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Begrüßten das Jubiläums-Publikum: Die Kinder der Integrativen Tagesstätte Moosburg (InKiMo) sorgten mit ihren Lieder für Begeisterung. Insgesamt waren rund 300 Gäste zu der Feier in der Luitpoldhalle geladen.

Jubiläumsfest in der Luitpoldhalle

50 Jahre Lebenshilfe Freising: Gäbe es sie nicht, man müsste sie erfinden

Es war eine Sternstunde für den Landkreis: Als sich die Lebenshilfe Freising 1968 aus einer Elterninitiative heraus gegründet hatte, begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Bei der Jubiläumsgala zum 50-jährigen Bestehen der Selbsthilfeeinrichtung für Menschen mit Behinderung wurde am Samstag den Anfängen gedacht – und der Blick in die Zukunft gerichtet.

Freising – Was für ein Spektakel: Die Kinder der Integrativen Tagesstätte Moosburg (InKiMo) und die integrative Rock’n’Roll Band aus dem Anneliese-Schweinberger-Haus in Moosburg – die „nASHville Cowboys und -girls“ – standen am Samstagabend auf der Bühne der Luitpoldhalle und bekamen von rund 300 Gästen tosenden Applaus. Die waren gekommen, weil die Lebenshilfe Freising zum runden Geburtstag eingeladen hatte. Was sie erlebten, war gelebte Integration statt Im-stillen-Kämmerlein-sitzen. So lange sei es nämlich noch gar nicht her, dass Menschen mit Behinderungen möglichst abgesondert untergebracht waren, erinnerte die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V., Ulla Schmidt.

In den 1960er Jahren, noch unter dem Schock der Nazidiktatur stehend, trauten sich viele Eltern nicht, für das Recht ihrer Kinder zu kämpfen. Glücklicherweise gab es damals Ausnahmen – wie Leo Link, Inge Holzer oder Hildegard Wanka etwa. Die drei Gründungsmitglieder der Lebenshilfe Freising waren am Samstag auch vor Ort und erzählten, wie sie damals die Teilhabe mit vorangetrieben hatten. Über die Lotterie „Aktion Sorgenkind“ konnte ein Mercedes-Transporter des Typs Hanomag angeschafft werden – ein Modell davon stand passenderweise vor dem Eingang der Luitpoldhalle. Damit habe man Ausflüge unternommen: zum Schwimmen, Ski-Langlaufen oder zum Paddeln ins Altmühltal. Aus der „Aktion Sorgenkind“ – in den 70er Jahren eine bundesweite Lotterie für mehr Hilfe zur Selbsthilfe von behinderten Menschen – ist längst die „Aktion Mensch“ geworden. „Unsere Kinder sind keine Sorgenkinder“, betonte Schmidt. Jedes Kind bekomme seinen Platz in der Gesellschaft.

Mit ihm fing alles an: (v. l.) Ulla Schmidt, Monika Haslberger, Franz Burger und Michael Schwaiger vor einem Modell des Mercedes-Transporters, mit dem die Freisinger Lebenshilfe erste Freizeit-Ausflüge für Menschen mit Behinderung anbieten konnte.

In mehr als 30 Einrichtungen – von der Frühförderung bis ins hohe Alter – engagiere sich die Lebenshilfe Freising. Mit der Anerkennung der Schulpflicht auch für behinderte Kinder sei in den 1970er Jahren die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens geschaffen worden. Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz, das 2016 in Kraft getreten ist, sei ein weiterer großer Schritt in Richtung Teilhabe erfolgt, betonte die Politikerin. Allerdings gebe es auch Punkte, die Sorge bereiteten. Pränataltests, durch die im Blut der werdenden Mutter Chromosomenstörungen wie etwa das Down-Syndrom festgestellt werden könnten, nannte sie bedenklich. „Wir wollen nicht, dass Selektion einzieht.“

Kein Mitleid, sondern Verständnis bräuchten Menschen mit Behinderung, sagte Landrat Josef Hauner. Der Kreistag habe sich stets positiv für die Belange der Lebenshilfe engagiert. Hauner machte der Einrichtung ein großes Kompliment: „Wenn wir die Lebenshilfe nicht hätten, müssten wir sie morgen erfinden.“ Die Frau, die seit Jahrzehnten das Gesicht der Lebenshilfe Freising verkörpert, kam natürlich ebenfalls zu Ehre: Monika Haslberger. „Sie weiß, was Menschen mit Behinderungen brauchen“, würdigte sie Ulla Schmidt.

Maria Martin

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