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Selten war das Sekretariat des Dom-Gymnasiums so gut besucht wie gestern kurz nach 13 Uhr. Da holten die Abiturienten nach überstandener Mathe-Prüfung wieder ihre Smartphones ab. 

Abitur 2018 im Landkreis Freising

426 rauchende Köpfe

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    Anton Hirschfeld
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Kistenweise Handys lagen gestern in den Sekretariaten der Gymnasien. Die Damen und Herren, die gestern mit dem Prüfungsfach Mathematik ins Abi 2018 starteten, hatten – sozusagen als als Morgenritual – alle ihre Smartphones opfern müssen. Die Schulen melden heuer Abi-Extreme: In Neufahrn legen heuer so wenig, am Camerloher so viele wie nie zuvor die Hochschulreife ab. Oder versuchen es zumindest.

Landkreis Mit 136 Abitur-Prüflingen meldet das Camerloher-Gymnasiumin Freising heuer einen absoluten Rekord. Der Grund dafür ist ein Schüler-Boom vor acht Jahren: „Damals hatten wir sechs Anfangsklassen“, berichtet Schulleiterin Andrea Bliese – und aus den vielen Fünftklässlern von damals wurde inzwischen ein riesiger Abi-Jahrgang. 20 Tische mehr – das bedeutet für die Hausmeister viel Arbeit. Und dazu braucht man pro Stunde 20 Lehrer als Aufsichten – parallel zum normalen Unterricht. „Auch räumlich stoßen wir heuer an unsere Grenzen“, ergänzt die Schulleiterin. Zudem musste man auf die Aula als Prüfungsort ausweichen, weil die Turnhalle wegen Schimmelbefall und sonstigem Sanierungsbedarf geschlossen ist.

Bei den Prüfungen stehen am Camerloher alle Zeichen auf Musik und Kunst: 20 Schüler schreiben in Kunst ihr Abitur, 60 (!) in Musik – eine logistische Herausforderungen, weil die Abi-Aspiranten unter vier Themen wählen können und dazu jeweils ein Hörbeispiel eingespielt bekommen. Dazu müssen sie räumlich getrennt werden. „Außerdem muss natürlich die Technik perfekt funktionieren“, weiß Andrea Bliese, „sonst wäre das Abitur anfechtbar“. In den vergangenen Jahren blieb man vor solchen Pannen aber verschont.

Am Dom-Gymnasium treten die Abiturienten in gewohnter Stärke an: 67 Damen und Herren schwitzten gestern über Mathe und müssen bis zum 17. Mai auch die restlichen schriftlichen Abiturprüfungen ablegen. Am Montag, 7. Mai, stehen die Prüfungen in dem Fach auf dem Programm, das die Abiturienten als drittes Abiturfach festgelegt haben. Am beliebtesten ist am „Dom“ hier Englisch mit 23 Prüflingen, noch vor Latein, das an zweiter Stelle steht. Die Zeiten, als Latein noch der beliebteste „Leistungskurs“ (wie das damals hieß), war, sind zwar vorbei. Aber, so betont Oberstudiendirektor Manfred Röder, „Latein ist bei uns nach wie vor sehr beliebt. So konnten auch heuer wieder – dem Profil der Schule entsprechend – zwei Gruppen eingerichtet werden“. Aber die Dom-Abiturienten können auch anders: Das beliebteste Kolloquiumsfach ist Kunst. Diese mündlichen Prüfungen finden an den Gymnasien heuer übrigens von Montag, 4. Juni, bis Freitag, 15. Juni, statt. Dieser Freitag ist auch der Tag der Wahrheit: Die Schüler bekommen dann die Noten für die schriftlichen Prüfungen und erfahren, ob sie eventuell in die Nachprüfungen müssen.

Und wie schaut es bei den „Naturwissenschaftlern“ am Josef-Hofmiller-Gymnasium aus? Die Zahl der „Delinquenten“ liegt mit 87 im Normbereich, und konservativ ist auch, wie Oberstuden-Koordinator Henning Arndt betont, der Reigen der Abi-Wahlfächer am JoHo: Die meisten entscheiden sich an der „MINT“-Schmiede des Landkreises für Informatik, Chemie, Biologie oder Physik – neben den Pflichtfächern Mathe und Deutsch, das übrigens am Freitag, 11. Mai, geprüft wird.

Das MINT-Zertifikat hat auch das Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn – doch dort, „entgegen der Erwartungen“, wie Schulleiter Franz Vogl berichtet, stehen die Sprachen höher im Kurs als die naturwissenschaftlichen Fächer. Englisch, Französisch, Latein – in den Wahlfächern setzen die lediglich 67 Schüler vermehrt auf ihre Fremdsprachenkenntnisse. Vogl: „Ich kann mich allerdings nicht erinnern, schon einmal so einen kleinen Jahrgang gehabt zu haben.“ Normal starke Jahrgänge haben am OMG meist zwischen 90 und 100 Schüler – das sei auch für die kommenden Jahre wieder zu erwarten. „Das ist eben jetzt eine Ausnahme“, sagt Vogl. So unglücklich werden die Lehrkräfte darüber auch nicht sein – vor allem im Fach Deutsch. Da zwischen der Prüfung und den Pfingstferien, die zur Benotung auch genutzt werden, nur eine Woche Abstand ist, müssen sie in Sachen Korrektur auf die Tube drücken. Doch Schulleiter Vogl hat einen Plan: „Wir setzen da kleinere interne Maßnahmen um, die den Lehrern mehr Freiraum zum Korrigieren geben.“ Und dann werden die Noten auch heuer pünktlich eintrudeln.

Ähnlich handhabt das auch Karolina Hellgartner, Schulleiterin am Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium in Moosburg: „Wenn eine Lehrkraft einen großen Kurs hat, kann man da im vernünftigen Maß schon unterstützen.“ Da springen die Kollegen dann natürlich in die Bresche, um mehr Korrektur-Zeit zu schaffen. Wie am OMG, ist auch in Moosburg der Jahrgang „der kleinste seit langem“, erklärt Hellgartner. 73 Schüler stellen sich heuer den Abiturprüfungen. Ausreißer gibt es dabei nicht: „Wir haben heuer eine ganz normale Verteilung auf die Fächer.“

Die Hilfsmittel bleiben freilich traditionell: Mitgebrachte Handys müssen, wie auch in Neufahrn und an den drei Freisinger Gymnasien, ausgeschaltet und abgegeben werden. Nach den Prüfungen dürfen sich die Schüler ihre Gerätschaften wieder abholen. So setzt sich nach Prüfungsschluss eine Marschkolonne Richtung Sekretariat in Gang, wo die Smartphones meist in Kisten zwischenlagern. „Kein Handy, keine Probleme“, fasst es Henning Arndt vom JoHo zusammen: „Entweder zuhause lassen, oder ab in die Kiste.“

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