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Bei der Eröffnung im Sparkassen-Atrium: OB Tobias Eschenbacher, Edith Lesnik („Aktrice“ aus Obervellach) und der Freisinger Fotokünstler Dieter Hammer, der seinerseits bereits in Obervellach ausgestellt hat.

„Aktrice“ stellt im Sparkassen-Atrium aus

Das Surreale im Alltäglichen

Seit vielen Jahrzehnten bestehen Freundschaften, die die Menschen in den Freisinger Partnerstädten mit den Domstädtern verbinden. Regelmäßig finden Austauschbesuche statt. Mit einer Ausstellung im Atrium des Finanzcenters Freising an der Unteren Hauptstraße wird derzeit eine Künstlerin aus Obervellach gewürdigt. Edith Lesnik, alias „Aktrice“, vom Kunstförderverein „Kunstraum“ Obervellach.

Freising - Als sie bei einem Austauschbesuch frühmorgens durch die Innenstadt spaziert sei, so seien ihr die zahlreichen Freisinger „Bären“ aufgefallen, sagt die sympathische Künstlerin und lacht. Nicht nur die, die Stadt- und Bischofswappen zierten, sondern vor allem auch jene, die dreidimensional und lebensgroß an allen Ecken vor Geschäften und Behörden stünden. Was habe nähe gelegen, als sich damit künstlerisch auseinander zu setzen.

Ganz prominent platziert Edith Lesnik die Bären in ihren Bildern vor der „Skyline“ mit Rathaus und Asamgebäude. Sie arbeitet in der Lasurmaltechnik der alten Meister, eine sehr aufwändige Technik, wobei der mit Leinen bespannte Keilrahmen bis zu zehn Mal mit Grundierung bestrichen wird. Jeder Voranstrich müsse ganz trocken sein, bevor die nächste Grundierung aufgetragen werde, führte die Künstlerin die Gäste bei der Vernissage am Freitag Abend in ihre Arbeitsweise ein. Verwendet würden qualitativ hochwertige Farben, die noch mit Steinwalzen und kalt gepressten Windmühlen-Leinöl hergestellt würden. Diese Art der Malerei, bei der die hauchdünnen Farbschichten eben so lange aufgetragen werden, bis ein räumlich erscheinendes Bild entsteht, sei sehr aufwändig, so „Actrice“. Ein Gemälde in dieser Technik benötige eine Fertigungszeit von bis zu sechs Monaten.

Idealistisch kommt auch eine Bilderserie daher, durch die sie ein „rotes Band“ laufen lässt. Viele unscheinbar gewordene Dinge, die uns zwar täglich umgeben, aber durch einen gewissen „Überfluss“ selbstverständlich geworden sind, sind darin abgebildet. Einen schwarzen Uhrzeiger setzt sie vor den roten Hintergrund. „Damit möchte ich symbolisieren, wie scheinbar schnell unsere Zeit durch Stress und Hektik zerfließt“, sagt die Obervellacherin. Das Leben sei überreizt von Informationen, so dass Künstler oft gezwungen seien, immer spektakulärer aufzutreten.

Lesnik geht schon lange einen anderen Weg: Sie sucht nach Möglichkeit, die Inspiration in einer harmonischen Weise und Zufriedenheit auszuleben. „Ich bewege mich gerne auf den Spuren einer intuitiv gelebten Weiblichkeit“, verriet „Aktrice“. Der Einfluss des „Phantastischen Wiener Realismus“ – immerhin hat sie bereits mit einem bekannten Vertreter dieser Stilrichtung, Professor Ernst Fuchs, zusammen gearbeitet – ist ebenfalls erkennbar. „So oder so herum“ lautet der Titel einer entsprechenden Arbeit. Sie zeigt einen geöffneten Geldbeutel, der je nach Positionierung, symbolisch für Erfolg und Reichtum oder für ständige Geldnot steht: Eine Art „Alltagssurrealismus“ im 21. Jahrhundert.

                                                                                                                                     Maria Martin

Gut zu wissen

Die Ausstellung „Aktrice“ im Atrium des Finanzcenters Freising ist noch bis zum 30. Juni während der Öffnungszeiten zu besichtigen.

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