Nur mit Mühe lassen sich die „verlegten“ Programme wieder sortieren. Foto: MM-Archiv

Nach Senderneubelegung im TV: Überforderte Kabel-Kunden und verärgerte Techniker

Freising - Eine neue digitale Senderbelegung von Kabel Deutschland Ende August sorgt auch im Landkreis Freising für Ärger und Verwirrung. Sender waren weg, Bildschirme blieben schwarz. Auch die Fernseh-Fachhändler sind sauer. Sie müssen tagelang gratis arbeiten. Die Umbelegung sei eine einzige Zumutung.

Beim Freisinger Fachhändler Arne Czekalla steht das Telefon nicht mehr still. Seit Kabel Deutschland die digitalen Sender auf neue Plätze verlegt hat, herrscht Chaos bei den Kunden. ARD und ZDF etwa sind plötzlich auf anderen Programmplätzen oder ganz verschwunden. Manchmal gibt es keine HD-Programme mehr. Mehr als eine dürre Mitteilung von Kabel Deutschland, man müsse sein „Endgerät“ auf den Lieferzustand „zurücksetzen“ und den Sendersuchlauf starten, gab es für die Kabelkunden im Vorfeld nicht. „Viele sind völlig überfordert“, weiß Czekalla. „Das Ganze ist schließlich nicht ganz einfach auszuführen“. Selbst wer technisch versiert sei, sitze geraume Zeit vor dem TV-Gerät, um seine Programme neu zu sortieren: „Eine Zumutung“. Die Kabelbetreiber müssten stabil auf ihren Plätzen bleiben und „nicht alle Nas’ lang wechseln“. Sein Tipp für Ratlose: „Den freundlichen Nachbarn, der sich auskennt, um Hilfe bitten. Oder auch einen Neffen oder Enkel“. Junge Leute hätten mit den „verlegten“ Sendern sicher weniger Probleme. In vielen Fällen muss aber Czekalla selbst ausrücken und seinen Kunden helfen: „Die haben ihren Fernseher schließlich beim Fachhändler gekauft, weil sie dort den besten Service bekommen.“ Deshalb könne er jetzt bei seinen unzähligen Hausbesuchen auch keine Rechnung stellen. „Die meisten geben dann halt ein angemessenes Trinkgeld.“

Schier endlos ist auch die Liste der ratlosen Kunden, die Norbert Fleischmann (Inhaber von Radio- und Fernseh-Lössner in Freising) mit seinem Team abzuarbeiten hat. Und das kann dauern. Manche der Kunden haben zwei, drei Fernseher, bei denen die Neuordnung der Kanäle per Hand erfolgen muss.

„Seit Tagen unterwegs“ ist auch Heinrich Winkelmann, der in Neufahrn einen TV-Ein-Mann-Betrieb führt. 45 Minuten dauert es im Schnitt pro Kunde, bis die Sender wieder auf ihrem alten Platz sind. Und auch Winkelmann muss nun tagelang praktisch ohne Lohn arbeiten: „Die Kunden hätten kein Verständnis, wenn das auch noch etwas kosten würde“, sagt der Neufahrner, „manche vermuten ja sogar, ich hätte den Fernseher schlecht eingestellt“. Fazit: Ärger auf der ganzen Linie. Und keiner der befragten „Fernseh-Männer“ kann nachvollziehen, warum Kabel Deutschland die Senderumbelegung überhaupt vorgenommen hat.

Der Netzanbieter verspricht immerhin, durch die „Kabel-Offensive“ künftig noch mehr HD-Sender anbieten zu können. Bleibt nur zu hoffen, dass man diese dann auch findet.

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