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Satz für Satz widerlegt haben die Verfasser der kritischen Edition das rechtsextreme „Gebräu“ Hitlers in „Mein Kampf“. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat, wie Mitherausgeber Roman Töppel auf Einladung des Kreisbildungswerks im Kardinal-Döpfner-Haus berichtete.

Die kritische Edition von Hitlers „Mein Kampf“

Die Entzauberung der braunen Bibel

Es ist nicht einfach nur ein Buch. Es ist ein Symbol: „Hitler. Mein Kampf.“ Verboten war das Buch in Deutschland nie. Seit einem Jahr ist die kritische Edition der „Bibel des Nationalsozialismus“ auf dem Markt. Und sie ist ein Verkaufsschlager. Wieso, das hat der Freitagabend in der Aula des Kardinal-Döpfner-Hauses gelehrt.

Freising– Einer der Mitherausgeber der kritischen Edition, Roman Töppel, war der Einladung des Kreisbildungswerks gefolgt und berichtete über „Mein Kampf“ und über die neue Ausgabe. Und die sei „ein Anti-Mein Kampf“. Denn: Diese „Edition mit Standpunkt“, so Töppel zu den Kritikern des Projekts des Instituts für Zeitgeschichte, „nimmt Hitler auseinander“.

„Mein Kampf“ sei vieles, so Töppel: die umfangreichste und intimste Quelle über einen Mann, der über Jahre hinweg das „Bewegungszentrum“ der Welt gewesen sei; für Adolf Hitler selbst ein Akt der Selbstfindung; zugleich eine Schrift, die ihn gegen seine Mitbewerber als den von Gott ausgewählten Führer darstelle; „Mein Kampf“ sei auch ein Anspruch auf die Weltherrschaft. Außerdem eine Schrift, die Rassismus und Judenhass, Krieg für den Lebensraum im Osten, die Forderungen nach Diktatur und Gewalt als die vier Hauptgedanken beinhaltet; „Mein Kampf“ habe aber auch ganz profan Geld einbringen sollen für Hitler, der beispielsweise schnelle Autos liebte. Man glaubte es Töppel also sofort, wenn er davon sprach, dass die 2012 begonnene Arbeit an dieser Edition inhaltlich „mühselig und unerfreulich“ war.

Doch – und diese Botschaft Töppels war ganz zentral und wichtig – weil es eine durchaus auch wertende Kommentierung ist, weil man sich nicht nur mit den Quellen und den Fehlern, sondern auch mit den ideengeschichtlichen Wurzeln des Werks, also mit den Botschaften Hitlers auseinandersetzt, weil die kritische Edition in zwei Bänden nicht nur wissenschaftlich sein sollte, sondern auch für eine breite Öffentlichkeit von Interesse, deshalb sei von Anfang an klar gewesen: Diese Edition müsse eine „Gegenrede“ zu „Mein Kampf“ sein. Dafür habe man viel Platz benötigt. Was jetzt in zwei Bänden und in einem außergewöhnlichen, aber einzig sinnvollen Layout abgedruckt ist, ist nur die gekürzte Variante all dessen, was das große Forscherteam in über 3500 Anmerkungen zusammengetragen hat. Viel Grundlagenforschung habe man betreiben müssen, so Töppel, damit am Ende eine Edition stand, die „Mein Kampf“ entzaubert, die Hitler Satz für Satz widerlegt und die Hitlers Art, mit Halbwahrheiten zu arbeiten, zerlegt.

Und: Töppel und die Edition des Instituts für Zeitgeschichte räumen mit Mythen auf: „Mein Kampf“ sei damals nicht gelesen worden? Eine „Schutzbehauptung“, so Töppel, die sich widerlegen lasse. Ein einzigartiges Werk? Nein, nur eine von vielen rechtsextremen Schriften in den 20er-Jahren, in der auch keine eigenen Gedankengänge Hitlers stecken, sondern das „ein Gebräu“ sei, das er sich „zusammengepuzzelt“ hat. Eines aber stimmt: „Mein Kampf“ ist nicht einfach nur ein Buch. „Mein Kampf“ ist ein Symbol. 

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