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Beifall aus Freising über geplatzte MVV-Tarifreform: „Eine Entscheidung der Vernunft“

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Die Tarifreform des MVV ist im Landkreis Freising auf vehemente Kritik gestoßen. Jetzt wurde sie gekippt – zumindest vorerst. Die Kritiker im Landkreis hoffen nun auf einen gerechteren Entwurf.

Moosburg – Für Johannes Becher waren es „Breaking News“. Der Moosburger Grünen-Stadtrat und Landtagskandidat hat auf der Merkur-Homepage davon erfahren, dass die MVV-Tarifreform vorerst gescheitert ist. „Und das ist eine gute Nachricht für den Landkreis“, betont er.

Becher war es, der sich im Juli – kurz nach Veröffentlichung des neuen Konzepts – die Mühe gemacht hatte, die Auswirkungen für die Pendler an allen Bahnhöfen im Landkreis unter die Lupe zu nehmen. Seine Feststellung: Erstens führt die Reform nicht zu der Vereinfachung, mit der der MVV geworben hatte. Zweitens wird der Öffentliche Personennahverkehr zwar für die Münchner günstiger, nicht aber für die Pendler in den äußeren Tarifringen. Da rechnete Becher Preissteigerungen von 30 bis 50 Prozent vor. Der Moosburger Stadtrat hatte die Reform daher gerade erst einstimmig abgelehnt.

„Die Argumente waren eindeutig“

Doch nicht nur im hohen Norden der MVV-Region war die Kritik enorm. Auch der Kreis München wehrte sich gegen die Pläne. Der Widerstand dort ist einer der beiden Gründe, warum die Reform, die im Juni 2019 in Kraft treten sollte, nun auf Eis gelegt wurde. Der zweite: die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), für den MVV ein Jahresticket anzustreben, das lediglich 365 Euro kostet. „Als ich das gehört habe, war mein erster Gedanke, dass wir dann diese schlechte Reform gar nicht umsetzen brauchen“, berichtet Becher.

Hat er selbst daran geglaubt, die Reform verhindern zu können? „Mir war schon klar, dass dies ein dickes Brett ist. Aber die Argumente waren so eindeutig, dass ich zuversichtlich war, dass es eine Entscheidung der Vernunft gibt“, sagt Becher und macht auch gleich noch den Kämpfern gegen die 3. Startbahn indirekt Mut. „Wenn die Politik alle Projekte so nüchtern betrachtet, dann gibt es in Bayern noch einiges, was wir einstampfen können.“

Der Kreistag hätte demnächst über die Tarifreform abgestimmt. Über die neue Entwicklung äußerte sich Landrat Josef Hauner positiv: „Ich begrüße alle Maßnahmen, die den öffentlichen Personennahverkehr preislich attraktiver machen.“

Das Söder-Ticket hält Grill (SPD) für einen populistischen Vorschlag

Markus Grill, SPD-Kandidat für den Landtag, ist stolz, dass seine Genossen zum Fall der Tarifreform beigetragen haben. Denn mit Alexander Greulich (Ismaning) und Christoph Böck (Unterschleißheim) hatten sich im Landkreis München zwei sozialdemokratische Bürgermeister auf ein Nein zur Reform festgelegt. „Ich bin froh, dass die Reform geplatzt ist, weil sie bei uns im MVV-Außenbereich für viele Leute eine massive Preissteigerung bedeutet hätte“, sagt Grill. „Man kann nicht auf der einen Seite den ÖPNV stärken wollen und auf der anderen Seite erstmal alles schlechter machen.“

Söders Vorschlag eines 365-Euro-Tickets hält Grill zwar für einen populistischen Vorschlag. „Aber es ist eine Grundlage, auf der wir über niedrigpreisige oder kostenlose Tarifmodelle diskutieren können.“ So regt er etwa Vergünstigungen für Studenten oder Senioren an, die ihren Führerschein freiwillig abgeben. Becher hofft auf einen neuen Entwurf, der die Bedürfnisse der Umland-Gemeinden angemessen berücksichtigt. „Es muss verhältnismäßig und gerecht sein.“

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