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Berauschende Mischung beeindruckender Chorwerke durchfluten Freisinger Dom

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Ein ganz besonderes Konzert gestaltete der Bayerische Landesjugendchor im Mariendom.
Ein ganz besonderes Konzert gestaltete der Bayerische Landesjugendchor im Mariendom. © Lehmann

Der Bayerische Landesjugendchor zog im voll besetzten Mariendom die Zuhörer in seinen Bann. Epochale Chorwerke und eine Uraufführung begeistern.

Freising – Was für eine Konzert-Nacht: Unter dem Titel „Veni“ begeisterte am Samstag der Bayerische Landesjugendchor mit einer wundervollen und perfekt ausbalancierten Mischung zwischen alten und neuen Werken über 200 Musikfreunde im Mariendom. Gewaltige Beifallsstürme erntete aber vor allem die Freisinger Komponistin Elisabeth Fußeder, deren Werk „Du“ im Dom uraufgeführt wurde – ein Stück, das so hell und modern flimmerte, dass sie damit für Gänsehaut-Momente sorgte.

Ein Bravourstück

Mit der Buchung des Bayerischen Landesjugendchors war dem Dommusikdirektor Matthias Egger ein Bravour-Stück gelungen – was die Freisinger Chor-Fans auch mit zahlreichem Erscheinen honorierten. Heißt im Klartext: Im Mariendom war um 19.30 Uhr kaum noch ein Plätzchen zu finden. „Es ist heute ein ganz besonderes Konzert“, so Egger einleitend und weiter: „Es erfüllt mich mit Mut, Freude und Zuversicht, dass trotz Coronapausen die Qualität und Motivation der jungen Leute in den Chören ungebrochen ist.“

Extra-Programm

Für das Konzert habe laut Egger der Landesjugendchor-Leiter Gerd Guglhör das Programm extra an den Dom angepasst – auch weil der Dom per se ein außergewöhnlicher Auftrittsraum sei mit besonderer Akustik und der großen Treppe.

Weitere Uraufführung

Was Egger am meisten freute, war die Möglichkeit einer weiteren Ur-Aufführung aus Fußeders Oeuvre – und es war deutlich zu spüren, dass diese Chance den Dommusikdirektor berührte, der seine Einleitung mit den Worten in Richtung Fußeder schloss: „Wir sind sehr stolz auf Sie.“

Wie nicht anders erwartet, legte Fußeder mit „Du“ ein Werk vor, das moderne und klassische Fugen charmant miteinander verbindet und den Chor forderte. Rund fünf Minuten vertonte Fußeder ein Gedicht der Philosophin, Frauenrechtlerin und des Holocaust-Opfers Edith Stein –und das sehr berührend vor der Chor-Darbietung von Egger vorgelesen wurde.

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Um die zentrale Botschaft der Lyrik von Stein noch mehr herauszuschälen, verknüpfte Fußeder geschickt das Gedicht mit eindringlichen Psalm-Texten. Es ist die Zuversicht und die Hoffnung, die die Freisinger Komponistin mit ihrem Werk letztendlich suchen möchte.

Komplexe Struktur

Das wird auch deutlich in der komplexen Struktur, die mit unterschiedlichen Klangflächen arbeitet und im Hörgenuss bis auf die Seele berührt. Fußeder ist mit diesem Werk erneut das gelungen, was musikalische Kirchenwerke immer bewirken sollten: ein Heranführen an die Güte des Himmels, ohne die Fragen des Lebens auszublenden. Ein großes Werk, aber auch ein Werk, das sich tief und ehrfürchtig vor Edith Stein verbeugt.

Gelungene Mischung

Es war vor allem die Mischung zwischen sogenannter „Alter Musik“ und neuen Werken, die berauschend daherkam und mit der Brechung von Bob Chilcotts „Midnight/We need“ und den Bach-Choral „Weg mit allen Schätzen“ seinen Höhepunkt fand. Warum? Die Werke von Chilcott widmen sich fulminant den Verbrechen gegenüber der Natur und zeichnen somit auf der Bühne ein dunkles musikalisches Bild, äußerst modern und dramatisch mit einer starken, fast schon hypnotisierenden Außenwirkung durch verschiedenste Klangwelten.

Im Übergang dann das „alte Werk“ von Bach, das sich nahtlos anschloss und in diesem Kontext beinahe eine böse Vorahnung des Komponisten herauskristallisierte. Dynamisch beeindruckte „A Drop in the Ocean“ von Eriks Esenvalds, bei dem Tauben-Schwärme stimmlich vom Chor angedeutet wurden, was für Staunen im Publikum sorgte. Mit dem sanften und versöhnlichen „Butterfly“ von Mia Makaroff fand ein Konzert seinen Abschluss, das vielerlei gleichzeitig war: aufwühlend, berührend, erhellend und ins Musiker-Herz gehend. Der Applaus war dann auch ein gewaltiger und höchst verdienter. RICHARD LORENZ

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