Die Band „Luz amoi“ im Rahmen des „Freisinger Sommer Wunders“ im Freisinger Amtsgerichtsgarten im Juli 2020
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15 Veranstaltungen – wie hier das Konzert der Band „Luz Amoi“ – konnten im Sommer 2020 im Rahmen des „Freisinger Sommer Wunders“ im Freisinger Amtsgerichtsgarten beziehungsweise im Lindenkeller stattfinden.

Jenseits von Infektionsfällen und Genesenen

81 Prozent weniger Popcorntüten: Diese Zahlen zeigen die Auswirkungen der Pandemie auf den Kreis Freising

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Popcorntüten, Kulturveranstaltungen, Fußpflege: Diese Zahlen demonstrieren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Landkreis Freising - jenseits von Infektionsfällen und Genesenen.

Freising - Knapp ein Jahr ist es her, dass sich der erste Bürger im Kreis Freising mit dem Coronavirus infiziert hat. Seither begleiten die täglichen Corona-Zahlen Journalisten und Zeitungsleser. Heute hat das Freisinger Tagblatt auch Zahlen jenseits von Infizierten, Verstorbenen und Genesenen zusammengetragen. Sie demonstrieren ebenfalls die Auswirkungen der Pandemie auf den Landkreis.

1248 Verstöße

gegen das Infektionsschutzgesetz wurden im Einsatzbereich der Polizei Freising seit Beginn der Pandemie bis Anfang Februar 2021 zur Anzeige gebracht. Nach Auskunft des Landratsamts wurden landkreisweit deutlich über 1500 Ordnungswidrigkeitenverfahren registriert.

17,5% weniger Unfälle

im Straßenverkehr registrierte die Polizei Freising für 2020. Im Jahr 2019 waren es noch 2764 Unfälle, darunter 290 mit Personenschaden. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist laut Vize-Polizeichef Michael Ertl nicht zurückgegangen, sondern bewege sich auf Vorjahresniveau (2019: 14 Einbrüche). „Zweifelsohne ist jeder Wohnungseinbruch einer zu viel“, betont Ertl. Der Dienstbereich der PI Freising habe aber „seit Jahren relativ niedrige Zahlen zu verzeichnen“.

Weniger gekracht hat es auf Freisings Straßen: Die Zahl der Verkehrsunfälle ging um ein Fünftel zurück.

Nicht mehr Müll

hat die Stadt Freising seit Beginn der Pandemie in den öffentlichen Abfalleimern registriert. „Glücklicherweise war/ist auch kein ,Zuwachs‘ bei wilden Ablagerungen zu verzeichnen“, schreibt Christl Steinhart, Sprecherin der Stadt.

Rund 600 Tablets

sowie weitere mobile oder feste Schulausstattung hat die Stadt Freising den Anforderungen der Schulen gemäß für das Homeschooling beschafft.

313 Ehen

wurden im Standesamt Freising im Corona-Jahr 2020 geschlossen. Zum Vergleich: 2019 waren es 318 Eheschließungen; im Jahr 2018 haben sich 323 Paare getraut und 2017 haben 308 Paare „Ja“ gesagt. „Corona hat sich bei den Eheschließungen rein zahlenmäßig also nicht ausgewirkt“, sagt Stadt-Sprecherin Christl Steinhart. Das große Aber: „Der organisatorische Aufwand ist dabei allerdings erheblich gestiegen, weil ständig Termine verlegt und verschoben werden mussten und natürlich laufend nachgefragt wurde, welche Beschränkungen bei der möglichen Anzahl an Gästen gerade aktuell ist.“

313 Paare haben im Corona-Jahr 2020 in der Stadt Freising „Ja“ gesagt.

Bis zu 6 Videocalls

führt Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher seit Beginn der Pandemie täglich. Eine pauschale Aussage gebe es zwar nicht, denn die Tage seien recht unterschiedlich. „So gibt es durchaus Tage mit ,nur‘ einem Termin, der dafür den ganzen Tag dauert, aber auch Tage mit Terminen im Halbstundentakt. Die Abendpräsenztermine sind deutlich weniger geworden seit Beginn der Pandemie, die Tage dafür intensiver“, heißt es aus dem Rathaus. „In Zeiten des harten Lockdown gibt es Tage, bei denen mehr als die Hälfte der Termine via Videokonferenz stattfinden. Das können dann schon mal mehr als fünf bis sechs sein. Vieles wird derzeit auch schriftlich oder per Telefon abgewickelt. Präsenztreffen finden seit Pandemiebeginn unter strengen Auflagen statt.“

31 Veranstaltungen

konnten Kulturamt und Stadtjugendpflege 2020 in der Freisinger Luitpoldhalle und im Lindenkeller durchführen, geplant waren 64. Aufgrund der Schließung von Spielstätten ab Ende Oktober fanden 90 Prozent der Events noch vor dem ersten Lockdown im Frühjahr statt. Alle geplanten Lindenkeller-Veranstaltungen sind auf den Herbst 2021 und das Frühjahr 2022 verschoben worden.

