Christian Weigl: „Wir müssen reagieren.“
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Christian Weigl: „Wir müssen reagieren.“

Bis Mitte 2024 sollen zweieinhalb Stellen gestrichen werden

Acht Prozent weniger Gläubige im Evangelischen Dekanat Freising – das hat Folgen

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Weniger Gläubige, weniger Stellen. Die Weichen, die der neue Landesstellenplan der Evangelischen Kirche stellt, betreffen auch das Dekanat Freising.

Freising - 2877 Gemeindeglieder haben zwischen 2010 und 2019 dem Evangelischen Dekanat Freising den Rücken gekehrt. Ein Rückgang um 8,03 Prozent, wie Dekan Christian Weigl bei derDekanatssynode am Samstag erläuterte. Doch zu dieser Entwicklung komme noch ein anderes Problem hinzu: „Noch mehr beschäftigt uns der Rückgang von Menschen in geistlichen Berufen.“ Ein „worst-case-Szenario“, wie der Dekan sagte, spreche davon, dass es bis zum Jahr 2035 nur noch die Hälfte der evangelischen Pfarrer im Vergleich zu heute gebe. Fazit: „Es wird immer schwerer, die Stellen zu besetzen.“ Die Folge, wie sie sich daraus für den Landesstellenplan ergibt: „Wir müssen reagieren. Klagen und leiden hat keinen Sinn.“ Es gehe jetzt darum, zu überlegen, „in welche Bahnen wir den Umbruch lenken“.

Ein Mittel, über das die Landeskirche schon seit längerem verfügt, ist „Puk“. Das steht für das Konzept „Profil und Konzentration“, bedeute also ein profilierteres und konzentrierteres Arbeiten. Weil es angesichts der Lage immer schwieriger werde, Einzelinteressen zu bedienen, gelten die Grundsätze „Gemeinsam geht’s besser“ und „Im Raum denken“. Doch Weigl konnte auch beruhigen: Die Fusion von Kirchengemeinden sei explizit nicht angedacht, es gehe nicht darum, die Gemeinden zu schwächen.

Allerdings, so gebe es der Landesstellenplan vor, müsse das Dekanat Freising zweieinhalb Stellen streichen. Die Vorgaben, die zu dieser Konsequenz führen, seien zum einen, dass landesweit zehn Prozent der Stellen gekürzt werden müssten, dass zum anderen die „Pastorationsdichte“, also die Zahl der Pfarrer pro Gläubige, erhalten bleibe, und dass zum Dritten beispielsweise Kirchenmusiker-Stellen nicht gestrichen werden. Neu sei allerdings nun, dass alle Stellen künftig dem Dekanat zugewiesen werden, das dann die Stellen auf die einzelnen Gemeinden zu verteilen habe. Im Falle des Dekanats Freising bedeute das, dass 26 Stellen zu vergeben und vom Dekanatsausschuss zuzuweisen seien.

Weigl betonte, bei diesem Prozess seien möglichst große Transparenz und sehr viel Kommunikation wichtig. Es dürfe nichts „im Hinterzimmer“ ausgemacht werden, es dürfe keine Geheimnisse geben. Deshalb Weigls Appell: „Miteinander den Weg gehen.“ Nicht jeder dürfe sich nun sofort „in seinen Schützengraben“ begeben, man müsse sich vertrauen und „das Beste für die ganze Region wollen“. Dabei sei man aufgefordert, eine „neue Denke“ walten zu lassen. Beispielsweise seien Pendlerströme sowie Daten und Fakten zu berücksichtigen, die man bisher nicht ins Kalkül gezogen habe.

Weigl erläuterte auch, wie man sich den zeitlichen Ablauf dieses Prozesses im Dekanat Freising vorstelle: Man wolle einen „Puk-Denkerclub“ gründen, der als Impulsgeber fungiere, nach dem Austausch mit Pfarrern und Kirchengemeinden im September dann im Dekanatsausschuss Präferenzen benennen und einen Vorschlag unterbreiten. Der soll dann im Oktober in der Dekanatssynode besprochen und nach weiteren Beratungen in verschiedenen Gremien im Frühjahr 2022 beschlossen werden.

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