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Jeder Tag kann ihr letzter sein: Wildschweine stehen derzeit auf der Abschussliste, weil sie die gefährliche Seuche auf Hausschweine übertragen können. 

Rekordwert der Jäger

Angst vor Schweinepest: 1066 Wildschweine im Landkreis abgeschossen

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1066 Wildschweine haben die Jäger im Landkreis im vergangenen Jagdjahr abgeschossen: „So viele haben wir noch nie gehabt“, sagt Jäger-Chef Walter Bott (68). Grund dafür ist die Afrikanische Schweinepest.

Freising– Für jeden abgeschossenen Schwarzkittel bekommen seine Kollegen zehn Euro Prämie vom Landkreis – und zum Teil noch 20 Euro Zuschuss vom Freistaat. Die Wildschweine stehen nämlich auf der Abschussliste: Auch die Schonzeit wurde für die meisten Schwarzkittel ausgesetzt – Grund dafür ist die Afrikanische Schweinepest.

„Wenn Schweine damit infiziert sind, dann sterben die ganz schnell“

In den afrikanischen Ursprungsländern wird die Tierseuche durch Lederzecken übertragen. Mittlerweile ist sie in unseren osteuropäischen Nachbarländern angekommen, wie zum Beispiel in Polen, Tschechien oder der Ukraine. Im vergangenen September wurde sie auch in Belgien nachgewiesen – nur noch rund 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze. 

Jäger-Chef Walter Bott weiß: Auch der Mensch ist Teil der Übertragungskette.

Die Behörden sind also alarmiert. „Uns Menschen tut die Seuche zwar nichts, wir können sogar Wurst mit diesen Viren essen“, sagt Jäger Bott: „Aber, wenn Schweine damit infiziert sind, dann sterben die ganz schnell.“ Er skizziert ein düsteres Szenario: „Und wenn der deutsche Schweinemarkt zusammenbricht, dann geht der wirtschaftliche Schaden in die Millionen.“

Um das zu verhindern, seien die Abschusszahlen der Bachen, Keiler, Frischlinge und Überläufer (zweijährige Wildschweine) in diesem Jahr in die Höhe geschossen. Ein Jagdjahr dauert jeweils von 1. April bis 31. März. 2016/17 wurden noch 665 Schwarzkittel im Landkreis getötet, 2015/16 waren es 867 und 2014/15 lag die Zahl bei 1013.

Zum Teil gibt es noch 20 Euro Abschussprämie vom Freistaat

Auch die Schonzeit der Tiere wurde im Frühjahr größtenteils abgeschafft: Zuvor durften Bachen mit Frischlingen und Keiler zwischen Juni und Januar nicht geschossen werden – damit ist wegen der Afrikanischen Schweinepest jetzt Schluss.

Außerdem gibt es eine Prämie vom Freistaat von 20 Euro pro weiblichen Frischling oder Bache ohne Jungtier, denn die seien ja für für den Nachwuchs zuständig. Wildschweinmütter dürfen weiterhin wegen des Mutterschutzes nicht getötet werden.

„Der eigentliche Überträger ist der Mensch“

Das Argument für die größeren Abschussfreiheiten: „Je geringer die Wildschweindichte, desto geringer ist das Risiko, dass sich Schweine mit den Seuche-Viren infizieren“, sagt Bott. Gleichzeitig erklärt er: „Aber der eigentliche Überträger ist der Mensch“, denn: „Von Afrika können die Schweine ja nicht herlaufen.“ 

Problematisch sei etwa eine Wurstsemmel, belegt mit einer Salami oder anderer Rohwurst aus Wildschweinfleisch: „Wenn ein Lastwagenfahrer aus dem Osten die Semmel in unsere Landschaft wirft, dann ist die Gefahr groß, dass sich ein Wildschwein ansteckt.“ Deshalb wollen sich die Jäger weiter auf die Lauer legen.

Die Wildschweine würden sich ohnehin rasant fortpflanzen: „Die bekommen ja zum Teil acht Junge pro Wurf“ - von Ausrottung könne daher keine Rede sein.

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