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Den Heiligen Erhard halten die Attachinger in Ehren. Wolfgang Hagn (Pfarrgemeinderat) und Alfred Alschinger (Kirchenverwaltung, r.) mit dem Rokokoschrein, der eine Reliquie des Kirchenpatrons enthält – einen Finger.

300 Jahre Filialkirche St. Erhard in Attaching

Wo der Wanderbischof wacht

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Vor 300 Jahren wurde die heutige Attachinger Kirche geweiht. Grund genug nicht nur für einen Festgottesdienst am 10. Juni, sondern auch für einen neuen Kirchenführer über die Filialkirche St. Erhard. Und der hat einen prominenten Autor: Klaus Kratzsch, einst Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Attaching– St. Erhard, der Wanderbischof, der die blinde elsässische Herzogstochter Ottilie durch die Taufe wieder sehend gemacht hat, ist ihr Patron. Die Legende ist deshalb auch auf dem großen Altarbild dargestellt, das 1717 von Johann Jakob Plätger geschaffen und 1827 vom Freisinger Maler Ignaz Alois Frey übermalt wurde. Das Bild ist nur ein Blickfang in der Filialkirche zu Attaching.

1717 wurde für sie der Grundstein gelegt, im Jahr drauf wurde sie fertiggestellt und geweiht, weshalb man heuer den 300. Geburtstag begehen kann. Doch schon für das Jahr 1418 ist durch die Erwähnung im Salbuch des Freisinger Stifts St. Veit eine Kirche in Attaching belegt. Zweifellos gab es sogar schon vor 1418 eine Kirche in dem Ort, der im 11. Jahrhundert als Ahatuhhinga verzeichnet ist. Doch leider gibt es dazu keine Zeugnisse, weil das Stiftsarchiv von St. Veit verloren ging und der Attachinger Kirchenschatz 1645 geraubt wurde.

Kundiger Autor: Der ehemalige Hauptkonservator am Landesdenkmalamt, Klaus Kratzsch, hat den neuen Kirchenführer der Filialkirche St. Erhard verfasst.

Wo man das und noch viel viel mehr nachlesen kann? Im neuen, gerade veröffentlichten Kirchenführer „Kath. Filialkirche St. Erhard Attaching“. Er ist der dritte seiner Art über das Bauwerk, aber er ist mit 41 eng beschriebenen und reicht bebilderten Seiten der ausführlichste, der auch neueste Erkenntnisse und Entwicklungen berücksichtigt. Klaus Kratzsch, von 1973 bis 2003 Mitarbeiter am Landesdenkmalamt und zum Schluss seiner Tätigkeit Hauptkonservator, hat zahlreiche Quellen und viel wissenschaftliche Literatur ausgewertet, um dieses Werk zu verfassen. In dem Heft beschäftigt sich Kratzsch nicht nur mit der Geschichte des Ortes Attaching vom Jahr 809 an, in dem er auch den Verlust der Moosflächen und die Folgen des Flughafens schildert. Ausführlich erläutert und analysiert Kratzsch vor allem das Bauwerk der heutigen Kirche, schildert detailliert die Formen und besonderen Kennzeichen der Architektur, die so sehr mit der zeitgleich entstandenen und 1718 von Fürstbischof Eckher geweihten Kirche St. Valentin in Altenhausen übereinstimmt: Da ist die Rede von bewegten Fensterformen, von Blindfenstern, von Kennzeichen einer barocken Architektur-Ästhetik, von dem etwa 26 Meter hohen Glockenturm und davon, welche kleinen und großen Veränderungen der Kirchenbau im Laufe der Jahrhunderte erlebte.

Doch auch das Innenleben der Kirche wird von Kratzsch exakt und informativ beschrieben. Da ist der Stuckdekor, der dem bekannten Künstler Nikolaus Liechtenfurtner zugeschrieben wird, da ist eine Beschreibung der vier Deckengemälde, die „wenig bedeutend“ sind und Übermalungen der ursprünglichen, 1729 von Franz Josef Lederer angebrachten Malereien durch Karl Kraft aus dem Jahr 1885 darstellen.

Kratzsch beschreibt die Geschichte des Hochaltars, der aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt und 1717 vom Freisinger Franziskanerkonvent erworben wurde. Ursprünglich, so erfährt man, stand er in der Antoniuskapelle der ehemaligen Klosterkirche, heute die Korbinianschule an der Unteren Hauptstraße.

Die Nebenaltäre und die Kanzel werden ebenso beleuchtet wie die zahlreichen Figuren und Bilder, die das Innere von St. Erhard prägen: das Gnadenbild Maria Trost, die Altöttinger Madonna, der älteste Messkelch aus dem Jahr 1727, das Messbuch aus dem Jahr 1717, aber auch die Büste des Hl. Erhard – sie alle werden gewürdigt.

Neben St. Erhard, und auch diesem Thema widmet der Kirchenführer ein ganzes Kapitel, gibt es in Attaching noch zwei Kapellen: Da ist die sogenannte Hungerkapelle an der Dorfstraße 7, die wahrscheinlich als Pestkapelle während des 30-jährigem Krieges erbaut wurde.

Und da ist die Franziskuskapelle, jenes Gotteshaus am Ende der Dorfstraße, die angesichts der Bedrohung Attachings durch die geplante dritte Startbahn seit 2012 an die Bewahrung der Schöpfung mahnt.

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