Großeinsatz der Polizei an Klinik in Deggendorf: Patient hat Mitpatientin als Geisel genommen

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Bericht aus dem Gericht

47-Jähriger dreht nackt und bekifft völlig durch - Geldstrafe

Wegen eines außergewöhnlichen Ausrasters landete ein 47-Jähriger vor Gericht. Der Mann hatte sich im Rausch so daneben benommen, dass er sich auf der Anklagebank dafür in Grund und Boden schämte. 

Ampertal Nach einem Autounfall hat sich der Geschäftsführer einer IT-Firma (47) eine  junge Frau als Hilfe in sein Haus im westlichen Landkreis geholt. Während sie sich unsterblich in ihn verliebte, sah er in ihr bloß eine „Mischung aus Sekretärin, Haushälterin und Krankenpflegerin“. Eine kurze Liaison wollte er nicht weiter vertiefen. Die unheilvolle Konstellation eskalierte in einer Situation, wie sie der herbeigerufene Polizist (28) nie zuvor erlebt hatte. Vor dem Amtsgericht Freising wurde dem 47-Jährigen der Prozess wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung zum Nachteil der Frau und wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte gemacht. Mit seinen Krücken soll der Angeklagte den Polizisten attackiert, ihn zu Boden gestoßen haben. Obwohl nicht vorbestraft, drohte ihm eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis drei Jahren. Sollte das Gericht die Krücken als gefährliches Werkzeug einstufen, müsste er mit bis zu fünf Jahren rechnen. Der neue Paragraf 114 StGB ist als Produkt der Debatte um zunehmende Übergriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter erst im Mai 2017 eingeführt worden.

Nein, an so einen Einsatz vermochte sich der Polizist beim besten Willen nicht zu erinnern. Als er am Abend des 31. August 2017 einem Notruf nach Hohenkammer gefolgt war, sah er durch die Glastür des Hauses, „wie jemand am Boden zur Tür robbte“. Es handelte sich um den Angeklagten, der ihn splitternackt in Empfang nahm und nicht sonderlich glücklich schien, einen Uniformierten zu begrüßen. Schwaden von Cannabis-Düften schlugen dem entgegen. Sein erster Eindruck: „Der war völlig durch den Wind!“ Der Angeklagte habe orientierungslos gewirkt. „Es war nicht möglich, ihn zu befragen.“

Ein womöglich erster Gedanke, in einem Monty-Python-Film geraten zu sein, verging dem Beamten, als er feststellte, in welch verängstigtem Zustand die junge Frau sich befand. Währenddessen stellte sich der Angeklagte in seinem Bett schlafend. Im nächsten Moment sprang er heraus, ging mit den Krücken auf den Beamten los, der bei der Gelegenheit auf die offene, eitrige Unfallwunde am Fuß des 47-Jährigen aufmerksam wurde. „Das hat nicht lecker ausgesehen.“ Schon im Eingangsbereich war ihm eine Spur aus Blut und Eiter aufgefallen, die der IT-Mann hinter sich herzog. Plötzlich stieß der Angeklagte ihn zu Boden. Der Polizist nahm ihm die Krücken. „Es ist nicht schön, einem die Krücken wegzunehmen, der darauf angewiesen ist“, sagte der 28-Jährige. Der Angeklagte bewarf ihn nun mit Kissen. Und es wurde noch schlimmer: Immer noch splitterfasernackt wandte ihm der Angeklagte den Rücken zu, beugte sich vor, reckte ihm den Hintern entgegen und rief: „Besorg’s mir doch!“ Der Polizist hatte genug gesehen, ließ den Mann in die Psychiatrie einweisen. Der Angeklagte, dem anzumerken war, wie unangenehm ihm der Abend war, entschuldigte sich bei dem Beamten. Von seinem unseligen Verhalten aber profitierte er. Weil die junge Frau nicht im Zeugenstand erschien, reduzierte sich die Anklage auf tätlichen Angriff. Den Vorwurf der Körperverletzung, Beleidigung und der Bedrohung zu Lasten der Frau stellte das Gericht ein. Seit dem 31. August 2017 befindet sie sich in psychiatrischer Behandlung. Laut ihrem Arzt ist es ihr nicht zuzumuten, ihrem Peiniger zu begegnen. Ihren gesundheitlichen Zustand skizzierte der Psychiater als „hoch dramatisch“. Obwohl der neue Paragraf 114 eine Freiheitsstrafe vorsieht, kam der Angeklagte mit einer Geldstrafe über 2250 Euro (90 Tagessätze zu 25 Euro) davon. Der 47-Jährige hatte Alkohol und Drogen konsumiert, galt dem Gericht als vermindert schuldfähig.

Rubriklistenbild: © dpa / Uli Deck

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