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Ganz unterschiedliche Akzente setzen die Künstler Heike Berl, Florian Ecker, Valentino Betz, Alexis Dworsky und Joachim Maria Hoppe (v. l. ). Nicht auf dem Foto: Claudia Bacheri und Andreas Stetka. 

Ausstellung im Schafhof

Von der Macht des Wortes

Sprache ist Macht. Sie kann erschaffen und zerstören, verbinden oder entzweien. Sie ermöglicht es den Menschen, die Welt zu begreifen. Das Wort als eigene, magische Kraft und als Grundlage für Reflektion und Reformation auch in Bezug auf Religion und Glaube – das ist Thema der aktuellen Ausstellung im Freisinger Schafhof: „Wo das Wort ist“.

Freising Sechs Künstler verschiedener Sparten haben sich dafür mit dem Thema Sprache auseinandergesetzt. Nach dem Eingang gleich rechts wölben sie sich aus der Wand. Weiß auf Weiß, akkurat, klar. Im ersten Moment scheinbar willkürlich, folgen die überdimensionalen Knubbel an der Wand einer Ordnung. Es sind Worte, nur müssen sie erst decodiert werden. Was der Freisinger Künstler Alexis Dworsky da an die Wand gebracht hat, ist die Brailleschrift. Eine starke Vergrößerung der haptischen Schrift, bei der nun plötzlich die Optik im Vordergrund steht. Die feste und unveränderbare Zuordnung der Zeichen zu Buchstaben und Worten, aus der sich eine klare Bedeutung ergibt, hat Dworsky in den Widerspruch gebracht: Decodiert man nämlich die Schriftzeichen an der Wand, erhält man den Begriff „Lorem ipsum“ – der klassische Blindtext der Grafiker – leere Worte, ohne tieferen Sinn. „Die Botschaft wird zur Nichtbotschaft“, beschrieb es der Lyriker Àxel Sanjosé in seiner Einführung und stellte sich die Frage, wie oft genau das im alltäglichen Umgang mit Sprache passiert? Wie oft werde gesprochen und nichts gesagt?

Den Aspekt der sinnvollen Kombination von Buchstaben und der sich daraus ergebenden Botschaft hat sich Andreas Stetka in seiner Video-Installation gewidmet. Seine Arbeitsgrundlage: ein mächtiger, bedeutungsvoller Satz, die Basis des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Stetka nun nimmt sich die Freiheit, diesen mächtigen Satz bis ins Kleinste zu zerlegen, zu zerfleddern in seine einzelnen Buchstaben und sie in neuer Kombination zu neuer Bedeutung zu bringen. Was dabei herauskommt? „. . . manche Nutte die weiss da besser Rat“ oder „absurd wie nett dem Suender Satan erschien“. Im ersten Moment scheinbar sinnlos, im zweiten Moment verstörend, geben die neuen Kombinationen den Impuls zum Nachdenken. Sie berühren, regen zur Sinnsuche an und führen eine Idealvorstellung ad absurdum, einfach nur, indem die Buchstabenfolge verändert wurde.

Dass Buchstaben selbst erst einmal etwas Relatives sind zeigt auch die Plastik „Du“ von Joachim Maria Hoppe. Zwei Buchstaben bekommen erst einen Sinn, wenn sie in Beziehung zueinander gesetzt werden. Das „D“ braucht seinen Partner „U“, um zu einer Bedeutung zu gelangen, ähnlich wie der Mensch sein Gegenüber benötigt, um sich zu spiegeln und sich in seiner Vielfalt zu erkennen.

Gut zu wissen

Biss zu 20. August ist „Wo das Wort ist“ im Schafhof zu sehen. Anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation findet am Sonntag, 16. Juli, ein Symposium zum Thema „Bildende Kunst und Reformation“ statt, am Dienstag, 8. August wird Alexandra M. Hoffmann durch die Ausstellung führen.                                                                                                           Claudia Bauer

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