Kommt ein Kunde zu ihm, wird er gefragt, um welche Stoffe es sich handelt. Auch viele Kollegen würden bei Aufträgen dieser Art dankend ablehnen. Immerhin: „Die Dämmplatten, die zwei Jahre alt oder neuer sind, haben glücklicherweise den Schadstoff nicht mehr drin“, erläutert Stengel. Trotzdem: Vielen Dachdeckern im Landkreis bleibt momentan nichts anderes übrig, als die alten Platten in ihren Lagern zu stapeln – und auf bessere Zeiten zu warten.

Anton Söllner, Dachdecker aus Grüneck, kann dagegen aufatmen: „Wir haben zum Glück eine Woche vor der Verordnung alle Platten weggebracht.“ Derzeit habe man auch keine Aufträge, in denen es darum geht, alte Styroporplatten zu beseitigen. „Und wenn so ein Auftrag kommt“, betont Söllner. „dann wird dem Kunden erklärt, dass er mehr bezahlen muss.“

Gut zu wissen

Seit Oktober gelten Styropordämmplatten, in denen HBCD oder HBCDD verarbeitet ist, laut einer EU-Verordnung als gefährlicher Müll. Der Stoff wirkt als Flammschutzmittel und ist vor allem in Dämmmaterialien älteren Datums, aber auch in Sofas oder in Klebeschaum für Küchen enthalten. Seit 2015 wird der Stoff von der Baustoffindustrie nicht mehr eingesetzt.

Victoria Stettner

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