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300. Geburtstag von Camerloher: Freising huldigt seinem größten Komponisten mit einem Festival

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Das Gemälde aus dem Bayerischen Nationalmuseum zeigt eine Szene aus einem Konzert in der fürstbischöflichen Residenz Seraign bei Lüttich mit Placidus von Camerloher im Talar am Cembalo stehend mit der Notenrolle, entstanden anlässlich eines Besuches des Kurfürsten im Schloß Seraign im Jahre 1753. © Landratsamt

Freisings berühmtester Komponist ist Placidus von Camerloher (1718-1782). Zu seinem 300. Geburtstag würdigt der Landkreis den früheren Hofkapellmeister der Stadt vom 4. bis 7. Oktober mit einem Festival.

Freising In der Aula des Camerloher Gymnasiums wird die Oper „Comedia Frisingana“ präsentiert: Das noch unbekannte Musiktheater, das aus der Feder von Peter Joseph Lapier stammt und die musikalische Epoche von Camerloher gut widerspiegelt, wird als historische Aufführung gezeigt. Inszenierung, Ausstattung und Gestik entsprechen einem Musiktheaterstück jener Zeit. Zuschauer können so völlig in die Welt des Spätbarocks und der Frühklassik eintauchen.

Die Oper

Die „Comedia Frisingana“ erzählt die alttestamentarische Geschichte von Abraham, der seinen Sohn Isaak auf Gottes Geheiß opfern soll. Das lateinische Stück, für die Aufführung ins Deutsche übersetzt und neu editiert, wurde vor über 200 Jahren für Studenten der Freisinger Benediktinerhochschule geschrieben und stellt schon deswegen eine Besonderheit dar, weil es erhalten blieb. Derartige Opern waren im 18. Jahrhundert Höhepunkt und Abschluss eines Schuljahres in Freising und wurden in der Aula, dem heutigen Asamsaal, aufgeführt. Darsteller waren Schüler, Studenten und Professoren, auch Hofmusiker und Domkapellknaben wirkten mit. Über 100 solcher Schulspiele gingen in Freising über die Bühne. Von den meisten Musiktheaterstücken blieben nur eine Art Programmheft und in seltenen Fällen Textbücher erhalten. Die Musikstücke gingen verloren. Einzige Ausnahme: die „Comedia Frisingana“, deren Musik und Text vollständig überliefert sind.

Lange hielten Musikwissenschaftler Camerloher für den Urheber. Nachforschungen ergaben aber, dass die Musik von dem Münchner Komponisten Peter Joseph Lapier (1722 bis 1754) stammt.

Die Festakademie

Bei der vorausgehenden Festakademie stehen Vorträge über Camerloher als Mensch und Musiker im Mittelpunkt. Schüler des Camerloher-Gymnasiums spielen zudem ausgewählte Werke des Komponisten, dem Freising dieser Tage ein musikalisches Denkmal setzt.

Programm: Die Festakademie findet am Donnerstag, 4. Oktober, um 19.30 Uhr im Camerloher-Gymnasium Freising statt. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist bis zum 28. September per E-Mail an camerloher@kreis-fs.de oder unter Tel. (0 81 61) 60 0 160 erforderlich. Die Oper „Comedia Frisingana“ wird am Samstag, 6. Oktober, und am Sonntag, 7. Oktober, je um 19.30 Uhr in der Aula des Camerloher-Gymnasiums aufgeführt. Karten zu 25 Euro, 18 Euro (Ermäßigung), 10 Euro (Kinder bis zu zwölf Jahren) zuzüglich Vorverkaufsgebühr gibt es in der Tourist-Information Freising (Tel. 0 81 61/5 44 43 33; E-Mail: tickets@freising.de) oder unter tickets.vibus.de. Restkarten gibt es an der Abendkasse ab 18.45 Uhr.

Das Festivalprogramm wurde von Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge und den Freisinger Spezialisten für Barockmusik Sabina Lehrmann und Christoph Eglhuber entwickelt. Als Solisten treten bei der Oper Roswitha Schmelzl, Martina Koppelstetter und Benedikt Heggemann auf. Der Freisinger Sänger Benedikt Eder ist in der Hauptrolle des Abraham zu sehen. Das Barockorchester „Neue Freisinger Hofmusik“ musiziert mit Sabina Lehrmann auf historischen Instrumenten.

Die musikalische Leitung hat Christoph Eglhuber. Regie führt Jadwiga Nowaczek, Spezialistin für barocken Tanz, barocke Gestik und barockes Musiktheater. Schüler des Camerloher-Gymnasiums spielen bei der Festakademie.

Die CD

Anlässlich des 300. Geburtstags des Freisinger Hofkapellmeisters Placidus von Camerloher hat der Freisinger Lautenist Christoph Eglhuber eine CD mit der erhaltenen Lautenmusik des Meisters eingespielt. Gemäß der überlieferten Quellen hatte Camerloher für seinen Dienstherren, den Laute spielenden Fürstbischof Johann Theodor, ein größeres Opus an Lautenmusik komponiert, wovon leider nur ein Teil in der Bibliothek der Abtei Metten erhalten ist. Die Mettener Manuskripte enthalten Solosuiten für das Instrument, aber auch Kammermusik für mehrere Lauten und Streichinstrumente. Es handelt sich dabei um galante Musik im Stile der Frühklassik für eine spezielle Lautenart, die Mandora oder Gallichon genannt wird und in Süddeutschland im 18. Jahrhundert sehr verbreitet war. Die CD besteht mehrheitlich aus Ersteinspielungen und erscheint am 14. September beim renommierten Münchner Label Oehms Classics. Sie ist dann überall im Handel erhältlich, kann aber auch in Freising direkt bei Bücher Pustet erworben werden. Beim Freisinger Camerloher-Festival wird die CD der Öffentlichkeit präsentiert werden.

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