ÖDP-Infoabend zur Ansiedlung von Grosslogistiker

„Lerchenfeld wird fast unbewohnbar“

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Freising: Das Nebenzimmer im Alten Gefängnis war gut gefüllt, als ÖDP-Stadträtin Monika Hobmair gemeinsam mit Ulrich Vogl über die beabsichtigte Ansiedlung des „großen Logistikzentrums“ (Transgourmet) in den Clemensängern berichteten. Beide zitierten in weiten Teilen quasi wörtlich aus einer städtischen Vorprüfung, die der Planungsausschuss im September des vergangenen Jahres in öffentlicher Sitzung behandelt hatte.

Klar sei demnach, dass die Ansiedlung einer 275 m langen und 90 m breiten Logistikhalle in den Clemensängern einen Maßstabssprung darstelle, zumal auch die Höhenentwicklung mit 18 Metern alles vorhandene toppe. Außerdem müsse man bei den Betriebszeiten für die Be- und Entlieferung mit Lkw hellhörig werden: annähernd sieben Tage die Woche ab 4 Uhr morgens, bis 22 Uhr abends, so sei es in der Voruntersuchung zu lesen. 

Die stark durchgrünte Struktur für den Ostteil des einstigen Vorzeigegebiets werde bei der Ansiedlung des Logistikzentrums aufgegeben und eine direkte Wegeverbindung vom heute bereits genutzten Westteil der Clemensänger zur Erdinger Straße sei nicht mehr möglich. „Ein derartiges Gebäude werde alleine schon aufgrund seiner großen Dimensionen vom Lerchenfelder Süden aus deutlich zu sehen sein“, sagter Brigitte Hobmair. Die im rechtskräftigen Bebauungsplan vorgesehene durchgehende Grünfläche an der Südseite des Südrings, die sowohl eine Verbindung im Grünen für Radfahrer aus Lerchenfeld sei, als auch Entwässerungsfunktionen übernehme, könne ebensowenig umgesetzt werden, wie die im heutigen Bebauungsplan vorgesehene Pflanzung von 170 neuen großen Bäumen. Ziemlich problematisch werde es aber auch wegen des Verkehrs: Die Verkehrsbelastung durch den Schwerverkehr werde zunehmen, wenn die firmeneigenen 50 Lkw tagtäglich zu nächtlicher Stunde (ab 4 Uhr morgens) ausrücken und im Laufe des Tages wieder zurückkehren. Ein weiteres Problem seien die Fremd-Lkw: Bereits ein einzelner Wagen, der mit laufendem Kühlaggregat in der Nacht zufährt oder auf seine Abfertigung wartet, würde voraussichtlich den zulässigen Immissionsrichtwert überschreiten. Zudem würden Ladegeräusche auf der Hallennordseite nachts (22 bis 6 Uhr) zu unzulässigen Überschreitungen führen. Am stärksten wäre dabei die Wohnbebauung an der Carl-Orff-Straße betroffen, schilderten Vogl und Hobmair. 

Beide Stadträte waren sich mit den Zuhörern einig, dass eine solche Mehrbelastung für den durch Autobahn und Flughafen schon stark in Mitleidenschaft gezogenen Lerchenfelder Süden definitiv „nicht mehr geht“. Die gesamte Maßnahme sei nicht nur aus Sicht der betroffenen Anwohner „absolut grenzwertig und zudem auf Kante genäht“, meinte Ulrich Vogl. Für seine Kollegin und ihn sei es unvorstellbar, angesichts der bereits heute in der städtischen Voruntersuchung enthaltenen Erkenntnisse an der Maßnahme festzuhalten. Einer der Zuhörer : „Lerchenfeld wird fast unbewohnbar!“ Doch werde es wegen des bereits im Mai 2015 getroffenen Grundsatzbeschlusses und den Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat wohl nicht einfach werden, die Sache noch aufzuhalten. Mögliche Aktivitäten könnten jetzt eigentlich nur noch von den Anwohnern ausgehen, stellten Hobmair und Vogl klar.

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