BRK-Team vor Einsatzfahrzeug
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Fahren ins Katastrophengebiet von Nordrhein-Westfalen: Stefan Hofmann, Lukas Witzel, Matthias Kettner, Boris Baic, Stefan Hufschmid und Thomas Rotböck (v. l.).

Auf die ehrenamtlichen Helfer aus Freising ist Verlass

Nach der Flutkatastrophe: Freisinger THW, BRK und Navis schicken Einsatzkräfte in die Krisengebiete

  • Andrea Hermann
    VonAndrea Hermann
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Die Hilfsbereitschaft im Kreis Freising ist ungebrochen: Erneut machten sich Kräfte von THW, BRK und Navis auf, um den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen.

Landkreis -Am Montagmorgen machte sich ein Team des Freisinger THW auf nach Ahrtal (Rheinland-Pfalz) – mit einer 51 Meter langen Behelfsbrücke im Gepäck. Denn der Auftrag an die Einsatzkräfte lautet, eine Behelfsbrücke über die Ahr, mitten im stark überschwemmten Ahrweiler, zu errichten. Und das wird nicht nur wegen der baulichen Dimension eine Herausforderung, weiß THW-Ortsbeauftragter Michael Wüst: „Die Menschen dort sind in einer absoluten Ausnahmesituation und psychisch an ihren Grenzen.“ Fritz-Helge Voß, Landesbeauftragter des THW, gab den Freisinger Helfern daher auch den wichtigen Rat mit: „Rechnet damit, dass die Bevölkerung unzufrieden ist, weil viele Strukturen noch nicht funktionieren. Passt auf Euch auf.“

Jede Menge Material wurde von den Ehrenamtlichen in die THW-Fahrzeuge verladen.

Dass in den Überschwemmungsgebieten THW-Helfer in den vergangenen Wochen mehrfach angefeindet worden sind, kommt bei diesem Einsatz als zusätzliche Belastung hinzu. „Von meinen Leuten muss sich niemand beleidigen lassen“, sagt Wüst dazu. Und: Die, die dort störten und Unruhe stifteten, wollten anderes erreichen als zu helfen – in Anspielung auf die Querdenkerszene. Wüst hat dazu eine klare Meinung: „Wer stört, muss die Einsatzstelle verlassen, sonst wird er von der Polizei entfernt.“

Um alle bayerischen THW-Einheiten zu besuchen, fahren der Landesbeauftragte Voß und Wüst als stellvertretender Landessprecher ebenfalls ins Krisengebiet. Aktuell sind dort 300 Helfer im Einsatz. „Es werden noch mehr Brücken zu bauen sein“, dessen ist sich Wüst sicher: „Das heute ist nur die Vorhut.“

Der Einsatz ist zunächst für eine Woche geplant, doch rechnet das THW mit monatelangen Aufräumarbeiten im Gebiet. Eine Herausforderung für die Ehrenamtlichen, ebenso wie für ihre Arbeitgeber, die sie für die Einsätze freistellen. Dennoch: Solche Krisen wären ohne die ehrenamtlichen Hilfsorganisationen nicht zu bewältigen. Die stellvertretende Landrätin Anita Meinelt ist sich dessen bewusst. „Kommt mir ja gesund wieder“, sagte sie beim Abschied. Meinelt ist froh um das Know-how des THW Freising. „Wir haben ja auch viele Brücken hier. Wenn bei uns mal etwas passiert, brauchen wir Euch!“

Funkspezialisten des BRK werden benötigt

Nach den Wasserwachtlern ist in der Nacht zum Sonntag ein zweites Hilfsteam des BRK-Kreisverbands ins Katastrophengebiet von Nordrhein-Westfalen gefahren. Diesmal sind es die Funkspezialisten des BRK mit dem Einsatzleitfahrzeug, die vor Ort die verschiedenen Hilfsleistungen des Roten Kreuzes koordinieren sollen.

Es war am Sonntag um 3 Uhr früh, als sich die sechsköpfige „Informations- und Kommunikationseinheit“ auf den Weg machte. In Greding trafen sie sich mit dem Rest des Hilfeleistungskontingents Oberbayern, um dann gemeinsam – 150 Helfer in 50 Fahrzeugen – ins Hochwasser-Schadensgebiet weiterzufahren.

Die Aufgabe der Freisinger ist komplex. Die Funkspezialisten koordinieren die Einsätze der verschiedenen BRK-Einheiten:

■  die Betreuungseinheiten, die sich um die betroffenen Menschen kümmern,

■  die Versorgungseinheiten, die Verletzte medizinisch betreuen und versorgen sowie

■  die Verpflegungseinheiten, die dafür sorgen, dass die Menschen im Katastrophengebiet zu Essen und zu Trinken haben.

Das Einsatzleitfahrzeug aus Freising ist quasi Dreh- und Angelpunkt der BRK-Einsätze, die von hier aus gesteuert werden, um maximal effektiv arbeiten zu können.

Die Kommunikationseinheit werde etwa drei Tage in NRW bleiben, berichtet BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl. Mehr sei den Helfern angesichts der hohen Belastung nicht zuzumuten. Söhl: „Wir wünschen allen eine gute Fahrt und dass sie wieder gesund zurückkehren.“

„Wasserengel aus Bayern“ machen weiter

Seit über einer Woche ist die Moosburger Hilfsorganisation Navis im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) im Einsatz, um im Krisengebiet eine Trinkwasserversorgung aufzubauen (wir haben berichtet). In diesem Gebiet ist durch das Unwetter die komplette Trinkwasserversorgung ausgefallen. Wurden zu Beginn des Einsatzes zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen mit einer Kapazität von je 5000 Litern Wasser pro Stunde aufgebaut, kamen im Laufe der vergangenen Woche drei weitere Anlagen dieser Größenordnung dazu. Wie Team-Leiter Tobias Venus berichtete, sei das Ausmaß der Zerstörung in der Region nicht zu beschreiben: Die örtliche Infrastruktur sowie die Gebäude seien stark beschädigt. Das erinnere an kriegsähnliche Zustände.

Um die Trinkwasserversorgung kümmern sich die Navis-Einsatzkräfte im Kreis Ahrweiler.

Insgesamt hat das erste Navis-Team in der ersten Woche eine Million Liter Wasser aufbereitet, weshalb sie von der dankbaren Bevölkerung auch als „Wasserengel aus Bayern“ betitelt wurden.

Mittlerweile ist Team eins zurückgekehrt – und ein zweites Team um Jürgen Arnold hat die Arbeit übernommen. Unterstützt werden die Navis-Kräfte vor Ort von zahlreichen Helfern zu Hause in Moosburg, die sich um das Ersatzmaterial, Spenden und Finanzierung, sowie Kommunikation kümmern. Übrigens: Auch bei den freiwilligen Helfern läuft nicht immer alles rund: Die Anfahrt des zweiten Navis-Teams war von zwei Reifenpannen geprägt und gestaltete sich deshalb schwieriger als erwartet. Doch mit etwas Verspätung konnte die Übergabe mit den Kollegen vor Ort noch wie geplant stattfinden.  

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