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Pfarrer Rainer Maria Schießler zeigt beim Interview am Freisinger Bahnhof den Zusammenhang von Zeitgeschichte und seiner persönlichen Familiengeschichte auf. Links Kameramann Georg Barth, rechts Heimatforscher Ernst Keller.

Filmdokumentation: „Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam“

Ein Ende mit Schrecken

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Landkreis - Der Vergangenheit mit all ihren historischen und menschlichen Facetten gilt die Passion des Fürholzer Heimatforschers Ernst Keller. Der mittlerweile dritte Film des 69-jährigen ehemaligen Finanzbeamten mit dem Titel „Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam“, beschäftigt sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Bombenangriff auf Freising vor 70 Jahren.

Die zweistündige Dokumentation, an der Keller und sein Team rund drei Jahre lang arbeiteten, wird am 31. Januar in Zusammenarbeit mit der Stadt Freising und dem Stadtarchiv im Asamsaal uraufgeführt. Das Freisinger Tagblatt sprach mit Keller über Beweg- und Hintergründe für diesen Film, der keinerlei kommerziellen Ziele verfolgt. Er ist in Kooperation unter der Schirmherrschaft des Kreis-Krieger und Soldatenverbandes Freising sowie mit der Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge realisiert worden.

- Was hat sie dazu bewogen, diesen Film in Angriff zu nehmen?

Der ursprüngliche Auslöser, die bis dato nur wenig bekannte Historie „aus der Luft“ zu erforschen, war die Recherche zum Abschuss eines deutschen Jagdfliegers zwischen Fürholzen und Massenhausen im Jahr 1944. Mit Hilfe und in Zusammenarbeit mit bayerischen Flugzeughistorikern haben wir vor drei Jahren Wrackteile im Wald bei Fürholzen gefunden. So gelang es, den Fliegertod des 19 Jahre alten Piloten Kurt Schmidt aus Gera aufzuklären, der am 24. April 1944 in Luftkämpfen beim Absturz seiner Messerschmitt Bf 109 G-6 ums Leben kam. Ihm ist nun ein Gedenkstein an der Abschussstelle gewidmet. Bei der Aufklärung dieses Einzelschicksals, das wir filmisch festgehalten haben, kam mir die Idee, den Bogen weiter zu spannen, und den Luftkrieg in unserer Region genauer zu untersuchen. Das konnte geschehen, weil es nach mittlerweile 70 Jahren noch Zeitzeugen gibt.

-Wie ist Ihr Film inhaltlich aufgebaut?

Zunächst einmal gibt es keine nachgestellten oder Spielszenen. Alles ist an Originalschauplätzen gedreht, etwa am Bahnhof in Freising oder auf der Garchinger Heide. Zu Wort kommen noch lebende Zeitzeugen oder Nachfahren der Opfer. Der erste Teil handelt vom Luftkrieg im südlichen Landkreis mit den Gemeinden Neufahrn und Eching. Der zweite Teil ist der Aufarbeitung des Bombenangriffs am 18. April 1945 gewidmet. Dieses dunkle und traurige Kapitel wurde bis dato nur punktuell erforscht. Der Film liefert erstmals viele Details zu den Abläufen des Angriffs und zeigt exemplarisch einige Schicksale der 224 Opfer, von denen 188 identifiziert werden konnten.

-Wer hat alles am Film mitgewirkt und mitgearbeitet?

Ein derartiges Projekt lässt sich nur in guter Zusammenarbeit mit anderen realisieren. Mein Dank gilt dem Fürholzener Wilfried Winklmeier, der als Kameramann und Schnitttechniker fungierte, ebenso wie Georg Barth, dem Profi-Kameramann des BR, der die Drohnenaufnahmen besorgte. Ich danke den Sprechern Christian Pencik und Leon Bachmeier und einer Reihe weiterer Helfer. Natürlich gilt meine Verbeugung auch allen Zeitzeugen und Angehörigen, die wir befragen durften, und die eines der tragenden Elemente des gesamten Films sind.

-Woher bekamen Sie Ihre Informationen?

Wir haben intensiv im Internet sowie in verschiedenen Archiven wie München, Ludwigsburg und Berlin recherchiert. Besonders möchte ich die gute Zusammenarbeit mit Freisings Stadtarchivar Florian Notter und seinem Team hervorheben. Desweiteren gab es Reihe von Spezialisten wie Flugzeughistorikern oder Feuerwerkern (Kampfmittelbeseitigungsexperten), die uns sowohl bei der Quellensuche im In- und Ausland als auch bei der Auswertung der Archivalien behilflich waren. So konnten wertvolle Aufzeichnungen, vor allem aus US-Beständen und Militärarchiven, eingesehen werden. Authentizität bekommt die Doku vor allem durch die persönlichen Gespräche und Befragungen. Mit rund 70 Zeitzeugen hatten wir Kontakt. Zudem sichteten wir sehr viele Dokumente und Fotos aus Privatbesitz. Um an die Menschen heranzukommen, gab es natürlich auch verschiedene Aufrufe in den Medien.

-Was sind die Kernaussagen des Films und an wen richtet er sich?

Wir möchten sowohl den damaligen Verteidigern als auch den Angreifern sowie den vielen zivilen Opfern, darunter auch Kindern, ein Gesicht und eine Stimme geben. Der Film soll die dramatischen Ereignisse nochmals ins Bewusstsein rufen – verbunden mit einer Mahnung zum Frieden und der Hoffnung, dass so etwas nie mehr passiert.


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