Keller vollgelaufen, Straßen überflutet, Züge behindert

Hochwasser: Überflutungen im Landkreis Freising - jetzt wurde tatsächlicher Pegelstand bekannt

  • Armin Forster
    VonArmin Forster
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Nach Starkregen stehen im Landkreis Freising zahlreiche Bereiche unter Wasser. Das Landratsamt richtet sich mit einer akuten Warnung an die Bevölkerung.

Update 31. August, 17.20 Uhr: Abens-Pegelstand deutlich höher als letzte Messung - Lage in Au entspannt sich

Abens-Pegelstand deutlich höher als letzte Messung - Lage in Au entspannt sichAls am Montag der halbe Landkreis Freising mit Überflutungen zu kämpfen hatte, war vor allem der Markt Au schwer betroffen. Inzwischen beruhigt sich die Lage. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht der Auer Feuerwehrkommandant eine erste Bilanz der Einsätze - und erzählt, wie hoch der Pegelstand der Abens tatsächlich war. Denn die eigentliche Messanlage war selbst den Fluten zum Opfer gefallen.

Update 30. August, 20.02 Uhr: Wetter-Wahnsinn in Oberbayern: „So viele Superzellengewitter wie lange nicht“

Schon am Mittwoch beginnt aus Sicht der Meteorologen der Herbst: Gewitterjäger ziehen jetzt Bilanz des Sommers, der so viele Unwetter mit sich brachte wie kaum jemals zuvor.

Update 17.17 Uhr: Noch keine Entwarnung - Dramatische Tierrettungen

Obwohl sich die Lage zunehmend entspannt, kann das Landratsamt Freising aktuell noch keine Entwarnung geben. Wie die Kreisbehörde mitteilt, seien alle Verbindungsstraßen wieder freigegeben. „Hochwasser führen die Abens, die Glonn und Ortsbäche. Die Pegel sinken seit dem Vormittag.“ Im Einsatz hätten sich bislang rund 160 Kräfte der Feuerwehren, 20 des THW und zehn des BRK befunden, außerdem die Kreisbrandinspektion Freising und Verbindungspersonen der Führungsgruppe Katastrophenschutz Freising.

Des weiteren seien zwei Tierrettungen nötig gewesen: „Ein Pferd musste von der Koppel befreit und ein Schweinestall in Rudelzhausen evakuiert werden“, heißt es im jüngsten Lagebericht aus dem Landratsamt.

Update 15.40 Uhr: Weitere Gemeinden betroffen - Landratsamt konkretisiert Warnungen

Das Landratsamt Freising hat die Liste der von den Überschwemmungen betroffenen Gemeinden im Lauf des Tages erweitert. So ist neben Au/Hallertau, Hörgertshausen, Rudelzhausen, Nandlstadt und Mauern auch die Gemeinde Wang von Überflutungen heimgesucht worden.

Außerdem wurden weitere Warnungen und wichtige Hinweise an die Bevölkerung formuliert:

  • Gehen Sie bei Überschwemmungsgefahr nicht in Keller oder Tiefgaragen.
  • Gehen Sie nicht an Gewässer, die Hochwasser führen. Flutwellen können Sie überraschen und das Ufer kann einbrechen.
  • Schwimmen Sie nicht in überschwemmten Straßen! Auch das Durchschreiten von überschwemmten Unterführungen ist lebensgefährlich! Durch den Druck im Kanal können Schachtabdeckungen hochgedrückt werden. Dabei entsteht ein Sog, durch den eine Person angesaugt werden kann.
  • Fahren Sie nicht durch überflutete Straßen. Schon eine geringe Wasserhöhe kann die Steuerung behindern.
  • Halten Sie Abflüsse und Schächte frei, damit das Wasser abfließen kann.

Update 15.30 Uhr: Erst half Mainburgs Feuerwehr mit - jetzt braucht sie selbst Hilfe

Wie Kreisbrandrat Manfred Danner berichtet, war zunächst die Feuerwehr aus dem benachbarten Mainburg (Kreis Kelheim) im nördlichen Landkreis Freising unterstützend tätig. Inzwischen ist die Situation umgekehrt: Weil das Hochwasser der Abens in Richtung Mainburg abfließt, müssen Kräfte aus dem Bereich Freising nun dort mitanpacken.

Update 15.19 Uhr: Rund 45 Feuerwehren im Einsatz - Lage entspannt sich langsam

Die Zahl der mobilisierten Hilfskräfte ist gewaltig: Allein an die 45 Feuerwehren aus dem Landkreis Freising sind am Hochwasser-Einsatz beteiligt. „Quasi der halbe Landkreis“, berichtet Kreisbrandrat Manfred Danner im Interview mit dem Freisinger Tagblatt am frühen Montagnachmittag. Der oberste Feuerwehrler der Region spricht dabei von einer „sich langsam entspannenden Lage“ und kann vermelden, dass es nach bisherigen Erkenntnissen keine Verletzten gegeben habe. „Das Wasser fließt derzeit aus Richtung Hörgertshausener und Mauerner Bach Richtung Amper.“ Der Pegel in Mauern sei innerhalb von einer Stunde um rund 40 Zentimeter gesunken. Auf die Frage nach dem Höchststand sagt Danner: „Der wurde nicht mehr gemessen, aber das Wasser war mit der Mauerner Brücke im Ortskern komplett eben.“ So wie es aussehe, habe das Bauwerk, das erst kürzlich saniert wurde, die Fluten ohne größere Schäden überstanden.

