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Stark engagiert in der Ausbildung von Flüchtlingen ist das Moosburger Unternehmen Ernst Pracher mit einer „Akademie“. Hier stellen gerade Mehari Tesafy (l.) aus Eritrea und Demhat Jamal Al Mohammad aus Syrien unter Anleitung von Bernhard Süß Werkstücke her. 

Ausbildung von Flüchtlingen im Landkreis

IHK setzt auf „gesicherten Aufenthalt“

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60 junge Flüchtlinge absolvieren derzeit eine Ausbildung bei IHK-Betrieben im Landkreis Freising. 27 von ihnen haben die Lehre zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September begonnen. Dabei fordert die IHK für die zielstrebigen Azubis aus Fluchtländern einen gesicherten Aufenthalt über das Zuwanderungsgesetz.

Freising Die meisten Azubis kommen laut einer aktuellen IHK-Statistik aus Afghanistan (16), Syrien (4) und Somalia (2). IHK-Mitgliedsfirmen, die Flüchtlinge ausbilden möchten, können sich seit über einem Jahr zur Beratung an ein eigenes Integrationsteam der IHK wenden. Unternehmen im Raum Freising unterstützt dabei die Integrationsberaterin Stefanie Gutzeit. Sie berät die Unternehmen zu allen praktischen, rechtlichen und interkulturellen Fragen, aber auch zu Anerkennungsverfahren sowie Förder- und Begleitmöglichkeiten. „Die Unternehmen sind grundsätzlich sehr aufgeschlossen, wenn es um die Integration geflüchteter Menschen in Ausbildung und Arbeit geht. Sowohl bei den Betrieben als auch bei den Geflüchteten gibt es jedoch große Unsicherheiten, vor allem aufgrund der vielen bürokratischen Hürden. Genau hier setzen wir als Berater mit unserer Expertise und unserem breiten Netzwerk an“, fasst Gutzeit ihre bisherigen Erfahrungen zusammen.

Die Nachfrage der Unternehmen nach qualifizierter Beratung, so Gutzeit weiter, habe in den vergangenen Monaten spürbar zugenommen. Das IHK-Integrationsteam wurde im Rahmen des Integrationspakts Bayern, den die Staatsregierung 2015 mit der Wirtschaft in Freistaat geschlossen hatte, aufgebaut. Schwerpunkte in den Beratungsgesprächen mit den Betrieben sind die rechtlichen Aspekte zur so genannten „3- plus-2-Regelung“ und zum Arbeitsmarktzugang. Weitere Herausforderungen seien vor allem im ländlichen Bereich Sprachförderangebote und Nachhilfemöglichkeiten.

Im Sinne einer bürokratischen Entlastung für Betriebe, Geflüchtete und Berufs-schulen fordert die IHK eine Stichtagsregelung. Allen Flüchtlingen, die sich bereits in Deutschland befinden sowie beruflich qualifiziert oder in einer Ausbildung sind, soll ein gesicherter Aufenthalt über das Zuwanderungsgesetz ermöglicht werden, ohne einer vorherigen Rückkehr in ihr Heimatland.

Otto Heinz, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Regionalausschusses Erding-Freising, ist überzeugt: „Die Unternehmen im Regionalausschuss sind realistisch: Weder gelingt Integration von heute auf morgen, noch können fehlende Fachkräfte allein durch Flüchtlinge kompensiert werden.“ Trotzdem bleibe die Integration „eine große Chance für die Betriebe, neue Mitarbeiter zu finden“. Gleichzeitig, so Heinz, beteiligten sie sich an einer „sehr dringlichen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“.

Gut zu wissen

Unternehmen aus dem Landkreis, die an einer Beratung interessiert sind, erreichen Stefanie Gutzeit telefonisch unter (0 89) 51 16 20 56 oder per Email an gutzeit@muenchen.ihk.de.

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