Neues Buch von Richard Birk

Lange Schatten

Viele Leser kennen den Namen von Richard Birk, ist er doch einer der eifrigsten Leserbriefschreiber der Heimatzeitung. Doch nicht nur seine Kommentare zum aktuellen Geschehen beschäftigen den 71-jährigen Freisinger. Er hat inzwischen auch schon sein zehntes Buch geschrieben und veröffentlicht: „Gestatten, Dein Schatten“, heißt das jüngste Werk.

„Die Erzählungen sind authentisch und doch nicht wahr“, kommentiert Birk sein Werk, und wirbt „Besuchen Sie die Bilder meiner Ausstellung und malen Sie ihre dazu.“ Die Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen, sind dabei oft etwas düster. Es geht um den Tod, ob ihn nun eine alte Dame lieber doch noch zehn Jahre warten lässt, oder er aber, ähnlich wie in vielen Märchen von Hans Christian Andersen, um die Erlösung und den Übergang in die richtige, schönere Welt. Das Verlassen dieser Welt kann als Traum kommen, als Besuch bei dem Stern, der sich als einziger um ein einsames Kind kümmert, oder als Rettung aus einem schweren Schicksal. Nie jedoch ist er voller Schrecken.

 „Ich wollte den Menschen den Tod wieder in Erinnerung bringen. Er ist ja unabkömmlich, wird in unserer Gesellschaft aber nicht mehr wahrgenommen“, erklärt der Autor dazu. Und auch dem unumgänglichen Alter wird der Schrecken genommen, beispielsweise in der Titelgeschichte. Hier belebt der Schatten nicht nur die Einsamkeit, sondern liefert gleichermaßen Stoff zum Nachdenken und zum Schmunzeln. Als dritter, wiederkehrender Themenstrang kommt auch die Stellung der Frau zur Sprache. Und gerade jüngere Leserinnen können hier lernen, wie schwer es einige Generationen vor ihnen hatten, Unabhängigkeit und Glück zu erreichen in einer Welt, in der noch Ehe und Kloster die beiden einzigen angesehenen Optionen für eine junge Frau waren. 

Mit leiser Selbstironie hat Richard Birk übrigens auch die Geschichte eines pensionierten Finanzbeamten ins Buch gefügt, der – unruhig im Ruhestand – zuerst anfängt, Zeitungsartikel zu korrigieren, und dann einen satirischen Leserbrief zum Thema Ehe und Scheidung schreibt. Dieser bringt ihm viel Ärger von anderen Lesern ein. Doch hat er zum Glück eine liebende, kluge Ehefrau. Das ist meine Lieblingsgeschichte im Buch. Es wird jeder eine andere finden, doch alle erreichen das Ziel des Autor, sie „entschleunigen den Tag“.

Daniela Seulen

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