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Bericht aus dem Gericht  

13-Jährige begrapscht: 15 Monate auf Bewährung für Kraftfahrer

Die Grapschereien an der damals erst 13-jährigen Tochter seiner Lebensgefährtin lagen bereits sieben Jahre zurück. Jetzt wurde ein 46 Jahre alter Kraftfahrer aus dem Landkreis vor der fünften Strafkammer am Landgericht Landshut zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt.

Landkreis – Der Angeklagte hatte 2008 die Mutter des Mädchens kennengelernt. Beide zogen dann kurz darauf zu ihm. Die Lebensgefährtin wurde auch bald schwanger und brachte im August 2009 eine gemeinsame Tochter zur Welt. Nach dem Aufenthalt in der Klinik und dann noch bis Ende April 2010, so hieß es in der Anklage, sei es zu den sexuellen Übergriffen des Kraftfahrers auf die ältere Tochter seiner Lebensgefährtin gekommen. Die junge Mutter habe damals mit dem Baby meist im Zimmer der Jugendlichen geschlafen und Letztere im Ehebett neben dem Lebensgefährten. Als die damals erst 13-Jährige vermeintlich schlief, habe ihr der 46-Jährige erstmals oberhalb ihrer Boxershorts zwischen die Beine gegriffen und sie im Intimbereich gestreichelt.

Zu mindestens zwei weiteren Übergriffen sei es dann gekommen, als das Mädchen bereits 14 Jahre alt gewesen sei. Massiver wurde es aber nicht, weil die damalige Schülerin diese „Streicheleinheiten“ bemerkte, daher auf die Toilette ging und erst zurückkehrte, als der Kraftfahrer bereits eingeschlafen war. Aufgeflogen waren die Übergriffe erst im Rahmen eines Zivilverfahrens um das Umgangsrecht für die gemeinsame Tochter. Die Frau hatte sich damals nach permanenten Streitereien von dem Kraftfahrer getrennt.

Vor der fünften Strafkammer des Landgerichts äußerte sich der 46-Jährige nicht zu den Vorwürfen. Er ließ sie aber durch seinen Verteidiger Michael Dietl nachhaltig bestreiten. Wie die Sachbearbeiterin der Kripo Erding bestätigte, habe die heute 21-Jährige im Rahmen des Umgangsrechtsstreits von den sexuellen Handlungen berichtet, später jedoch von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. In einem Vier-Augen-Gespräch hatte sie dann die Grapschereien bestätigt.

Ein Rachemotiv sei dabei nicht nachvollziehbar: Nicht die Tochter habe ja die Vorfälle zur Anzeige gebracht, die Ermittlungen seien lediglich aufgrund von Andeutungen der Mutter gegenüber in Gang gekommen. Die Mutter selbst habe dann erklärt, sie wolle eigentlich Ruhe, andererseits aber ihre jüngere Tochter vor Übergriffen des Kraftfahrers schützen.

Die Staatsanwältin sah die Vorwürfe bestätigt und forderte für einen Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie zwei weiteren Fällen des Missbrauchs von Schutzbefohlenen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Der Verteidiger verwies auf Widersprüchlichkeiten in den Aussagen der heute 21-Jährigen und plädierte auf Freispruch.

Die fünfte Strafkammer des Landshuter Landgerichts sah die Missbrauchsvorwürfe als erwiesen an, stützte sich dabei weitgehend auf das Sachverständigen-Gutachten. Allerdings blieb die Kammer erheblich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, verhängte lediglich 15 Monate und setzte die zur Bewährung aus. Als Auflage muss der Kraftfahrer 120 Sozialstunden ableisten.

Walter Schöttl

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