Justitia
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Wacklig ist die Anklage im Prozess gegen einen 37-jährigen Bosnier vor dem Landgericht Landshut.

Belastungszeuge inzwischen abgeschoben

16 Jahre nach Raub im Landkreis Freising: Angeklagter bestreitet Tat

Gemeinsam mit drei Tätern soll ein 27-Jähriger 2005 versucht haben, Bewohner eines Bauernhofs bei Freising auszurauben. Jetzt hapert es mit der Beweissituation.

Landkreis - Wacklig ist die Anklage im Prozess gegen einen 37-jährigen Bosnier vor dem Landgericht Landshut: Gemeinsam mit drei weiteren Mittätern soll der Mann 2005 versucht haben, Bewohner eines Bauernhofs nahe Freising auszurauben. Doch die Beweissituation hat sich seit Anklageerhebung „wesentlich verschlechtert“, meinte Richter Andreas Wiedemann und hob auf Antrag der Verteidigung en Haftbefehl auf. Dieser sei „einzig durch die Einlassung eines Berufskriminellen motiviert“, hatte Verteidiger Frank Hatlé gerügt.

Die Anklage

Tatsächlich gründet die Anklage auf den Angaben eines 43-Jährigen, der den brutalen Raub im Jahr 2019 vor dem Landgericht eingeräumt und im Rahmen der Verhandlung den Angeklagten als Mittäter benannt hatte. Der Belastungszeuge steht dem Gericht zur Befragung nun aber nicht mehr zur Verfügung, da er im Sommer nach Serbien abgeschoben wurde.

Der Raub

Der Anklage zufolge waren am Morgen des 24. Mai vier Männer auf das Anwesen unter dem Vorwand aufgesucht, ein Schaf kaufen zu wollen. Gemeinsam mit dem Ehepaar und einem weiteren Bewohner des Bauernhofs war man in eine zu einem Schlachthaus umfunktionierte Garage gegangen, um dort über den Ankauf zu verhandeln. Dort zog einer der Täter Person eine Waffe, bedrohte das Ehepaar und forderte Geld. Danach wurden die Eheleute und ihr Mitbewohner gefesselt. Die Täter schnappten sich deren Geldbörsen mit insgesamt 2500 Euro Inhalt. Danach filzten sie noch das Wohnhaus. Wie am Rande der Verhandlung zu vernehmen war, übersahen sie dabei einen Tresor mit 80 000 Euro.

Der Serbe hatte 2019 angegeben, die Idee zu dem Raub sei spontan auf einer Familienfeier entstanden, wo ein Bekannter und er zwei Männer kennengelernt haben. Mit diesen hätten sie gefeiert und getrunken. Einer habe dann gesagt, dass in der Nähe auf einem Hof eine Familie lebt, die Geld hat. Am nächsten Morgen sei man aufgebrochen. Der 43-Jährige wurde seinerzeit wegen schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Im Rahmen der Verständigung habe sich der Serbe mit der Benennung von Mittätern Pluspunkte dazuverdienen wollen, mutmaßte der Verteidiger. Tatsache ist, dass der Mann das „einzige Beweismittel“ gegen den Angeklagten ist, sagte Richter Wiedemann. Und nachdem dieser nun in Serbien sei, sei dem Gericht eine Befragung“ nicht mehr möglich.

Die Juristen

Staatsanwältin Büttner will von der Abschiebung des Belastungszeugen nichts gewusst haben, verwahrte sich aber gegen die Aussage Hatlés, der Serbe sei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft aus der Haft entlassen worden, um der Abschiebung zugeführt zu werden. Abschiebungen lägen gar nicht im Verantwortungsbereich einer Staatsanwaltschaft, so Büttner. Mitverteidiger Marco Noli bestritt im Namen des Bosniers den Tatvorwurf. Im Übrigen werde man keine Angaben machen.

Die Polizei

Ein Beamter der Kripo berichtete, dass die Angaben des Serben zu seinen Mittätern „relativ wage“ waren. Man habe ihm später im Gefängnis Täterbilder zur Auswahl vorgelegt. Da habe er den heutigen Angeklagten als einen der Männer von der Familienfeier identifiziert. Ansonsten seien keine Spuren festgestellt worden, die auf den Angeklagten hindeuten würden. Der Prozess wird am nächsten Freitag fortgesetzt.

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