Derzeit liege der Einsatzschwerpunkt weiter im Bereich Au/Hallertau und Tegernbach. Dort waren unzählige Keller vollgelaufen und Straßen durch Wasser und Schlamm unpassierbar geworden. Die Ursache für die große Zahl an Überflutungen seit den Morgenstunden lag laut Danner „in den vollgesogenen Böden, die nichts mehr aufnehmen konnten“. Das Starkregenereignis habe zum einen die örtlichen Bäche stark anschwellen lassen, gleichzeitig sei „viel Wasser von den Hängen heruntergekommen“. In Au sei wohl erschwerend hinzugekommen, dass durch die Kanalsanierung im Ortskern die Entwässerung nicht in vollem Umfang funktioniert habe.

THW übernimmt Sandsack-Logistik - Straßen bleiben vereinzelt gesperrt

Wie Kreisbrandrat Manfred Danner weiter berichtet, wurden die Feuerwehrleute tatkräftig vom Technischen Hilfswerk Freising unterstützt. „Das THW hat die Logistik übernommen und Sandsäcke transportiert.“ Da bei den Ehrenamtlichen stets 2000 Sandsäcke auf Lager liegen würden, „haben wir den ersten Schwung aus diesen Beständen sofort zur Hand gehabt“, so Danner.

Momentan gebe es noch vereinzelte Straßensperrungen im nördlichen Landkreis, mancherorts wurde Schlamm aus Äckern auf die Fahrbahn gespült. Immerhin: Dass wie im Nachbarlandkreis Erding Hänge abrutschen, hatte man in der Region Freising nicht zu verzeichnen. Die Schadenshöhe lasse sich laut Danner noch nicht beziffern, „sie geht aber definitiv in die Millionen“.

Wie unsere Kollegen vom Erdinger Anzeiger berichten, sind auch weite Teile des Landkreises Erding stark vom Hochwasser betroffen. So ist unter anderem der Itzlinger Graben an der Therme Erding übergelaufen. Die Auswirkungen sind massiv: Der Keller des dortigen Hotels Victory ist überschwemmt. Auch das Wellenbad der Therme ist betroffen. Auch die A94 ist nach einer Schlammlawine komplett gesperrt.

Update 14.50 Uhr: Feuerwehr wird zu Großeinsatz bei BMW in Eching gerufen

Als gäbe es nicht schon genug zu tun: Am Montagvormittag hat sich auch noch ein Großbrand bei BMW im Echinger Gewerbegebiet ereignet. Zwischenzeitlich kam es dort zu derart starker Rauchentwicklung, dass das Landratsamt eine Warnung an die Bevölkerung rausgeben musste.

Eine weitere aufsehenerregende Blaulicht-Meldung des Tages kommt aus der vom Hochwasser betroffenen Marktgemeinde Nandlstadt: Dort wurde am Sonntag eine Tankstelle überfallen. Und die Tat weckt konkrete Erinnerungen: Schon einmal wurde der betroffene Betrieb Opfer eines Überfalls - zur nahezu identischen Jahrezeit, mit der gleichen Art von Tatwaffe.

Update 12.28 Uhr: Land unter stellenweise auch im Ampertal

Soeben erreichen uns Meldungen, dass im Ampertal - konkret im Bereich der Gemeinde Haag - Hochwasser zu beklagen ist. Unter anderem ist die Ortsdurchfahrt von Untermarchenbach, die parallel zum namensgebenden Marchenbach verläuft, streckenweise mit bräunlichen Wassermassen überflutet.

Update 11.20 Uhr: Golfanlage Holledau überflutet

Schlechte Nachricht auch für alle Freunde des Golfsports in der Hallertau: Wie die Betreiber der Golfanlage Holledau in der Gemeinde Rudelzhausen melden, muss der gesamte Platz bis auf Weiteres gesperrt werden. Auf Bildern ist zu sehen, wie weite Teile der Anlage komplett unter Wasser stehen. „Zirka 60 Liter in den letzten 24 Stunden waren zu viel Regen“, heißt es in einem Beitrag auf der Facebook-Seite.

Update 11.12 Uhr: Hochwasser behindert Zugverkehr im Bereich Moosburg und Langenbach

Die Auswirkungen der Wassermassen ziehen immer weitere Kreise: Nun meldet auch die Deutsche Bahn Beeinträchtigungen im Landkreis Freising. Wie sie über ihren Streckenagenten mitteilt, kommt es derzeit zu Störungen auf der Strecke zwischen Langenbach und Moosburg. Die Passage ist demnach nur eingleisig befahrbar. Hintergrund sind nach Informationen unserer Redaktion drohende Unterspülungen. Wie die Bahn weiter meldet, müssen Reisende mit Verspätungen und Teilausfällen rechnen.

