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Mit dem SpDi-Boot auf großer Fahrt: In einem launigen Theaterstück zeigte das Team des Sozialpsychiatrischen Dienstes um Fachdienstleiter Christian Jotter (r.) die Entwicklung des Angebots von 1994 bis heute. 

Caritas feiert Jubiläum

„Hausapotheke für die Seele“: 25 Jahre Sozialpsychiatrischer Dienst im Landkreis

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Der Sozialpsychiatrische Dienst der Caritas hilft im Kreis Freising rund 800 Menschen. Seit mittlerweile 25 Jahren kämpfen die Mitarbeiter für mehr Akzeptanz von psychischen Krankheiten. 

Freising – „Die Seele hat Muskelkater.“ Mit vier Worten kreierte Bürgermeisterin Eva Bönig ein Bild, das anschaulich erklärt, wie sich psychisch kranke Menschen oft fühlen. Damit sich ihre Seele wieder entspannen und heilen kann, gibt es im Landkreis Freising seit 25 Jahren den Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) der Caritas. Dieses Jubiläum wurde am Montag im Marstall des Landratsamts gefeiert.

Muskelkater im Körper sei das Resultat von zu viel Sport, zu viel Anstrengung, machte Bönig in ihrem Grußwort deutlich. Die Seele werde jedoch meist durch „zu wenig“ krank. „Zu wenig Anerkennung, zu wenig Kontakt, zu wenig Ansprache, zu wenig Freunde, zu wenig Freude.“ In solchen Fällen sei der SpDi der Caritas eine wichtige Anlaufstelle. Die vielfältigen, im Laufe der Jahre kontinuierlich erweiterten Hilfs-, Begleit- und Kontaktangebote stünden Betroffenen wie eine Art „Hausapotheke für die Seele“ zur Seite.

„Jeder Bürger hat Anspruch auf Hilfe“

„Jeder Bürger hat Anspruch auf Beratung und Hilfe – und zwar kostenlos“, betonte Caritas-Geschäftsführerin Carolin Dümer. Der Sozialpsychiatrische Dienst, der in der Region ein großes und wichtiges Netzwerk aufgebaut hat, gliedert sich in mehrere Bereiche: Neben der Beratung für psychische Gesundheit im Allgemeinen und der Anlaufstelle für ältere Menschen gibt es eine Koordinierungsstelle für Unterstützung im Alltag, die zudem pflegende Angehörige betreut und in Demenz-Fällen berät. Dazu unterhält die Caritas die beiden Tagesstätten „Courage“ in Freising und Moosburg. Angeboten werden auch Ambulant Begleitetes Wohnen, eine therapeutische Wohngemeinschaft, Beratung für Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, Selbsthilfegruppen, Unterstützung für traumatisierte Geflüchtete sowie der Krisendienst.

Letzteren aufzubauen sei zwar anstrengend gewesen, sagte Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin im Caritasverband München und Freising. Dass es jedoch absolut notwendig gewesen sei, zeigen die Zahlen: Im vergangenen Jahr hätten dort rund 23 500 Menschen angerufen.

Vor 25 Jahren „ganz klein“ angefangen

Das Angebot sei – wie der ganze SpDi – ein Erfolg geworden. „Vor 25 Jahren hat eine Psychologin ganz klein angefangen. Heute arbeiten hier 25 Menschen“, erläuterte Stark-Angermeier. Dennoch entwickle sich das Angebot, das vom Bezirk finanziert wird, ständig weiter. Prävention zum Beispiel sei mittlerweile besonders im Fokus. Die Vorständin sprach dem ganzen Team Lob aus: Die Professionalität, die Empathie und das Gespür jedes Einzelnen sei essenziell für den Erfolg der Einrichtung – und die Gesundheit der Bürger. „Auf solche Dienste für Menschen in Not kann man nicht verzichten“, sagte auch Vize-Landrat Robert Scholz.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer erklärte, dass im Landkreis rund 800 Menschen vom SpDi betreut würden. „Die Zahl steigt. Gerade junge Menschen sind häufig betroffen.“ Wichtig sei, passgenaue Angebote zu schaffen. In der Boomregion München sei etwa die Wohnungsnot ein großes Thema. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“, sagte Mederer. Er betonte, wie notwendig es gewesen sei, dass das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz in seiner ursprünglichen Form nicht erlassen worden sei, und erntete dafür viel Applaus. Mederer appellierte, psychisch kranke Menschen noch viel stärker in die Gesellschaft zu integrieren – und nicht zu stigmatisieren.

Lesen Sie auch: Wege aus der Einsamkeit: Caritas-Verband zeigt Perspektiven für Langzeitarbeitslose auf und Knallrotes Suppenmobil: Caritas und Jobcenter steuern bedürftige Jugendliche an

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