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Auch erfahrene Polizisten waren von dem tödlichen Unfall auf der B301 ersschüttert. 

Tragischer Unfall

„Rollende Zeitbombe“ tötet zweifache Mutter - Angeklagte macht danach schockierende Aussage

Eine 19-Jährige hat mit einem waghalsigem Überholmanöver einen schweren Unfall verursacht. Eine Mutter von zwei Kindern starb. Jetzt hat das Gericht sein Urteil gefällt.

Freising – Sieben Autos hat eine 19-Jährige aus dem Ampertal auf einen Streich überholen wollen. Um einem entgegenkommenden Laster auszuweichen, drängte sie einen VW Caddy, ganz vorn in der Kolonne, vom Asphalt. Der 30 Tonnen schwere Laster raste in einen Lupo. Die Frau am Steuer, eine 44-jährige Mutter zweier Kinder, starb noch an der Unfallstelle unweit von Attenkirchen. Jetzt wurde die Fahranfängerin zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. 

Mit dem 320 PS-starken BMW X5 ihres Freundes setzte die Angeklagte am 28.  November 2018 gegen 6 Uhr auf der B301 nahe Attenkirchen zum Überholen an. Das tat sie, obwohl sie die Strecke nicht einsehen konnte. Es war dunkel und diesig. Die Bremskraft des BMW, den selbst ihr Anwalt als „rollende Zeitbombe“ bezeichnete, war nicht nur eingeschränkt. Weil ungleiche Reifen aufgezogen waren, hätte das Auto gar nicht auf die Straße gedurft. 

Tödlicher Unfall: 19-Jährige war 65 km/h zu schnell

Mit bis zu 165 km/h raste sie an der Kolonne vorbei – 100 km/h waren erlaubt. Trotz des entgegenkommenden Lkw blieb sie zunächst auf der Überholspur. Viel zu spät versuchte sie, in die Kolonne einzuscheren, rammte dabei einen Caddy und wurde von dem Laster erwischt. 

Die Wucht des Aufpralls zerfetzte den linken vorderen Reifen des Lkw, die Achse wurde abgerissen. Der manövrierunfähige Laster geriet ins Schlingern und rammte den Lupo. „Eine Frau“, so Richter Boris Schätz, „auf dem Weg zur Arbeit, die ihre Familie als Putzfrau ernährt.“ Mit dem Lupo fuhr die 44-Jährige mitten in der Kolonne. Funken sprühten, der Kleinwagen schleuderte durch die Luft. 

Polizist sagt aus: „Die Strecke ist berüchtigt“

Ihr Ehemann verfolgte den Prozess als Nebenkläger und musste sich anhören, wie ein Polizist mitteilte, dass er an dieser Stelle selbst mit Blaulicht nie überholen würde. „Die Strecke ist berüchtigt.“ 

Die Angeklagte durfte seit einem halben Jahr Auto fahren. Den BMW hatte sich ihr Freund erst drei Wochen zuvor zugelegt. Nahezu alle Beteiligten gaben an, dass ihnen der X5 nicht zum ersten Mal durch rücksichtsloses Fahren aufgefallen sei. Im Prozess sagte die junge Frau, dass es ihr leid tue. Eine Entschuldigung wiege ihre Schuld nicht auf. Ihr Anwalt hatte sie zu diesen Worten gedrängt. 

Täterin: „Was kann ich dafür, wenn dahinten einer verreckt“

Den Beteiligten und der Polizei war die Angeklagte am Unfallort, im Krankenhaus und Tage später im Revier durch irritierendes Verhalten aufgefallen. Im Beisein eines Beamten beschwerte sie sich bei ihrer Mutter mit „derben“ Ausdrücken: Was „der Scheiß“ soll, ihr den Führerschein zu nehmen. „Was kann ich dafür, wenn dahinten einer verreckt.“ 

Selbst der Richter ist von so viel Abgebrühtheit verstört

So viel Abgebrühtheit habe sie noch nicht erlebt, berichtete eine Polizistin. „Mich hat das verstört.“ Auch das Gericht blieb nicht unberührt. Sechs Monate darauf wurde die 19-Jährige – jetzt ohne Schein – erneut am Steuer erwischt. Diesmal blieb es bei einem harmlosen Auffahrunfall.

Richter Schätz verurteilte die 19-Jährige wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haftstrafe und zu vier Jahren und fünf Monate Führerschein-Entzug. Das Schöffengericht am Amtsgericht Freising entschied, ihr keine Bewährung zu gewähren. Über ihr weiteres Schicksal wird in Landshut ein Richter in der Berufung befinden.

Andreas Sachse

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