Solange die Corona-Pandemie noch grassiert, ist eine Grippe-Impfung eigentlich unverzichtbar. Doch schon jetzt zeichnet sich ein Lieferengpass ab, wie der Sprecher des Ärztlichen Kreisverbands, Georg Miedl, berichtet.
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Solange die Corona-Pandemie noch grassiert, ist eine Grippe-Impfung eigentlich unverzichtbar. Doch schon jetzt zeichnet sich ein Lieferengpass ab, wie der Sprecher des Ärztlichen Kreisverbands, Georg Miedl, berichtet.

Engpass im Landkreis Freising

„Schon 160 Dosen weggeimpft“: Hohe Nachfrage nach Grippeimpfung - Nachschub bereitet Probleme

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Langsam beginnt die Grippesaison - in Zeiten von Corona eine zusätzliche Belastung. Ärztesprecher Georg Miedl berichtet von den Herausforderungen.

Landkreis – Eine Viruserkrankung hielt im vergangenen Winter die Ärzte auf Trab und machte Hunderten von Menschen im Landkreis zu schaffen: die Grippe. Dann kam Corona – und blieb. Das mögliche Zusammentreffen beider Erkrankungen in diesem Winter sehen Experten nun als enorme Gefahr – und raten dringend zur Grippeschutzimpfung. Doch Appelle sind kaum mehr nötig. Bereits jetzt hat ein regelrechter Ansturm auf den Impfstoff eingesetzt. Wird er reichen? Wir fragten bei Georg Miedl, Hausarzt und Sprecher der Ärzte im Landkreis, nach.

Haben Sie noch genügend Impfstoff, Herr Miedl?

Tatsächlich haben wir in meiner Praxis die erste Charge, das waren etwa 160 Dosen, bereits weggeimpft. Aber wir bekommen den Impfstoff ja fraktioniert geliefert. Nachschub ist bereits bestellt – und er wird hoffentlich eintreffen.

Es muss nach Risikobewertung geimpft werden.

Ärztesprecher Georg Miedl

Hoffentlich?

Ja, ich bin mir leider nicht sicher. Die Hersteller waren heuer durch die Corona-Pandemie bereits sensibilisiert und haben zugesagt, global die doppelte Menge an Impfstoff zu produzieren. Und wir haben die doppelte Menge bestellt – müsste also eigentlich reichen. Ich habe sicherheitshalber noch einmal Kontakt mit unserer zuliefernden Apotheke aufgenommen und musste feststellen, dass die zusätzlich zugesagten Lieferungen keineswegs sicher sind und nunmehr doch Lieferengpässe bestehen.

Wie hoch ist denn die Nachfrage?

Deutlich höher als in früheren Jahren. Und das ist auch gut so und entspricht unserer Empfehlung. Vor allem Ältere über 60 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich impfen lassen. Außerdem alle, die in medizinischen Berufen arbeiten oder im öffentlichen Leben stehen, also mit vielen Menschen zusammenkommen. Und Schwangere. Die Krankenkassen haben extra betont, dass sich jeder impfen lassen kann.

Macht das auch bei Kindern Sinn? Bei einzelnen Hausärzten geht meinen Informationen zufolge bereits der Impfstoff zur Neige. Die sehen eine komplette Durchimpfung der Bevölkerung daher eher kritisch.

Natürlich macht die Impfung erst einmal bei jedem Sinn. Je mehr Geimpfte, desto weniger Ausbreitung einer Erkrankung ist zu erwarten. Da nun aber der Impfstoff nicht so wie zugesagt zur Verfügung zu stehen scheint, muss nach Risikobewertung geimpft werden. Und da Kinder mit der Influenza mit am besten zurecht kommen, sind die oben genannten zuerst zu impfen.

Man sollte sich rechtzeitig impfen lassen.

Ärztesprecher Georg Miedl

Worin liegt eigentlich die Gefahr, wenn Corona und Grippe zusammentreffen?

Gefährlich wird es bereits, wenn beide Krankheiten hintereinander folgen. Die Grippe wird immer noch unterschätzt. Dabei nimmt sie, auch bei gesunden Erwachsenen, oft einen schweren Verlauf mit sehr hohem Fieber. Wenn dazu Corona kommt, könnte das wirklich kritisch werden und womöglich tödlich enden. Wer sich impfen lässt, hält also zumindest eine schwere Erkrankung außen vor.

Wie sicher ist denn, dass die Impfung wirkt. Da gab es auch schon Pannen.

Tatsächlich wurde vor zwei Jahren von den Kassen nur ein Impfstoff mit Dreifach-Wirkung erstattet, der in vielen Fällen nicht funktionierte. Dadurch gab es eine besonders starke Grippewelle. Der Impfstoff heuer ist tetravalent, vierfach-wirksam also, und das passt.

Wann kommt denn die Grippewelle?

Der Höhepunkt ist bei uns recht früh im neuen Jahr, im Januar und Februar. Bis der Impfstoff seine volle Wirkung entfaltet, dauert es 14 Tage. Man sollte sich also rechtzeitig impfen lassen, im Oktober oder November. Bereits jetzt nehmen die Infektionskrankheiten wieder zu.

Beschäftigt die Hausärzte auch noch das Corona-Virus – beziehungsweise die Tests?

Da hat sich strukturell etwas geändert. Wir Hausärzte waren im Rahmen des Katastrophenfalls direkt eingebunden, was übrigens sehr gut funktionierte. Jeder meldete sich über die Hausärzte an, die dann selbst getestet oder den Patienten zur Teststrecke geschickt haben. Jetzt ist das Bayerische Testzentrum in der Luitpoldanlage in Betrieb. Für den Test dort meldet sich jeder online an.

Testen die Hausärzte auch noch?

Viele Hausärzte testen auch noch, ja. Dies geschieht auf freiwilliger Basis. Da geht es auch darum, dass ältere Ärzte sich schützen müssen. Ich habe extra eine Infektionssprechstunde eingerichtet, um die anderen Patienten zu schützen.

Was halten Sie davon, Patienten ohne Symptome oder konkreten Anlass auf Corona zu testen. Diese sogenannte „Söder-Test“ kosten Geld und Test-Kapazitäten. Und im Grunde kann man sich doch schon fünf Minuten nach Verlassen der Praxis neu anstecken. Macht das Sinn?

Die Einführung des Söder-Tests hat uns zunächst die Möglichkeit geboten, früh viel zu testen und auch verdeckte Infektionen zu finden. Dadurch wurde eine frühe Verfolgbarkeit verbessert. Gleichzeitig nimmt es aber auch Laborkapazitäten für symptomatische Tests, die dadurch länger dauern. Die Sinnhaftigkeit wird später bewertet werden müssen.

Gut zu wissen

Alle Informationen über das Corona-Testzentrum (Ablauf, Anmeldung) findet man auf der Homepage des Landkreises.

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