Zulassungsdokument CSU Freising
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Die originalen Dokumente zur Gründung und Neugründung der Freisinger Parteien 1945/46, so auch der CSU, sind in den National Archives der USA aufbewahrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Archivstück: Die Zulassung der Freisinger CSU im Jahr 1945 durch die US-Militärregierung

Über den Start der CSU in Freising nach dem Zweiten Weltkrieg befasst sich dieses Mal das Fundstück aus dem Stadtarchiv.

Freising - Archiv-Chef Florian Notter hat dazu interessante Veröffentlichungen aus der damaligen Zeit ans Tageslicht gefördert. Notter erläutert im folgenden Bericht diese Dokumente:

Der Neuanfang

Angesichts der unbeschreiblichen menschlichen Katastrophe, in die Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Europa und die Welt geführt hatten, schien es im Mai 1945 kaum vorstellbar, dass noch im selben Jahr politisches Leben in Deutschland neu entstehen könnte. Tatsächlich wurden die Grundlagen dafür aber schon im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 gelegt. Unter den hierin publizierten Beschlüssen der Potsdamer Konferenz schrieben die Siegermächte unter anderem fest, dass innerhalb der Besatzungszonen „alle demokratischen politischen Parteien zu erlauben und zu fördern“ sind „mit der Einräumung des Rechtes, Versammlungen einzuberufen und öffentliche Diskussionen durchzuführen“. Ziel war es, die deutsche Selbstverwaltung zügig wiederherzustellen. Dies galt ausschließlich für die Landes- und Kommunalebene; die Zukunft Deutschlands als Nationalstaat einschließlich einer zentralen deutschen Regierung lag zu jenem Zeitpunkt sehr im Ungewissen. In der amerikanischen Besatzungszone, der bekanntermaßen auch Bayern angehörte, wurde der Potsdamer Beschluss zur Wiedererrichtung demokratischer Strukturen am 27. August 1945 in Kraft gesetzt.

Die lokalen Aufrufe

In den darauffolgenden Tagen und Wochen kam es überall im besetzten Bayern zu lokalen Aufrufen zur Gründung demokratischer Parteien. Tatsächlich regte sich bald wieder politisches Leben. Während die SPD und die KPD dabei programmatisch und auch in Bezug auf ihren Parteinamen an die Zeit vor 1933 anknüpften, formierte sich das bürgerlich-konservative Lager neu. Gesellschaftliche und konfessionelle Gegensätze, die in der Weimarer Zeit zur Zersplitterung in mehrere bürgerlich-konservative Parteien (in Bayern vor allem Bayerische Volkspartei und Bayerischer Bauernbund) geführt hatten, sollten überwunden werden. So fasste im Spätsommer und Herbst 1945 die Idee der konfessionell und gesellschaftlich geeinten Christlich-Sozialen Union immer stärker Fuß. Die meisten lokalen Neugründungen gaben sich Ende 1945 diesen Namen. Parallel zu den örtlichen Gründungen liefen die Vorbereitungen zur Gründung der Landespartei CSU. Sie sollte am 8. Januar 1946 von der Militärregierung ihre Zulassung erhalten.

In den „Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Freising“ (Ausgabe vom 20. Dezember 1945) wird die Zulassung der CSU durch die US-Militärregierung veröffentlicht. In der linken Spalte sind die Namen der ersten Männer zu finden, die sich für die CSU engagieren wollten. 

Die Gründungsgruppe

In Freising formierte sich das bürgerlich-konservative Lager um einen Kreis von Personen, die teils schon vor 1933 innerhalb der lokalen Gruppe der Bayerischen Volkspartei (BVP) politisch aktiv gewesen waren. Dazu gehörten etwa der Buchdrucker Karl Warmuth (1903 bis 1954), der Lehrer Alois Braun (1892 bis 1963) oder der Hotelier Carl Dettenhofer (1885 bis 1970). Ihnen schlossen sich Vertreter der jüngeren Generation an, so etwa der Rechtsanwalt Philipp Held (1911 bis 1993), den die Militärregierung am 1. Oktober 1945 zum Freisinger Landrat bestimmt hatte. Über Helds Vater Heinrich Held (1868 bis 1938), 1924 bis 1933 bayerischer Ministerpräsident (BVP), bestanden freundschaftliche Beziehungen zu Josef Müller („Ochsensepp“), von 1945 bis 1949 erster Parteivorsitzender der CSU.

Die Zulassung

Die formale Gründung der CSU in Stadt und Landkreis Freising vollzog sich schließlich in der dritten Dezemberwoche 1945: Mit Datum vom 15. Dezember wurde der Zulassungsantrag bei der US-Militärbehörde in Freising eingereicht. Den strengen Zulassungsbedingungen entsprechend mussten den Antrag 25 von nationalsozialistischen Verstrickungen unbelastete Personen als Bürgen („sponsors“) unterzeichnen (es unterschrieben dann sogar 34 Bürgen): Ferner waren dem Antrag das lokale Parteiprogramm und die Satzung in englischer und deutscher Sprache beizufügen.

Bereits vier Tage später, am 19. Dezember 1945, erhielt die Freisinger CSU ihre Zulassung. In der tags darauf erschienenen Ausgabe der „Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Freising“ wurde die Zulassung schließlich publik gemacht. Bei diesen „Bekanntmachungen“ handelte es sich um ein Amtsblatt, über das die lokalen Behörden und die US-Militärregierung das alltägliche Leben der Nachkriegszeit zu regeln versuchten.

Die Veröffentlichung

Während sich die „Bekanntmachungen“ in mehreren Exemplaren im Stadtarchiv erhalten haben, werden die originalen Dokumente zur Gründung bzw. Neugründung der Freisinger Parteien 1945/46, so auch der CSU, in den National Archives der USA aufbewahrt, dort innerhalb des Bestands „Office of Military Government for Germany, US (OMGUS). Ein großer Teil dieser Dokumente wurde im Rahmen des OMGUS-Projekts (1976 bis 1983) auf Mikrofiches verfilmt. Die Filme zu Dokumenten, die die Militärregierung in Bayern betreffen, liegen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv vor.
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QUELLEN: Stadtarchiv, Bibliothek, Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Freising, Jg. 1945. Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, OMGUS, CO 449/04, (Mikrofiche-Verfilmung von Originaldokumenten aus den National Archives der USA). WEITERFÜHRENDE LITERATUR: CSU Ortsverband Freising (Hg.): 40 Jahre CSU in Freising. Festschrift, 1985; Gelberg, Karl-Ulrich: Vom Kriegsende bis zum Ausgang der Ära Goppel (1945-1978), in: Schmid, Alois (Hg.): Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. IV/1, München 2003, S. 635-956, S. 757-789; Lanzinner, Maximilian: Zwischen Sternenbanner und Bundesadler. Bayern im Wiederaufbau 1945-1958, Regensburg 1996, bes. 33-58; Weisz, Christoph (Hg.): OMGUS Handbuch. Die amerikanische Militärregierung in Deutschland 1945-1949, München 1995.

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