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Sozialpolitische Prüfsteine legte Moderatorin Elisabeth Kagermeister (M.) im Freisinger St. Georgs-Haus sechs Landrats-Kandidaten vor (v. l. ): Manuel Mück (CSU), Helmut Petz (FW), Birgit Mooser-Niefanger (FSM), Tobias Weiskopf (FDP), Robert Wäger (Grüne) und Herbert Bengler (SPD).

Podiumsdiskussion

Landratswahl 2020: Kandidaten nehmen scheidenden Amtsinhaber unter Beschuss

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Bei einer Podiumsdiskussion haben die Landratskandidaten deutlich Stellung bezogen. Dem scheidenden Amtsinhaber stellt keiner von ihnen ein gutes Zeugnis aus.

Freising – Flüchtlingspolitik und Wohnungsnot, Leben im Alter und Jugendhilfe – das waren die Prüfsteine, die Sozialverbände aus dem Landkreis am Donnerstag sechs Bewerbern um den Chefposten im Landratsamt vorlegten. Dabei wurde – auf dem Podium, aber auch von Seiten der Besucher im St-.Georgs-Haus – viel Kritik laut. Das Landratsamt agiere derzeit zu bürokratisch, zu rigide, zu wenig vernetzt. Zunächst aber hatten die Kandidaten zwei Minuten, um ihre sozialpolitische Visitenkarte abzugeben.

Sozialpolitische Visitenkarten

Manuel Mück (CSU) warnte davor, dass „es auseinanderdriftet“. Man sei ein junger Landkreis, müsse aber auch den demographischen Wandel im Auge behalten. Um die Wohnungsnot zu lindern, müssten die Gemeinden in ihrer Grundstückspolitik stärker vom Landkreis unterstützt werden.

Helmut Petz (FW) betonte zunächst die Bedeutung der Jugendhilfe. Die sei „jeden Cent wert“. Wichtig sei, den Hilfsbedarf frühzeitig zu erkennen. Und Geflüchtete mit einer Bleibeperspektive müssten so schnell wie möglich in Arbeit gebracht werden: „Es ist unmenschlich“, sagte Petz, „sie zum Nichtstun zu verdammen“.

Birgit Mooser-Niefanger kündigte an, als Ländrätin den „Dschungel“ an Hilfsangeboten und Fördermöglichkeiten zu lichten. Hier gebe es „unheimlich viel“, das meiste aber sei unbekannt. Ihr Herzensanliegen: Man dürfe nicht soviele benachteiligte Jugendliche „verlieren“, wie das derzeit der Fall sei.

Tobias Weiskopf (FDP) brachte einen im Kreisgremium zurückgestellten Antrag des Vereins MiBiKids als Beispiel für mangelnde Wertschätzung solcher Hilfsangebote vor. Was MiBiKids leiste, sei nicht mit Geld zu bezahlen. Robert Wäger (Grüne) stellte klar, dass der MiBiKids-Antrag falsch formuliert worden sei und daher abgelehnt werden musste.

Kandidaten-Kritik am Landratsamt

Wie er stellten sich dann aber auch die meisten der anderen Kandidaten die Frage, ob es hier nicht an der Bereitschaft des Landratsamts mangele, dem Verein zu helfen, wo es geht. Hier müsse ein Landrat als Spitze der Verwaltung die Weichen stellen, forderte Petz. Und Mooser-Niefanger stellte fest: „Das ist eine Paradigmenfrage: Da geht es darum, ob man eine Lösung für das Problem sucht – oder das Problem. Das Landratsamt muss ein Ermöglicher sein.“ 

Helmut Petz ergänzte, dass es bei Gesetzen „Spielräume“ gebe, und die Kreativität eines Landrats gefragt sei. Hier hakten in der zweistündigen, von Elisabeth Kagermeister (BR) geleiteten Diskussion auch mehrere Zuhörer ein: Würde der Landrat nur wollen, würde im Amt vieles gehen, was heute wegen zu stringenter Gesetzesauslegung nicht machbar sei. „Warum hat das alles in den vergangenen sechs Jahren nicht geklappt?“ fragte etwa der frühere Landratsmitarbeiter Reinhard Höfl provokativ.

Zuvor hatte aber noch Robert Wäger sein Eingangs-Statement abgerundet: Ehrenamtliche Arbeit werde im Landkreis oft dadurch zunichte gemacht, das alles den Kriterien Gewinnmaximierung und Effizienz unterworfen sei. Wäger: „Ein Krankenhaus muss keinen Gewinn machen!“

Einig waren sich die Diskutanten auf dem Podium bei zwei Themen:

Die Seniorenberatung im Landkreis müsse intensiviert werden. Dabei sei es wichtig, nicht eine weitere Stelle im Landratsamt zu schaffen, sondern eine „aufsuchende Seniorenberatung einzurichten“, die zu den Menschen komme und auch präventiv wirke. Alle Kandidaten kündigten zudem an, im Fall ihrer Wahl eine weniger rigide Flüchtlingspolitik zu fahren.

Rezepte gegen die Wohnungsnot

Alle Bewerber um das Amt des neuen Landrats wollen auch versuchen, die Wohnungsnot zu lindern und dabei die derzeit inaktive Wohnungsbaugesellschaft „wachküssen“, wie es FW-Kandidat Helmut Petz formulierte. Um das Problem anzugehen, müsse man aber „bauen, bauen, bauen“, forderte etwa Herbert Bengler. Tobias Weiskopf stimmte dem zu, Helmut Petz nicht: Er würde lieber versuchen, Grundstücke zu kaufen: „Wir müssen da die schützende Hand drüberhalten.“ Er findet den Plan des Münchner OB Dieter Reiter bestechend, der seine Stadt „zurückkaufen“ will.

Sämtliche Kandidaten, die um Bürgermeister-Ämter kämpfen, finden Sie im großen FT-Überblicksartikel

Auch interessant: Attacke auf Hundebesitzer: Rabiater Radfahrer stößt Spaziergänger (74) zu Boden. Der Bürgermeister klärt auf: Deshalb stinkt es gerade so in Haag.

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