Sturmtief fordert Tribut: Jetzt ist eine S-Bahn-Linie unterbrochen

Sturmtief fordert Tribut: Jetzt ist eine S-Bahn-Linie unterbrochen
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Räder, wohin das Auge blickt: Was die Männer des Bauhofs an schrottreifen Drahteseln entfernen, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Bauhof Freising mistet einmal im Jahr aus 

Kahlschlag im Radl-Wald

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Einmal im Jahr werden alte und nicht mehr fahrtaugliche Räder von den Ständern am Bahnhof entfernt. Diese Aufgabe übernehmen die Mitarbeiter des Bauhofs – und treffen dort auf dreiste Diebe und unbelehrbare Bürger.

Freising – Es ist Mittwoch, 8.50 Uhr, zwei Container, bis obenhin voll mit Fahrrädern, sind schon weg, abtransportiert. Jürgen Huber vom Bauhof wartet mit seiner Mannschaft an den Fahrradständern neben McDonald’s am Bahnhof auf den Lkw. Schon wieder stehen rund 70 Räder zur Abholung bereit. Der Zustand der Drahtesel: verheerend. Rostig sind die einen, andere haben zerrissene Sättel. Einmal im Jahr rückt Huber mit seinen Männern an. Zwischen 200 und 230 Räder kamen bisher immer zusammen. „Heuer sind’s um die 300“, berichtet Huber. „Und es werden von Jahr zu Jahr mehr.“

Fertig zum Abtransport: Die nächste Station der Radl ist der Lagerplatz bei Tuching.

Einige Pendler bleiben kurz stehen, schauen sich das Treiben an, werfen einen schnellen Blick auf ihr eigenes Rad – nicht, dass es noch fälschlicherweise abtransportiert wird. Alles schon passiert, meint Huber. Doch das ist kein Problem: „Wer glaubt, wir hätten sein Rad mitgenommen, kann sich melden. Dann schauen wir durch, und derjenige bekommt es natürlich wieder.“

Knifflig wird’s, wenn jemand versucht, sich eines zu erschleichen. Während er auf den Lkw mit dem Container wartet, berichtet Huber von einem Fall, als jemand sein vermisstes Rad auf dem Lagerplatz des Bauhofs suchen wollte. Seine Beschreibung passte auf keines der Räder. „Auf einmal deutet er auf irgendeines und sagt: Das ist es.“ Huber, der den Braten schon gerochen hatte, bat den Mann, es doch dann bitte aufzusperren. „Dann kam die übliche Ausrede: Schlüssel vergessen oder verloren. Endgültig verraten habe der Mann sich dann, als er plötzlich auf das Nächste zeigte: „Ach, da ist es ja.“ Wieder passte es nicht auf die ursprünglich angegebene Beschreibung – und Huber staubte den offensichtlichen Betrüger weiter. „So etwas ärgert einen natürlich, weil es viel Zeit kostet.“

Unbelehrbare Bürger sind ohnehin nicht selten, berichtet er. 2016 habe ein Herr felsenfest behauptet, dass die Männer vom Bauhof sein Rad eingepackt hätten. Lautstark und gestenreich, wie sich Huber erinnert. „Ich habe ihm dann geraten, erst mal runterzukommen und zuhause nachzuschauen.“ Und tatsächlich – sein Rad hatte der Mann ausnahmsweise nicht mit an den Bahnhof gebracht, sondern an seinem Arbeitsplatz in Weihenstephan stehen lassen. „Eines muss ich ihm aber lassen: Am folgenden Tag hat er angerufen und sich für sein Verhalten entschuldigt“, sagt Huber und lacht.

Aufzwicken und weg damit: Jürgen Huber vom Bauhof hat alle Hände voll zu tun.

Als der Lkw kommt, packen die Bauhof-Mitarbeiter alle an. Binnen weniger Augenblicke werden rund 50 Räder auf die Ladefläche gewuchtet – und natürlich fein säuberlich aufgestellt. Rund 20 Drahtesel bleiben aber noch stehen – der Platz im Container reicht nicht. Kein Problem: Die nächste Fuhre lässt nicht lange auf sich warten. Jürgen Huber hat sich mit seinem Team derweil längst auf den Weg zum nächsten Parkplatz gegenüber der Bahnhofshalle gemacht. Auch hier: Rostige Radl, luftlose Reifen, kaputte Ketten – rund 30 Räder müssen hier weg. Und trotzdem zeigt sich: Was der Bauhof hier an Rädern entfernt, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Weiter stehen Radl eng and eng – aber immerhin hat man sich etwas Luft verschafft.

Die Reise geht für die Drahtesel weiter in Richtung Bauhof-Lagerplatz bei Tuching. Dort werden sie jetzt einige Monate vorgehalten. Einige werden hergerichtet und versteigert, andere müssen verschrottet werden. Huber erzählt, dass sich ab und zu auch dreiste Diebe an den Aktionstagen einfinden. „Da gab’s mal einen, der wollte zwei Meter neben uns zuschlagen“, sagt er und lacht. So leicht geht den Herrschaften vom Bauhof aber kein Rad flöten – denn auch, wenn das Gefährt nicht mehr abgeholt wird: Wer es einfach mitnimmt, begeht einen Diebstahl.

Noch am Vormittag werden die Arbeiter fertig – genau 302 Räder wurden gestapelt und abtransportiert. Heuer läuft die Aktion ganz friedlich ab – ohne Probleme. Im Frühjahr kann’s allerdings schon wieder ganz anders aussehen: Huber ist bereit.

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