Beate Zschäpe: Verteidiger fordern maximal zehn Jahre Haft

Beate Zschäpe: Verteidiger fordern maximal zehn Jahre Haft

Bericht aus dem Gericht

Vom Döner-„Coup“ zum Taxi-Überfall

Sie wollten raus aus der Freisinger Notunterkunft und groß ins Drogengeschäft einsteigen: Um sich das Startkapital zu besorgen, sollen ein 18-jähriger togolesischer Schüler und ein 27-jähriger Bauhelfer mit türkischen Wurzeln, beide aus Freising, selbst vor einem Überfall auf einen Münchner Taxler nicht zurückgeschreckt haben. Jetzt mussten sie sich vor vor dem  Landgericht unter anderem wegen schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Freising/Landshut – Laut der von Staatsanwältin Daniela Kustermann vertretenen Anklage, hatte sich das Duo am 28. Juni vergangenen Jahres kurz nach Mitternacht mit einem Taxi von München nach Freising fahren lassen. Am Ziel angekommen, soll der Schüler dem Taxler Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihm die Geldtasche entrissen haben. Das sei gemeinsam geplant gewesen.

Der zweite Vorwurf gegen den Schüler: Bereits am 9. Januar vergangenen Jahres soll er von einem Realschüler einen Döner, den dieser gerade für vier Euro gekauft hatte, verlangt haben. Als der zunächst die Herausgabe verweigerte, habe er sich einen Faustschlag eingefangen und nach weiteren Drohungen den Döner abgegeben. Schließlich habe er dem 18-Jährigen sogar noch seine Geldbörse mit zwei Euro gegeben.

Dem Bauhelfer wird noch vorgeworfen, am Vorabend des Überfalls auf den Taxler in einem Casino in München einem Zocker 60 Euro in bar, ein Handy und auch noch dessen polnischen Personalausweis gestohlen zu haben.

Beim Prozessauftakt war von der einstigen Freundschaft zwischen den beiden nichts mehr zu spüren: Vor allem, was den Überfall auf den Taxler anging, schob man sich die Initiative gegenseitig in die Schuhe. Nachdem es mit dem Casinogewinn nichts wurde, habe sich der Bauhelfer noch das Handy des Polen geschnappt. Die „Sache“ mit dem Taxifahrer sei dann ebenfalls von ihm ausgegangen. Auch das Pfefferspray habe der Schüler erst im Auto von ihm bekommen. „Er saß auf der Rückbank und hat mir ständig sein Handy, auf das er Anweisungen tippte, unter die Nase gehalten“, so der 18-Jährige. „Er hat mich auch unter Druck gesetzt, dass meine Mutter, die Polizei und mein Basketballverein von meinem Drogenkonsum erfahren, wenn ich nicht mitmache.“ Er habe dann tatsächlich dem Taxler das Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Als der schrie, habe ihn der Bauhelfer aus dem Auto gezogen und der Schüler schnappte sich den Geldbeutel. Von der Beute selbst habe er kaum etwas bekommen.

Auch vom „Mundraub“ wollte er nichts wissen: Er habe an besagtem Tag nach der Schule einen Buben, der einen Döner gegessen habe, um ein Stück gebeten und es von ihm bekommen. Plötzlich seien ein Lehrer und ein anderer Schüler, mit dem er nichts zu tun gehabt habe, vor ihm aufgetaucht und hätten ihn aufgefordert, stehen zu bleiben, bis die Polizei komme. Er habe niemandem etwas weggenommen, niemanden bedroht oder geschlagen.

Der Bauhelfer, der seinem Ex-Kumpel während dessen Aussage Lügen vorwarf, räumte über eine Erklärung seines Verteidigers ein, dass man zunächst den Plan hatte, den Taxler aus dem Wagen zu locken und dann die Geldtasche zu stehlen. Der Schüler allerdings habe dann auf dem Handy das Vorgehen mit dem Pfefferspray angekündigt. „Davon wollte ich ihn noch abbringen und habe eingetippt, dass wir die Sache mit der Kiste auch auf den nächsten Tag verschieben könnten und uns dann mein Bruder helfen würde“, sagte der 27-Jährige. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.                                                                                                        Walter Schöttl

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