Donum Vitae: Schwangerenberatung immer diffiziler

Oft ein „ganzes Bündel an Problemen“

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Freising - Auch bei Donum Vitae „schwappt“ das Thema Flüchtlinge herein, berichtet Doris Hofmann. Und dann gibt es da noch die Dauerbrenner: Wohnungsnot zum Beispiel.

Aus den Landkreisen Freising, Ebersberg, Erding und München Land kommen Frauen und Paare zur Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae in Freising. Und sie kommen immer zahlreicher, wie aus dem Bericht zu 2015 hervorgeht, den Leiterin Doris Hofmann und ihr Team präsentierten: 1825 Kontakte habe man im vergangenen Jahr gezählt, 188 mehr als im Jahr 2014. 575 Erstberatungen habe es gegeben, darunter 306 allgemeine Schwangerenberatungen und 128 Schwangerschaftskonfliktberatungen.

 Dabei werde der Beratungsaufwand immer diffiziler und höher, oft sei es „ein ganzes Bündel“ an Problemen, das Frauen, Männer oder Paare zu Donum Vitae treibe. Ganz oben bei den Gründen, wieso über einen Schwangerschaftsabbruch nachgedacht werde: die psychische und physische Überforderung sowie Zukunftsängste, ausgelöst durch unsichere Arbeitsverhältnisse oder Wohnungsprobleme. Donum Vitae, so Hofmann, könne beraten, habe 2015 fast 200 000 Euro Soforthilfe an bedürftige Frauen ausgeschüttet, aber der Wohnungsnot stehe man machtlos gegenüber: „Da können wir gar nichts machen“, so Hofmann und ihre Stellvertreterin Marita Torkar. Das seien auch die Gründe, weswegen immer weniger Paare Kinder bekämen. Derzeit sei jedes siebte Paar in Deutschland kinderlos, in einigen Jahren dürfte es jedes dritte sein. Denn viele Paare warteten ab, bis sie finanziell und beruflich abgesichert seien, bevor sie sich für Kinder entscheiden. Dann sei aber oft ein Alter erreicht, in dem die Fruchtbarkeit bei Mann und Frau abnehme. 

Was auf ganz verschiedene Art und Weise, aber fast bei jeder Beratung eine Rolle spiele, das sei das Thema Flüchtlinge, berichtete Gisela Ederer: Nicht nur, dass Asylbewerberinnen kämen, die meist traumatisiert seien – knapp 100 waren es 2015. Da kämen auch Paare, die mit großem Unmut sehen, dass um fünf Euro Kindergelderhöhung gestritten werde und sie keine Wohnung finden, dass aber viel Geld für Flüchtlingsunterkünfte locker gemacht werde; da käme eine türkische Familie, die Angst habe, dass für sie das Geld nicht mehr reiche, weil es für Asylbewerber ausgegeben werde; und da käme ein Paar, das plane, sich in der Elternzeit für Flüchtlinge einzusetzen, weil man da ja Zeit habe. Kurz, so Ederer: „Das Thema schwingt immer mit.“ Auch in Moosburg, wo Donum Vitae seit Juni 2015 in einem Raum der Vhs an jedem Montag von 8.30 bis 12 Uhr Beratung anbietet, wie Stefanie Kellner betont. Und Donum Vitae war auch 2015 wieder mit sexualpädagogischen Projekten vor allem an Mittelschulen und an Berufsschulen unterwegs, hat dabei exakt 1101 Jugendliche erreicht.

Rubriklistenbild: © dpa

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