Wie unser Reporter aus Au/Hallertau meldet, sind in der Marktgemeinde vor allem jene Gebiete vom Hochwasser betroffen, die an den Leitersdorfer Bach sowie an die Abens angrenzen. An der Abens vermeldete der Hochwassernachrichtendienst in den Morgenstunden einen Pegelstand von 1,75 Metern - üblich waren dort in den vergangenen Tagen 0,25 Meter. Derzeit sind aufgrund der Wassermassen die Zufahrten zur Pfaffenhofener Straße vom Baugebiet Hochfeld sowie Baugebiet Hansl am Berg aus nicht möglich. Der obere Markt ist weitgehend vom unteren abgetrennt, weil die Verbindungswege überschwemmt und für den Straßenverkehr gesperrt sind.

Unter den vom Hochwasser betroffenen Wohnbauten ist offenbar auch jenes Mehrfamilienhaus, dessen Neubau aufgrund der bekannten Hochwassergefahr im Ort höchst umstritten war. Der Markt Au hatte einen entsprechenden Prozess jedoch verloren. Noch während der Bauphase herrschte auf dem Grundstück dann bereits Land unter.

Update 10.29 Uhr: Stromausfälle in Nandlstadt, Sandsäcke zum Abholen in Au/Hallertau

In weiten Teilen des Landkreises sind derzeit Sirenen zu hören, um Einsatzkräfte zu mobilisieren. Aus dem Bereich Nandlstadt gibt es derweil Meldungen von zeitweisen Stromausfällen. Aus dem von Überflutungen stark betroffenen Markt Au/Hallertau meldet sich die Freiwillige Feuerwehr bei Facebook zu Wort: Demnach ist man dort seit 7 Uhr mit den Gemeindewehren im Dauereinsatz. „In dringenden Fällen ist die Feuerwehr über die 112 oder die 08752/ 1300 erreichbar“, heißt es in dem Post. „Sandsäcke sind am Feuerwehrhaus in der Hochfeldstraße 51 zum selber füllen verfügbar.“ Viele Straßen in Au und im Gemeindegebiet seien derzeit nicht befahrbar oder gesperrt. „Weitere Informationen folgen.“

Erstmeldung Montag, 30. August, 10.06 Uhr:

Landkreis Freising - Der Landkreis Freising ist am Montagmorgen von Starkregenereignissen betroffen. Die Auswirkungen sind stellenweise so drastisch, dass sich das Landratsamt nun mit einer Warnung an die Bevölkerung wendet: Laut der Kreisbehörde drohen Gefahren durch Überschwemmungen von Straßen und Kellern. Wie unsere Redaktion erfuhr, sind zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im Einsatz, um die Auswirkungen mit Pumpen und Sandsäcken in den Griff zu bekommen sowie weitere Schäden abzuwenden.

Hochwasser mit Überflutungen: Diese Gemeinden sind bislang betroffen

Überflutungen am Nandlstädter Weg in Au/Hallertau, nahe des Leitersdorfer Bachs.

„Durch die starken Regenfälle der letzten Stunden kommt es im nördlichen Landkreis Freising zu Überschwemmungen“, heißt es in der Pressemitteilung, die vom Landratsamt am Vormittag gegen 9.40 Uhr veröffentlicht wurde. „Keller und Straßen können überflutet werden.“ Die betroffenen Regionen seien demnach die Gemeinden Mauern, Au/Hallertau, Hörgertshausen, Wang, Rudelzhausen sowie Nandlstadt.

Die Behördenvertreter haben dazu konkrete Warnungen formuliert:

  • Meiden Sie das betroffene Gebiet.
  • Umfahren Sie das betroffene Gebiet weiträumig.
  • Passen Sie Ihr Verhalten im Straßenverkehr den Verhältnissen an.
  • Informieren Sie Ihre Nachbarn.
  • Warnen Sie andere Personen, um den Zutritt zum Gefahrenbereich zu verhindern.

Wie es weiter in der Meldung heißt, werde die Bevölkerung informiert, sobald die Gefahr vorüber sei. Außerdem werden nachfolgende Bitten an die Bürger gerichtet:

  • Folgen Sie den Anweisungen der Einsatzkräfte.
  • Wählen Sie nur in Notfällen den Notruf 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr).
  • Gehen Sie bei Überschwemmungsgefahr nicht in Keller oder Tiefgaragen.
  • Gehen Sie nicht an Gewässer, die Hochwasser führen. Flutwellen können Sie überraschen und das Ufer kann einbrechen.
  • Schwimmen Sie nicht in überschwemmten Straßen! Auch das Durchschreiten von überschwemmten Unterführungen ist lebensgefährlich! Durch den Druck im Kanal können Schachtabdeckungen hochgedrückt werden. Dabei entsteht ein Sog, durch den eine Person angesaugt werden kann.
  • Fahren Sie nicht durch überflutete Straßen. Schon eine geringe Wasserhöhe kann die Steuerung behindern.
  • Halten Sie Abflüsse und Schächte frei, damit das Wasser abfließen kann.

Dieser Artikel wird laufend mit aktuellen Meldungen ergänzt.

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Rubriklistenbild: © Martin Hellerbrand

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