Bahnstreik: Viele Fahrgäste haben kein Verständnis für den Ausstand

Pendler sauer: „Wir müssen herhalten“

„Ich warte hier draußen schon seit über einer Stunde auf meinen Zug nach München. Verständnis habe ich für den Streik überhaupt nicht, denn die, die hier stehen, können am wenigsten etwas dafür“, ärgert sich Timo Huber (38) aus Freising. Es ist Montagmorgen: Unzählige Pendler schieben und drängen sich in die Freisinger Bahnhofshalle. Draußen schneit’s und regnet’s abwechselnd – und es fährt kein Zug, keine S-Bahn. Denn um 5 Uhr früh startete der Streik der Eisenbahn- und Verkehrs-Gewerkschaft EVG.

Sophia Seidl: „Ungünstiger Zeitpunkt, um für höhere Löhne zu kämpfen.“

Freising – „Es ist Mitte Dezember, draußen pfeift der Wind. Das ist ein ganz ungünstiger Zeitpunkt, um für höhere Löhne zu kämpfen“, schimpft Sophia Seidl (23), Studentin aus Freising. Sie könne zwar den Wunsch der Beschäftigten nach mehr Gehalt nachvollziehen, wäre aber froh gewesen, wenn sich ein anderer Weg gefunden hätte, als das Problem wieder mal auf dem Buckel der Passagiere auszutragen. Zufällig habe sie vor kurzem über Bahnstreiks in Japan gelesen. Dort fallen keine Züge aus, sondern es werde beispielsweise auf die Straße gegangen. Und: „Die Züge fahren dort in Streikzeiten kostenlos. Das beweist, dass es auch anders gehen kann.“ Es sei einfach nicht in Ordnung, „wenn wir Pendler für die Folgen des Streiks herhalten müssen“.

Oft genug war Georg Bäumler aus Freising „Opfer“ von Bahnstreiks. Der Steuerberater (41) pendelt seit über 15 Jahren arbeitsbedingt nach München. Über eine Stunde wartete er gestern am Bahnsteig auf seinen Zug. „Ich wusste zwar über den Ausstand Bescheid, aber dass es so schlimm wird, hätte ich mir nicht gedacht.“ Selbst als die Züge nach Streik-Ende um 9 Uhr wieder fuhren, waren sie total überfüllt. Georg Bäumler musste also Geduld aufbringen, bis auch er einsteigen konnte.

Georg Bäumler: „Schon öfter von Bahnstreiks betroffen.“

Doch auch in anderen Bereichen gab es gestern Ärger: Im Speckgürtel um München herum weigerten sich Taxifahrer, Fahrgäste nach München zu bringen. Sie wollten nicht im Stau stehen und so andere Fahrten verlieren.

Über dieses Verhalten konnte Taxlerin Tina Sluka (48) aus Freising nur den Kopf schütteln: „Ich fahre grundsätzlich überall hin, so lange es machbar ist“, erklärte sie: „Wenn’s sein muss, bis vor die Haustür.“ Und sie ergänzt: „Wir Taxifahrer haben grundsätzlich eine Beförderungspflicht. Das vergessen viele.“                       mia/sv

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