Marihuana
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Ein 19-Jähriger hat versucht, Marihuana ins Freisinger Amtsgericht zu schmuggeln. (Symbolfoto)

Er muss sich bald wieder verantworten

Bei Prozess wegen Drogenhandels: 19-Jähriger schmuggelt Cannabis ins Gericht - Richter reagiert sofort

  • vonAndreas Sachse
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Ein 19-Jähriger war jetzt wegen Drogenhandels angeklagt. Doch als er im Gericht erschien, sorgte er mit einer Schmuggel-Aktion so richtig für Fassungslosigkeit.

Ampertal – Zum Prozess vor dem Amtsgericht Freising hat ein wegen Drogenhandels angeklagter 19-Jähriger Cannabis mitgebracht. Bei der Eingangskontrolle stieg Wachleuten das würzige Aroma des Tabaks in die Nase. Der Richter schien fassungslos, urteilte aber letztlich moderat. Mit Marihuana therapiert der Angeklagte, der im Ampertal lebt, anscheinend die Folgen eines schweren Unfalls.

20 Gramm Marihuana in Wohnung

Ob er sich den Prozess angenehmer gestalten wollte oder ob er von dem Cannabis in seinem Tabak tatsächlich nichts wusste, wie der 19-Jährige beteuerte, ließ sich nicht klären. Der nach einem Arbeitsunfall beschäftigungslose junge Mann gab an, von der Tabak-Cannabis-Mixtur in seiner Tasche nichts gewusst zu haben. Das Beutelchen mit Tabak sei ihm am Morgen geschenkt worden, seines Wissens habe es nur Tabak enthalten. Tatsächlich gehören schon eine gute Portion Frechheit und ein ordentliches Maß an Optimismus dazu, ernsthaft davon auszugehen, auf der Toilette im Gericht unbemerkt einen Joint rauchen zu können.

Nach dem Vorfall am Amtsgericht Dachau im Januar 2012, als ein wegen Unterschlagung angeklagter, ortsansässiger Transportunternehmer nach der Urteilsverkündung den 31-jährigen Staatsanwalt erschossen hatte, sind die Eingangsbereiche von Gerichten in der Region mit Metalldetektoren ausgestattet. Das Wachpersonal ist legitimiert, Taschen, Aktenkoffer und Kleidung zu durchsuchen. Eigentlich ist das bekannt. Am Amtsgericht in Freising nahmen Wachleute den Angeklagten in Gewahrsam und überstellten ihn dem Richter. Dieser alarmierte umgehend die Polizei.

Hausdurchsuchung im Januar

Im Prozess räumte der Angeklagte ein, drei Gramm Marihuana verkauft zu haben. Von weiteren Deals war seitens der Staatsanwaltschaft nicht die Rede. Wahrscheinlich aber war eben dieser Vorfall Anlass gewesen, im Januar die Wohnung des 19-Jährigen auf den Kopf zu stellen. Bei der Hausdurchsuchung fanden Drogenfahnder 20 Gramm Marihuana. Genug, um den jungen Mann wegen gewerbsmäßigen Handeltreibens anzuklagen. Seit Oktober vergangenen Jahres soll der 19-Jährige nach Überzeugung der Anklagevertretung von seiner Wohnung aus einen schwungvollen Handel mit Cannabisprodukten betrieben haben.

Der Angeklagte selbst bestand darauf, dass es sich lediglich um 15 Gramm gehandelt habe. Das Marihuana will er sich „für den Eigenbedarf“ beschafft haben. Er bestritt, andere mit Cannabis versorgt zu haben. Seit der Hausdurchsuchung im Januar partizipiert der Angeklagte an Beratungsangeboten der Drogenberatung, räumte aber ein, ohne einen Joint ab und an nicht über die Runden zu kommen. „Er versucht aber doch, Hilfe zu kriegen“, meinte seine Anwältin.

Aktion war „frech und indiskutabel“

Nach Informationen der Jugendgerichtshilfe trug der 19-Jährige nach einem schweren Arbeitsunfall schwere körperliche Folgen davon. Seither leide er unter erheblichen Schmerzen. Zu seinen Gunsten reduzierte das Gericht die Anklage von 20 auf 15 Gramm Cannabis, und ging auch nicht mehr von gewerbsmäßigem Drogenhandel aus. Die Sache mit dem Tabak-Cannabis-Mix im Gericht allerdings wirkte umso schwerer nach. „Dazu fällt mir nichts mehr ein“, sagte Jugendrichter Boris Schätz.

Was die Anklage betrifft, folgte Richter Schätz zunächst der Staatsanwältin, beließ es aber bei 60 Sozialstunden. Die Anklagevertretung hatte einen Freizeitarrest gefordert. Sozialstunden allein seien angesichts des aktuellen Geschehens nicht ausreichend, argumentierte die Staatsanwältin. Im Vorjahr war der 19-Jährige schon einmal wegen Drogenbesitzes zu einer Geldauflage verurteilt worden. Richter Schätz trennte zwischen der Anklage und dem Vorfall am Eingang. Drogen ins Gericht zu schmuggeln, das sei „frech und indiskutabel“. Dafür aber wird sich der junge Mann zu einem späteren Zeitpunkt verantworten müssen.

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