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Ein Nebengerinne mit einer Wassertiefe von 60 Zentimetern ist entlang der Moosach entstanden. An den Ufern finden sich Kiesflächen ebenso wie Mulden und Amphibien-Laichtümpel. Zudem gedeihen Stauden und Gehölze.

Ausgleichsflächen-Umsetzung für Westtangentenbau ein Erfolg

Vielfältige Biotope und ein neues Moor

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Waldwasserläufer, Bekassinen, Kiebitze, eine seltene Zwergschnepfe und ein Brutpaar des Flussregenpfeifers haben Einzug gehalten: Auf den ökologischen Ausgleichsflächen, die bereits Jahre vor dem ersten Spatenstich für Freisings Westumfahrung hergestellt wurden, zeigt sich wertvolles Leben.

So sah das Gelände des neuen Gerinnes bei Pulling Mitte Dezember 2014 aus, als mit dem Bau begonnen wurde.

Freising – Im Planfeststellungsbescheid zur Westtangente wurde festgesetzt, dass ein Teil der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen zeitlich vorgezogen, also vor Beginn des Straßenbaus, hergestellt werden muss. Die Stadt beauftragte deshalb bereits im Februar 2014 das Büro Schober, die Ausgleichsflächen in allen Details planen und herstellen zu lassen. Stadt-Pressesprecherin Christl Steinhart zählt auf: „Ein Teil der Flächen befindet sich abseits der Westtangenten-Trasse im Freisinger Moos, ein anderer Teil in Nähe der Schleiferbachquelle, südlich der Westtangententrasse.“ Ziel der vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen war es, „möglichst vielfältige Biotope herzustellen und dabei früher vorhandenen und mittlerweile durch die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft verloren gegangenen Biotope neu anzulegen“.

Wichtig sei beim Ausgleichskonzept, dass „die Maßnahmen alle in Verbindung zur Moosach stehen, dem Hauptgewässer des Freisinger Mooses, stehen müssen. So sollten die Flächen in der Nähe zu den Quellbereichen liegen und auch zu grundwassernahen Bereichen angelegt werden, um gut wasserversorgte Niedermoorstandorte anlegen zu können.

Außerdem sollte auf der neuen Fläche – soweit möglich und notwendig – nährstoffreicher Oberboden abgetragen werden, „um insbesondere für jene Pflanzen- und Tierarten Lebensräume anbieten zu können, die auf nährstoffarmen Standorten siedeln können“. Denn genau diese Arten seien „für die ursprüngliche Niedermoorlandschaft rund um Freising prägend und wegen der fortschreitenden Intensivierung der Landnutzung selten geworden“, sagt Steinhart.

Vernetzung

Im Umgriff des Gerinnes hat sich ein neuer Lebensraum für viele Insekten (hier eine Libelle) gebildet.

Um einen möglichst hohen ökologischen Wert zu erzielen, wurden die Flächen einerseits angrenzend zur Moosach in Nachbarschaft zu bereits funktionstüchtigen Ausgleichsflächen der Stadt Freising, aber auch in Nachbarschaft zu der Quelle des Schleiferbachs sowie im Randbereich von Entwässerungsgräben angelegt. So war laut Stadtverwaltung sichergestellt, „dass möglichst große Flächen mit dem grundwassergespeisten Hauptbach des Freisinger Mooses, dem Schleiferbach und den benachbarten wasserführenden Gräben in direktem Austausch stehen“.

Diese „gezielte Vernetzung und Verbindung“ von bestehenden landschaftlichen Strukturen mit den neuen Ausgleichsflächen seien laut Stadt „die wichtigsten Voraussetzungen für eine rasche und positive Entwicklung der Flächen“. Denn besonderes Augenmerk lag darauf, dass die Maßnahmen möglichst frühzeitig und rasch „Wirkung zeigen“, so dass das vom Straßenbauvorhaben „gestörte“ System des Freisinger Mooses weiter „funktioniert“.