1698 Zuschauer

freuten sich im Juli über ein Stück Normalität und kamen zum „Freisinger Sommer Wunder“. Zusammen mit den Veranstaltern des Uferlos Festivals organisierte die Stadt im Sommer 15 Veranstaltungen in Amtsgerichtsgarten und Lindenkeller.

16 Pressekonferenzen

hat das Landratsamt Freising seit dem Auftreten des ersten Infektionsfalls im Landkreis zum Thema Corona abgehalten. Seither wurden fünf Allgemeinverfügungen zum Vollzug des Infektionsschutzgesetzes und drei Verlängerungen erlassen. Übrigens: Bis Anfang Februar 2021 versandte die Kreisbehörde 218 Pressemitteilungen zum Thema Corona.

In 9 Seniorenheimen

sind bis Anfang Februar 2021 Corona-Infektionen aufgetreten. Insgesamt gibt es 13 Senioreneinrichtungen im Landkreis.

28 961 Tests

wurden seit dem Start des Testzentrums in der Freisinger Luitpoldanlage dort durchgeführt. Zuvor wurden in den Drive-Through-Anlagen in Zolling und Marzling insgesamt knapp 5000 mal Menschen getestet. Bis zur Inbetriebnahme der Abstrichstelle in Zolling am 19. März 2020 haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamts 659 Abstriche bei Kontaktpersonen durchgeführt – entweder bei ihnen zu Hause oder im Gesundheitsamt. Das teilt Landratsamtssprecher Robert Stangl mit.

926 Ausweise weniger

verzeichnet die Stadtbibliothek Freising. Haben 2019 noch 5846 Leser einen Bibliotheksausweis, waren es 2020 nur noch 4920. „Einen ähnliche hohen Leserverlust hatten wir zuletzt im Jahr 2005/2006, als die Bibliothek wegen des Umzugs geschlossen war“, berichtet Leiterin Susanne Beck. Bücher und Spiele seien 2020 ebenfalls weniger ausgeliehen worden als im Vorjahr: Die Ausleihzahlen sanken von 308 300 auf 233 660 Medien. Wegen des Lockdown ging auch die Besucherzahl um 54 Prozent zurück: von 127 698 auf 58 736.

65% weniger Fußnägel

als normalerweise behandelten Susanne Schmid und ihr Team 2020 im Papillon Nagel &Kosmetikstudio am Freisinger Rindermarkt. „Normalerweise haben wir im Schnitt pro Tag 15 Fußpflegen, jetzt sind es vielleicht sechs“, sagt die 55-Jährige, die das Studio seit 25 Jahren betreibt.

354 Arbeitsplätze

stellt das Landratsamt seinen Mitarbeitern derzeit bereit. Knapp 200 davon sind mit Dienstlaptops ausgestattet worden, andere Mitarbeiter arbeiten an privaten Geräten. Zusätzlich wurden weitere Diensthandys bereitgestellt, berichtet Pressesprecher Robert Stangl. „Außerdem existiert eine Art Notfallkontingent, damit Mitarbeitern, die als Kontaktpersonen in Quarantäne müssen, für diese Zeit umgehend ein Dienstlaptop zur Verfügung gestellt werden kann.“

Mehr Bücher blieben im Regal: 74 640 analoge Medien weniger verlieh die Stadtbibliothek Freising 2020.

16 000 Schnelltests

gab der Katastrophenschutz in der zweiten Pandemie-Welle bereits aus.

2 Videokonferenzen

absolviert Landrat Helmut Petz im Schnitt pro Woche. Die restlichen Termine finden in der Regel in Präsenz statt, es handelt sich hauptsächlich um Besprechungen zu bestimmten Themen. Der Terminkalender ist voll, allerdings finden natürlich aktuell keine Auswärtstermine von Vereinen oder Organisationen statt, heißt es aus dem Landratsamt.

6000 Bürgeranfragen

hat die Kreisbehörde seit Pandemiebeginn bekommen: zum Infektionsschutzgesetz, zur Einreise-Quarantäne-Verordnung, zu Quarantäne-Bescheinigungen, Testverordnungen und Ähnlichem. Rund 3500 Quarantäne-Bescheinigungen wurden ausgestellt.

35 Tage Stille

herrschte im Jahr 2020 an den Schulen. Vom 16. März bis 11. Mai sowie ab dem 16. Dezember war wegen Lockdown komplett dich. Dazwischen gab es schrittweise Öffnungen und Wechselunterricht. Die Ferien sind nicht eingerechnet.

Schule „dahoam“: In den Schulen im Freistaat herrschte an 35 Tagen absolute Stille – Ferien exklusive.

