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Die drohende Klimakatastrophe treibt die Freisinger um. Bei Wind und Regen kamen an die 500 Teilnehmer zum „Klimastreik“ in die Innenstadt. An die 1000 zogen anschließend in einem Demo-Marsch durch die Stadt.

Fridays for Future

„Handelt sich um einen Notfall“: 1000 Freisinger demonstrieren bei weltweitem Klima-Streik

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An die 1000 Freisinger zogen am Freitag beim weltweiten Klimastreik in einem langen Demo-Marsch durch Freising. Die Botschaft war eindringlich: Man brauch einen „kompletten Neustart“.

Freising – Komplett durchgefallen ist die Klimapolitik der Bundesregierung – zumindest bei den Freisinger Klima-Aktivisten und bei vielen Bürgern: An die 500 Teilnehmer versammelten sich am Freitag bei Regen und Wind am Freisinger Kriegerdenkmal zum Klimastreik – und an die 1000 waren es, die anschließend in einem langen Demo-Marsch durch die Stadt zogen.

Schon zur Begrüßung hatte Anke Neumeier von der Freisinger Fridays-for-Future-Gruppe scharf kritisiert, was die Bundesregierung da als „Klimapaket“ geschnürt hat: „Das ist eine Frechheit“, rief Neumeier unter dem Applaus der Zuhörer. „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Man brauche einen „kompletten Neustart“, denn mit dem, was da gesetzlich auf den Weg gebracht werde, würde man die Pariser Klimaziele nie erreichen.

Wissenschaftlerin skizziert fatale Folgen der Erderwärmung

Dann, das machte als Gastrednerin Prof. Annette Menzel von der TUM deutlich, würde die Temperatur deutlich steigen – um bis zu vier Grad in unseren Breiten. Die fatalen Folgen dieser Erwärmung skizzierte die Extraordinaria für Ökoklimatologie sehr eindringlich:

  • Noch mehr Hitzetage mit noch sehr viel mehr Hitzetoten – auch und gerade in Deutschland, wo die Temperatur noch stärker als im globalen Durchschnitt ansteigen werde.
  • Sinkende Grundwasserspiegel und schwindende Trinkwasser-Reserven.
  • Große Einbußen in der Land- und Forstwirtschaft, auch bei Obstbauern.
  • Eine frühere und längere Leidenszeit für Allergiker.
  • Mehr Waldbrände.
  • Die weitere Verbreitung von Krankheiten, etwa das von der Tigermücke übertragene Dengue-Fieber.
  • Eine komplett veränderte karge Landschaft – ohne die vertrauten Bäume und Pflanzen.

Das Fazit der Freisinger Wissenschaftlerin: „Die Ausrufung des Klimanotstands durch das EU-Parlament ist gerechtfertigt. Es handelt sich tatsächlich um einen Notfall.“ Menzel stellte klar: „Freiwillige Versprechungen reichen nicht aus.“ Was Wissenschaftler weltweit in Alarmstimmung versetze, sei, dass sogenannte „Kipp-Punkte“, ab denen keine Umkehr der drohenden Klimakatastrophe möglich sei, früher erreicht würden als man sich das bisher vorstellen konnte. Besonders fatal: „Es kommt zu einer Verkettung dieser Kipp-Punkte“. Wissenschaftler weltweit seien froh über die Fridays-for-Future-Bewegung.

Klara Wrusch, Sprecherin der Freisinger Gruppe: „Es geht alles viel zu langsam.“

Klara Wrusch (18) ist von Anfang an bei der Freisinger Gruppe dabei. Am Rande des Klima-Streiks wollte das Freisinger Tagblatt von der Dom-Gymnasiastin wissen:

Was treibt Dich um?

Die Klimapolitik der Bundesregierung wird nicht greifen. Es geht alles viel zu langsam. Ich habe wirklich Angst vor Zukunft. Und die Wissenschaft bestätigt, dass die Angst nicht unbegründet ist. Die Szenarien sind nicht gerade rosig. Die Ausrufung des Klimanotstands durch das EU-Parlament ist zwar ein Zeichen der Hoffnung. Aber es ist wichtig, dass den Symbolen auch Taten folgen.

Was wünscht Du Dir von der Stadt Freising?

Dass unser Notstands-Antrag, den wir schon vor geraumer Zeit eingebracht haben und der gerade diskutiert wird, angenommen wird. Und dass damit auch auf lokaler Ebene eine Diskussion angestoßen wird.

Gehörst Du als Klima-Aktivistin zu den Einzelkämpfern an Deiner Schule?

Da gibt es inzwischen schon eine breite Diskussion an der Schule. Das Thema Klimaschutz und wie ernst die Lage ist – das ist ins kollektive Bewusstsein eingedrungen. Ein gutes Zeichen etwa ist, dass sich jeder Schüler Gedanken darüber macht, was er in seinem Konsumverhalten ändern könnte. Ich würde mir aber wünschen, dass noch mehr zu den Demos kommen. Es stimmt zwar, dass man mit individuellem Verhalten vieles zum Positiven verändern kann. Die zweite Säule aber muss der Versuch sein, die Politik mitzugestalten. Die Politik kann viel großflächiger wirken als der Einzelne. Wir müssen uns einmischen.“

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