Die Anwohner sehen hier einen „Brennpunkt“. Die Polizei hält das für ungerechtfertigt.

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Anlieger beschweren sich über Gaststätten-Besucher in Freisinger Innenstadt

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Die Anlieger der General-von-Nagel-Straße sind in Aufruhr: Sie beschweren sich über Gaststätten-Besucher in der Freisinger Innenstadt. Die Polizei sieht es ganz anders.

Freising – 20 Anlieger der General-von-Nagel-Straße schlagen Alarm: Sie beschweren sich über die nächtlichen Besucher mehrerer Gaststätten im ehemaligen Landshuter Hof, die sich „in keinster Weise um Vorschriften, Verordnungen, Regeln oder gar Nachbarn scheren“, wie es Veronika Franz im Namen zahlreicher Anwohner in einem Brief an OB Tobias Eschenbacher formuliert hat. Vor allem an den Wochenenden würden „größere Pulks den gerade aufwändig und teuer sanierten Platz bevölkern“ und die ganze Nacht über zuparken. Polizei und Ordnungsamt würden einfach wegschauen. Doch da gibt es vehementen Widerspruch: Man habe das Areal durchaus im Fokus, sagt etwa Polizeichef Ernst Neuner – auch in enger Kooperation mit der Stadt. „Unter einem Brennpunkt verstehe ich etwas anderes“.

In dem Beschwerdebrief der Anlieger an den OB hört sich das anders an. Es sei vor allem das Publikum des „Bosporus“ und der „Shishabar Diamant“, die vor den Lokalen Party feiern würden – „mindestens zur Hälfte minderjährig und oft auch alkoholisiert“. Veronika Franz schreibt: „Die vor wenigen Monaten angebrachten Rundbänke sind ein gefundenes Fressen, die Türen des hintersten Lokals (Shisha-Bar) sind geöffnet, und die Diskomusik beschallt die nähere und weitere Umgebung in immenser Lautstärke. Die Gäste nehmen die Flaschen und Gläser aus den Lokalen mit ins Freie, die Scherben und alle anderen unappetitlichen Hinterlassenschaften dürfen die Anlieger dann am nächsten Morgen entfernen.“

Zwei Lokale im Fokus der Anwohner

Diverse Anrufe bei der Polizei und Anzeigen beim Ordnungsamt hätten nichts gebracht. Die Belange und Nöte der Anwohner interessierten niemanden. Veronika Franz: „Man hat das Gefühl, lästig zu sein.“ Im Umkreis der General-von-Nagel-Straße gebe es insgesamt 15 Lokale – aber nur zwei machten Probleme, ergänzt die Freisingerin. Unter ihr Schreiben haben mehr als 20 Anlieger ihren Namen gesetzt. Sie wollen verhindern, dass hier „ein sogenanntes Bahnhofsviertel“ entsteht.

Davon ist man nach Einschätzung von Polizeioberrat Ernst Neuner weit entfernt. Seit dem 1. Januar 2018 habe es in der General-von-Nagel-Straße 60 Polizeieinsätze gegeben, darunter elf wegen Ruhestörung. Man sei in jedem Fall einer gemeldeten Ruhestörung hingefahren, so Neuner, wenn auch in einigen Fällen mit zeitlicher Verzögerung. Verkehrsunfälle und Körperverletzungen hätten einfach Priorität. Und die restlichen 49 Einsätze? Neuner: „Das waren Verkehrsunfälle, Streit, Einbruch, Körperverletzungen, hilflose Personen und anderes“ – die gesamte Bandbreite. Von der Zahl und Art der Einsätze her sei das „absolut im Rahmen“. Neuner: „Das sind vier Einsätze pro Monat. Für eine Innenstadtlage ist das alles andere als außergewöhnlich.“

Polizeichef: Ein „Brennpunkt“ ist was anderes

Ein Problem sei eher die „Erwartungshaltung mancher Anwohner, die auf dem Dorf, nicht aber in der Stadt zu erfüllen ist“. Stadt und Polizei gingen Beschwerden gemeinsam nach. Die General-von-Nagel-Straße aber sei „kein Brennpunkt – auch nicht von den Straftaten her“.

Das Ordnungsamt der Stadt kennt die Problematik – nicht zuletzt wegen Beschwerdebriefen der Anlieger. Amtschef Stefan Klopfer schrieb vor kurzem zurück, man werde in Absprache mit dem OB die betreffenden Wirte anschreiben „und eindringlich auffordern“, die Belästigungen abzustellen und auf die Gäste entsprechend einzuwirken. „Schwierig stellt sich die Situation dann dar, wenn die Störungen nicht im Verantwortungsbereich des Gastwirts liegen.“ Wenn etwa jemand im Freien pinkle, könne das „nur dem Betroffenen selbst zur Last gelegt werden“. Freilich könnten Gastwirte auf ihre Besucher einwirken, etwa nicht im verkehrsberuhigten Bereich zu parken – „aber das hat halt auch seine Grenzen“, erklärt der Leiter des Ordnungsamts.

Wirte geben sich gegenseitig die Schuld

Die Wirte schieben sich den Schwarzen Peter gegenseitig zu. Der Betreiber der Shishabar etwa beteuert: Wenn es laut werde, und die Leute draußen stünden und nicht heimgingen, hole er sogar selbst die Polizei. Er achte auch darauf, dass die Tür stets geschlossen bleibe. Ärger mit den Anwohnern wolle er auf alle Fälle vermeiden. Schuld an den Beschwerden sei der Lärm aus und vor dem benachbarten „Bosporus“.

Hier ist zu erfahren, dass es zwar „schon manchmal laut“ werde, man dann aber einschreite. Man habe Lärmschutzfenster und achte darauf, dass die stets geschlossen blieben. Man könne zwar auf die Gäste einwirken, nicht draußen vor dem Lokal zu lärmen, sei dabei aber oft machtlos. Nicht zuletzt, weil es die meist jugendlichen Gäste der Shishabar seien, die, angetrunken, bis nach vorn bis zum „Bosporus“ zögen und dort Krach machten.

Polizei achtet auf Jugendschutz

Dass die Beschwerden der Anlieger aber wohl nicht ganz unbegründet sind, zeigt ein Polizeibericht vom Februar: „Bei Jugendschutzkontrollen gestern Abend in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wurden in einer Shisha-Bar in Freising drei Jugendliche im Alter von 15,16 und 17 Jahren angetroffen“, heißt es da. „Der 15-Jährige hatte zudem eine Flasche Whiskey bei sich. Er wurde in Gewahrsam genommen und anschließend den verständigten Erziehungsberechtigten übergeben.“ Der Betreiber werde angezeigt.

Der Bericht zeugt nach Ansicht von Polizeichef Ernst Neuner aber weniger von der Brisanz des innerstädtischen Areals, als vom Bemühen der Polizei um Sicherheit und Ordnung: „Es zeigt auch, dass wir den Jugendschutz-Gedanken hier in Freising sehr hoch ansetzen“.

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