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„Luisa“ ist jetzt auch in Freising: Jugendpflegerin Regina Cordary (r.), Jugendzentrums-Leiterin Birgit Schwaiger (2. v. r.) und Stefanie Sturm von der Interventionsstelle (hinten l.) holen die Kampagne mit dem AK Mädchen in die Domstadt. 

Schon 15 Lokale machen mit bei der Kampagne

Belästigung beim Weggehen: Wie der Code „Luisa“ Frauen in Freising künftig schützen soll

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„Ist Luisa hier?“ Diese Worte sollen Mädchen und Frauen in der Freising künftig helfen, wenn sie sich beim Ausgehen sexuell belästigt fühlen. 15 Lokale beteiligen sich schon an der Kampagne.

Freising – „Ist Luisa hier?“ Diese drei kleinen Worte sollen Mädchen und Frauen in der Domstadt künftig helfen, wenn sie sich beim Ausgehen sexuell belästigt fühlen. Die Idee dahinter ist, dass, wer das Thekenpersonal nach der imaginären Luisa fragt, die Hilfe bekommt, die sie möchte. Der Arbeitskreis (AK) Mädchen hat die Kampagne, an der sich bereits 15 Lokale in Freising beteiligen, kürzlich im Jugendtreff Vis-á-Vis vorgestellt.

Vorbild der bundesweiten Initiative zum Schutz vor Übergriffen ist das Projekt „Ask for Angela“ aus England. „Vor gut zwei Jahren hat es der Frauennotruf Münster adaptiert. Mittlerweile ist Luisa in über 50 Städten verbreitet“, erklärt Regina Cordary, die im Landratsamt für die Jugendarbeit zuständig ist. „Das Ganze ist für Frauen konzipiert, schließt aber Männer nicht aus.“

Die Verwendung eines Codes soll die Hemmschwelle senken, sich Hilfe zu holen. Außerdem sei die Frage unauffällig und diskret. Der Name Luisa, der „Kämpferin“ bedeutet“, sei gewählt worden, weil er einen Kopfton enthalte, der in lauter Umgebung leichter verständlich sei.

„Das Wichtigste ist, dass die Frau entscheidet, was passiert“

Hat eine Frau ein ungutes Bauchgefühl, fühlt sich unsicher und belästigt, kann sie an der Bar nach Luisa fragen. Das geschulte Personal antwortet: „Luisa ist hier, ich bringe dich zu ihr.“ Weil das Gefühl der Bedrohung subjektiv ist, wird der Frau ohne nachzufragen eine Rückzugsmöglichkeit angeboten. „Dort wird geschaut, ob und welche Hilfe benötigt wird: etwa ein Auge auf die Person zu haben, Freunde zu verständigen, ein Taxi oder die Polizei zu rufen. „Das Wichtigste ist, dass die Frau entscheidet, was passiert“, betont Cordary.

Da die Kampagne nur mit einem lokalen Ansprechpartner funktioniert, hat sich in Freising die Interventionsstelle der Diakonie der Aktion angenommen. „Frauen, die nach Luisa gefragt haben, bekommen unseren Kontakt“, erklärt Mitarbeiterin Stefanie Sturm. Sie und ihre Kollegen klären Betroffen über mögliche rechtliche Schritte auf und klären den Bedarf – etwa, ob ein Arztbesuch, das Erstatten einer Anzeige oder psychologische Betreuung notwendig sind. „Wir leisten psychosoziale Unterstützung“, sagt Sturm. Dass es Luisa nun in Freising gibt, sei eine wichtige Präventionsmaßnahme, sodass der Bedarf nach Zufluchtsorten erst gar nicht entstehe.

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Wie Jugendpflegerin Cordary erläutert, sei es das erklärte Ziel der Aktion, Frauen dabei zu helfen, Situationen zu entkommen, in denen sie sich unwohl fühlen, belästigt oder gar bedroht werden. Es gebe war keine Statistiken, wie häufig schon nach Luisa gefragt wurde. „Aber die Kampagne trägt dazu bei, sichere Orte und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu schaffen.“

In Freising machen bislang 15 Lokale mit, unter anderem das Fellas, die Lounge 27, der Furtner, oder das Nachtcafé. Weitere interessierte Gastronomen können sich per Mail an praeventionfreising@web.de melden. Das Team der Q-Bar wurden bereits vom AK Mädchen geschult. „Ich bin definitiv der Meinung, dass diese Kampagne zum Schutz der Frauen im Nachtleben beiträgt“, berichtet Mitarbeiterin Lena Hofmeister. Durch die Aufkleber an der Tür und in den Toiletten könnten die Gäste sofort sehen, dass hier geschultes Personal arbeitet. „Wenn sich Frauen unwohl fühlen, können wir schnell und unbürokratisch helfen.“

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