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Eine Szene mit Johanna Sticksel und Andreas Fußeder mussten die Teilnehmer interpretieren. Dabei zeigte sich, wie schwer es ist, eine Situation neutral zu beschreiben.

Training für Betreuung von Asylbewerbern

Die Helfer sind nicht allein

Marzling - Die Bewältigung des Alltags ist bei der Betreuung von Asylbewerbern oft nicht einfach. Hilfestellung hierzu gab es am Montagabend im Marzlinger Pfarrheim: „Interkulturelles Training“ wurde mit der Sozialpädagogin Veronika Unterreithmeier vom Kreisbildungswerk Freising geübt.

„Der Fremde ist fremd nur in der Fremde.“ Das Zitat des berühmten Komikers Karl Valentin gab den Einstieg zu der interessanten Veranstaltung, zu dem der Pfarrgemeinderat Marzling geladen hatte.

Was „fremd sein“ bedeute, das hatten schon einige der rund 20 Anwesenden am eigene Leib gespürt. Sie sei hier auf viele neue Werte gestoßen, erzählte eine der Teilnehmerinnen, die nach der Flucht aus der früheren DDR in Marzling eine neue Heimat gefunden hatte. Christa, die Tochter des „letzten“ Bäckermeisters von Marzling erinnerte sich daran, als sie gemeinsam mit ihrem kranken Mann auf der verzweifelten Suche nach einer Therapiemöglichkeit in Italien unterwegs gewesen sei. „Ich habe es erlebt, wenn man im Ausland auf Hilfe angewiesen ist.“ 

Und Regina, die seit mehreren Jahren in der Flüchtlingshilfe in Freising aktiv ist, erzählte von einer Einladung zum Tee, die sie von einer Familie aus Afghanistan erhalten hatte. „Eine ganz andere Kultur. Der Teegenuss war einzigartig.“ Wie sehr man von der eigenen kulturellen Sozialisation geprägt ist, zeigte Unterreithmeier bei einer anschließenden Übung. Johanna Sticksel, Leiterin des „Treffpunkt Ehrenamt“ in Freising und Andreas Fußeder, Pastoralreferent aus Marzling spielten eine Szene, die in einer fiktiven Kultur, der „Albatros-Kultur“ statt fand: Die Teilnehmer des Trainingsabends, die im Stuhlkreis saßen, wurden aufgefordert, das Gesehene zu interpretieren. Dabei zeigte sich, wie schwer es ist, eine Situation neutral zu beschreiben. Ihr sei es so ergangen, als sie beim Helferkreis in Attenkirchen mit einer Asylbewerberin aus Nigeria zu tun hatte, erzählte Unterreithmeier. „Die Frau hat lautstark nach einem Geschenk für ihr Kind zum ersten Geburtstag verlangt“, so die Kursleiterin. Man müsse wissen, dass dies in ihrem Land üblich sei. In Marzling werden demnächst rund 60 Asylbewerber erwartet.

Der Helferkreis stehe bereits in den Startlöchern, sagte Gemeinderätin Susanne Röpke. Mittlerweile stehe ein Lagerraum zur Verfügung, in dem Kleider- und Sachspenden gesammelt werden könnten. Rund 50 interessierte Marzlinger hätten sich schon zum Engagement im Helferkreis bereit erklärt, verriet Röpke. Auch Regina Höfl wird mit dabei sein. Derzeit erteilt sie Deutschunterricht für Kinder von Familien aus Afghanistan, Indien und Albanien. „Behördenbesuche begleiten, Ausfüllen von Formularen und zeigen, wo sich die Familien mit Kleidung versorgen können“, das sind neben dem Unterricht klassische Aufgaben, bei denen sie Migranten zur Seite stehe, so Höfl. 

Veronika Unterreithmeier lobte die Marzlinger für das Interesse, bei der schwierigen Aufgabe der Integration von Menschen aus anderen Kulturen mitzuwirken: „Sie sind nicht allein. Die Bildungseinrichtungen in Freising geben Hilfestellung.“ Dass man diese Hilfe suchen sollte, darüber waren sich die Teilnehmer des Abends einig.

Maria Martin

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