81% weniger Popcorn

-Tüten als im Vorjahr haben die Rosenhof-Lichtspiele in Moosburg 2020 verbraucht. Zudem kamen 76 Prozent weniger Kinobesucher als 2019. „Dieser extreme Rückgang ist der sehr langen Schließzeit, aber auch den Abstandsregeln geschuldet“, berichtet Inhaberin Verena Dollinger. „Konkret bedeutete dies, dass wir in einem Saal mit einer Sitzplatzkapazität von zum Beispiel insgesamt 150 Sitzplätzen mit etwa 30 bis 40 verkauften Tickets ausverkauft waren – abhängig von der Gruppengröße einer Buchung.“ Im Vergleich von 2019 auf 2020 sei der Gesamtumsatz – zum Kino gehört auch ein Restaurant – um 58 Prozent zurückgegangen, der Rückgang allein im Kino betrage 71 Prozent.

1,02 Millionen Kittel

wurden 2020 im Klinikum Freising verbraucht, 2019 waren es lediglich 55 510 Schutzkittel. Handschuhe wurden nicht signifikant mehr benötigt: 2020 waren es 2,7 Millionen, 2019 2,6 Millionen Stück. Auch der Verbrauch von Handdesinfektionsmittel hat sich nicht drastisch erhöht: Von 5400 Liter auf 6000 Liter. 100 500 Mund-Nasenschutz-Masken wurden 2020 verbraucht, im Jahr zuvor waren es 89 000 Stück. Lediglich der Verbrauch von FFP2-Masken ist deutlich angestiegen: 55 000 Stück – 2019 dagegen hatte man noch keine einzige benötigt, teilt Klinikum-Sprecher Sascha Alexander mit.

387 Patienten

mit einer nachgewiesenen Covid-Erkrankung wurden bislang im Klinikum Freising behandelt. Das Durchschnittsalter betrug 66,5 Jahre. Der jüngste Patient war vier, der älteste 100 Jahre alt. 93 davon mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Von diesen 93 Personen starben 59. Ihr Durchschnittsalter betrug 82,1 Jahre – von 57 bis 98 Jahre. 44 Patienten waren älter als 80 Jahre. Alexander erklärt aber auch: „Bis dato haben wir natürlich viel mehr Patienten auf unserer Isolier- und Intensivstation versorgen müssen, nämlich auch solche, bei denen zumindest ein Verdacht auf Covid-19 bestand, der sich dann nicht bestätigt hat.“ Das bedeute, dass die Pfleger und Ärzte auch bei diesen Patienten höchste Hygienestandards einhalten hätten müssen und die Patienten sehr pflegeintensiv hätte sein können. „Genauso schwierig ist es oft, sagen zu wollen, wer mit oder an Covid-19 verstorben ist“, sagt der Sprecher des Klinikums. „Entsprechend heißt es ja in den Nachrichten immer ,in Verbindung mit Covid-19‘. Bei den meisten Intensiv-Patienten handelt es sich um schwerstkranke Menschen, die oft diverse Erkrankungen haben.“

Bis zu 10% mehr Strom

wurde 2020 im Privatkundenbereich abgenommen. Davon gehen die Freisinger Stadtwerke aus. Im Mittel seien es etwa fünf Prozent. Das seien zwar vorläufige Zahlen, da die Abrechnung noch nicht abgeschlossen sei, erklärt Sprecherin Nina Reitz. „Sicher haben im Jahr 2020 viele Menschen wesentlich mehr Zeit zu Hause verbracht als sonst üblich. Sie haben häufiger gekocht, Computer, Bildschirme und die Beleuchtung länger in Betrieb gehabt.“

Im Gewerbebereich habe sich die Pandemie bislang extrem unterschiedlich ausgewirkt. „Manches Gewerbe musste zuschließen, hatte aber trotzdem einen den Vorjahren ähnlichen Stromverbrauch – weil vermutlich die Kühltruhen weiterliefen“, sagt Nina Reitz. In manchen Gewerben sei der Betrieb normal weitergelaufen, andere hätten sogar mehr zu tun gehabt. „Diese Tendenzen gleichen sich aus und machen die Zahlen schwer interpretierbar. Wir rechnen mit einem Rückgang von im Mittel bis zu 15 Prozent im Gewerbebereich“, teilt die Sprecherin der Stadtwerke mit.

1% mehr Wasser

haben die Kunden nach Rechnung der Stadtwerke Freising im Jahr 2020 verbraucht. Das liege laut Reitz aber im normalen Schwankungsbereich. „Bei der Wasserabnahme gibt es Jahr für Jahr leichte Bewegungen.“

Stichtag für die Antworten war der 5. Februar 2021.

Bayerns Fahrschulen dürfen ab Montag wieder öffnen. Der Freisinger Fahrlehrer Dirk Dlugosch ist froh darüber. Seine Verluste seien jedoch nicht wieder wettzumachen.

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Landkreis Freising im Corona-Jahr drastisch zurückgegangen. Allerdings bereitet der Polizei eine Tendenz Sorgen.

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