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Diskutierten die aktuelle Situation des Handwerks: (v.l.) MDL Benno Zierer, MDL Florian Herrmann, Josef Schrädler (Direktor der Staatsbrauerei Weihenstephan), Staatsministerin Ulrike Scharf, Landrat Josef Hauner, Kreishandwerksmeister Martin Reiter sowie Marcus Königbauer vom Münchener Verein.

Symposium der Kreishandwerkerschaft Freising

Hat das Handwerk ein Imageproblem?

Landkreis - In Sachen Handwerk steht der Landkreis blendend da. Das machte Staatsministerin Ulrike Scharf bei einem Symposium deutlich. Doch sie mahnte auch, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen.

Dem Handwerk geht es gut, zumal in den Landkreisen Freising und Erding. Da waren sich Kreisvorsitzender Martin Reiter und der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Lothar Semper, beim Handwerkersymposium einig. Ulrike Scharf, bayerische Umwelt- und Verbraucherministerin, versicherte den Betrieben auch künftig den Beistand der Staatsregierung. Martin Reiter konnte eine lange Reihe von Ehrengästen begrüßen. 

Dennoch blieben zahlreiche Stühle im Saal leer, was den Ehrenkreishandwerksmeister Paul Kuffner auf den Plan rief. Der Gründer des Handwerkersymposiums kritisierte das mangelnde Interesse an dieser hochkarätigen Veranstaltung. 2800 Handwerksbetriebe im Landkreis mit insgesamt rund 12 000 Mitarbeitern generierten jährlich 1,3 Milliarden Euro Umsatz, betonte Reiter. Problematisch unverändert die Nachwuchssituation, klagte der Kreisvorsitzende. Das Handwerk habe bei der Jugend noch immer nicht den gewünschten Stellenwert. Teils sei das auch den Eltern zuzuschreiben, so Reiter, die für ihre Kinder am liebsten den höheren Schulabschluss sehen. Flüchtlinge könnten hier Defizite ausgleichen, sagte Reiter. Viele absolvierten inzwischen Praktika bei Handwerksbetrieben im Landkreis. Mitleid zeigte Reiter für seinen zurückgetretenen Parteifreund Georg Schlagbauer (CSU). Der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern war wegen Drogenverdachts von allen Ämtern zurückgetreten. Reiter dazu: „Wenn einer am Boden liegt, sollte man nicht auch noch nach ihm treten.“ Die Arbeit in der Kammer gehe aber weiter. Ulrike Scharf sang das Hohelied vom erfolgreichen Land Bayern, in dem das Handwerk wie auf einem Schiff quasi „im Maschinenraum“ einen wesentlichen Anteil habe. Bayern habe zudem einen großen Anteil am Umweltpakt, lobte die Umweltministerin, indem das Handwerk beim Klimaschutz (Gebäudedämmung) sehr aktiv sei.

Die niedrige Arbeitslosenquote (2,0 Prozent) und ein Spitzenplatz unter den zukunftsträchtigsten Landkreisen der Republik lasse für Freising keine Wünsche offen: „So schreibt sich Erfolg“. Auf dem Erreichten dürfe man sich jedoch nicht ausruhen, mahnte die Politikerin aus Erding. Trägheit und Selbstzufriedenheit dürften nicht aufkommen. Um aber weiter auf der Erfolgsspur zu bleiben, seien Sicherheit, Gerechtigkeit und Bildung wichtige Bestandteile bayerischer Politik. Dass beim Handwerk aber nicht alles eitel Sonnenschein ist, machte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Lothar Semper deutlich. Obwohl inzwischen auch Realschüler und Gymnasiasten vermehrt eine Ausbildung im Handwerk antreten, fehle vielerorts der Nachwuchs. Der jüngst in Berlin geschlossene Kompromiss zur Erbschaftssteuer sei für Semper noch nicht in trockenen Tüchern. Hier sieht der Hauptgeschäftsführer im Bundesrat einen unsicheren Kantonisten. Und der Klage der Deutschen Umwelthilfe hinsichtlich der Schadstoffbelastung in den Städten stehen die Handwerker skeptisch gegenüber – im schlimmsten Falle droht ein Dieselverbot in den Zentren. Lothar Semper: „Die Städte müssen erreichbar bleiben.“

Heinz Mettig

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