Nebengerinne

Die wohl wichtigste Maßnahme im ganzen Ausgleichspaket war die Öffnung des Uferbereichs an der Moosach in Nähe der Brücke der Gemeindeverbindungsstraße Pulling/Haxthausen. Hier entstand ein mit Wasser aus der Moosach gespeistes Nebengerinne, das die Ausgleichsfläche durchfließt.

So sah das Gelände des neuen Gerinnes bei Pulling Mitte Dezember 2014 aus, als mit dem Bau begonnen wurde.

Auf den benachbart liegenden, ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde der nährstoffreiche Oberboden bis zu den anstehenden mageren Almkalk- und Kiesschichten abgetragen. Damit entstanden einerseits nährstoffarme Bereiche, andererseits liegen die Flächen dank dieser Geländeabsenkung im Bereich der Grundwasserschwankungen. Die Areale können so von der günstigen und fortwährenden Wasserversorgung profitieren.

Christl Steinhart: „Die auf diese Weise vorbereiteten Flächen wurden mit speziellen, ortstypischen Saatgutmischungen eingesät. Zwei Kleintierdurchlässe unter der Tangente und die naturnahe Gestaltung der Gewässer in den Brückenbereichen minimieren zusätzlich die Zerschneidungseffekte, die durch die Westtangente entstehen.

Wie sich jetzt, etwa drei Jahre nach Anlage der Ausgleichsfläche, zeige, „erweist sich die Zusammenarbeit der Stadt mit dem Landschaftspflegeverband, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Büro Schober als „voller Erfolg“, kommentiert Christ Steinhart.




Naturvielfalt

Die neuen Flächen seien im Laufe von drei Jahren „zu nährstoffarmen und vielfältigen Standorten mit attraktiven neuen Lebensräumen für mittlerweile selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten der Niedermoorlandschaft“ geworden. Zudem konnten charakteristische Arten von Streu- und Nasswiesen aufwachsen, die auf Flächen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung keine Überlebenschance hätten. Darüber hinaus wachsen jetzt dort auch Pflanzenarten, die nicht über die Ansaat eingebracht worden waren, sondern sich spontan angesiedelt haben.

Die Eingriffe in die Natur, die im Zuge des Baus der Westtangente entstanden sind, konnten damit laut Stadt Freising „zu einem erheblichen Teil kompensiert werden“. Alle Maßnahmen hätten zudem „frühzeitig und rasch die erforderliche Wirkung gezeigt“. Pressesprecherin Steinhart: „Die Störungen im System des Freisinger Mooses konnten durch diese vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen zumindest zu einem Teil behoben werden. Weitere trassennahe Ausgleichsmaßnahmen werden folgen.“

Zur Überwachung der Flächenentwicklung wurde im Auftrag des Landschaftspflegeverbands durch em. Prof. Dr. Hanns-Jürgen Schuster, vormals Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, eine Bestandsaufnahme der Vegetation durchgeführt. Sein Bericht zeigt die positive Flächenentwicklung auf. Demnach ist „die Vegetationsentwicklung auf den Ansaat-Flächen als gelungen anzusehen“. Die Hauptteile der Flächen zeigen ein breites Spektrum von kiesigen Rohbodenstandorten mit artenreichen Glatthaferwiesen, Feucht- und mageren Streuwiesen, aber auch Flachmoorstandorte bis hin zu Binsenbeständen.

Rückkehrer

Bereits in den Jahren 2016 und 2017 wurde festgestellt, dass die Ausgleichsflächen als Brutplatz für Vögel der sogenannten Roten Liste angenommen werden. So konnte auf der Ausgleichsfläche mit dem Nebengerinne zur Moosach in beiden Jahren ein Brutpaar des Flussregenpfeifers beobachtet werden. Weiter wurden Waldwasserläufer, Bekassinen, Kiebitze und ein Exemplar der seltenen Zwergschnepfe beobachtet.

Steinhart abschließend: „Um den Erfolg der Ausgleichsmaßnahmen auf Dauer zu sichern, sorgt der Freisinger Landschaftspflegeverband für die Beobachtung und die weitere Erfolgskontrolle der Maßnahmen sowie für die notwendigen Pflegemaßnahmen.edR

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