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Fiebern der Filmpremiere entgegen: (v. l.) Produzent Ernst Keller, Otto Radlmeier (Kreis-Krieger- und Soldatenverband), Alt-OB Dieter Thalhammer, Jörg Raab (Kriegsgräberfürsorge) und Stadtarchivar Florian Notter.

Der Luftkrieg und die Bombardierung Freisings

70 Jahre, 70 Zeitzeugen, ein Film

Freising – Die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse eines Krieges wachzuhalten und zum Frieden zu mahnen – das sei „aktueller denn je“, sagt Otto Radlmeier, der stellvertretende Vorsitzende des Kreis-Krieger- und Soldatenverbandes. Gesagt hat er das am Montag, als im Freisinger Rathaus ein Filmprojekt vorgestellt wurde, das den Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs über dem Landkreis und der Stadt Freising beleuchtet.

Der Titel: „Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam“. Ernst Keller, Heimatforscher aus Fürholzen, hat 70 Zeitzeugen befragt, jahrelang recherchiert und den zweistündigen Film produziert. 

Am Sonntag, 31. Januar, wird um 15 Uhr im Freisinger Asamsaal zum ersten Mal der Film zu sehen sein, der sich in einem ersten Teil mit dem Luftkrieg über dem südlichen Landkreis Freising, im zweiten Teil mit der Bombardierung der Stadt Freising am 18. April 1945 beschäftigt. Ernst Keller heißt der Mann, der das Mammutprojekt mit Zeugensuche, Zeugenbefragung und Recherchen (sogar in den USA) realisiert hat, und der nun dieses bis jetzt größte und aufwändigste Ergebnis der Heimatforschung zum Zweiten Weltkrieg vorlegen kann. Der Ausgangspunkt des Projekts war das Auffinden von Flugzeugteilen einer verschollenen Maschine bei Fürholzen, erklärte Keller am Montag bei der Pressekonferenz des OB. Weitere Recherchen zu anderen Ereignissen des Luftkriegs über Freising hätten sich daran angeschlossen – beispielsweise über das „heikle Kapitel“ der Ermordung abgeschossener amerikanischer Piloten bei Eching. Er habe sogar Augenzeugen dieser Erschießungen gefunden, mit ihnen geredet. 

In einem zweiten Teil beschäftigt sich der Film dann mit der Bombardierung Freisings am Kriegsende. 188 der 224 Toten habe man identifizieren können, Keller hat mit Nachfahren der Opfer gesprochen. Denn Keller verfolgt mit seinem Film ein Ziel: „Den Menschen, egal ob Täter oder Opfer, ein Gesicht und eine Stimme geben.“ Dass die Aussagen und Erzählungen der Zeitzeugen oft sehr emotional seien, dass er manche, besonders drastische Darstellungen auch nicht im Film habe verwenden können, zeige, dass es „höchste Zeit war“, diese Menschen zu finden. Denn: „Sie werden immer weniger.“ 

Für die Premiere des Films am 31. Januar ist der Eintritt frei, allerdings sollte man sich in der Touristinfo zwischen dem 18. und dem 29. Januar Platzkarten abholen, betont Freisings Stadtarchivar Florian Notter. Die Stadt hat das Projekt unterstützt, weitere Kooperationspartner sind der Kreis-Krieger- und Soldatenverein und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), für dessen Bezirksgeschäftsführer Jörg Raab es auch wichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten und zum Frieden zu mahnen.

Andreas Beschorner

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