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Bericht aus dem Gericht

Opel-Dieb muss „einrücken“

Seit 2011 waren Mitglieder einer polnischen Bande, die sich auf den Diebstahl gebrauchter Opel-Fahrzeuge spezialisiert hatte, in Deutschland unterwegs. Einen 28-jährigen polnischen Kfz-Mechaniker, der nach dem Diebstahl in einem Echinger Autohaus geschnappt wurde und der hauptsächlich als „Spezialist“ für das Ausschlachten der Pkw tätig war, verurteilte jetzt die 4. Strafkammer beim Landshuter Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten.

Landkreis – „Kommissar Zufall“ war die Festnahme des 28-Jährigen zu verdanken. Er war nach einer Kontrolle mit bis zu 200 Stundenkilometern vor der Polizei geflüchtet. Bei einem DNA-Abgleich wurde festgestellt, dass der 28-Jährige zuvor an mindestens sechs weiteren Diebstählen gebrauchter Opel in ganz Deutschland mit einem Gesamtschaden von rund 250 0000 Euro beteiligt war. Die Fahrzeuge wurden dann zumeist in der Nähe des Tatorts in einem Waldstück fachmännisch „ausgeschlachtet“. Dabei machte der Kfz-Mechaniker allerdings für ihn verhängnisvolle Fehler: So wurden im Motorraum verschiedener Wracks seine DNA-Spuren festgestellt, außerdem hatte er in einem der Fahrzeuge einen Kaugummi ausgespuckt. Zum Prozessauftakt hatte der 28-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Kfz-Mechaniker berichtete, dass er sich in einer finanziellen Notlage befunden und um seine Frau und seinen kleinen Sohn versorgen zu können, sich von einem gewissen „Lucas“ für die Coups habe anwerben lassen. Für das Ausschlachten oder die „Überführung“ nach Polen habe er 500 Euro pro Wagen bekommen. Er habe bei den Diebstählen zunächst Schmiere gestanden, die Autohäuser habe „Lucas“ ausgekundschaftet

Die 6. Strafkammer verhängte für die sieben Fälle des in Mittäterschaft begangenen schweren Diebstahls eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten und blieb dabei am oberen Rand des im Rahmen der Verständigung festgelegten Strafrahmens. Gleichzeitig wurde – wohl eher symbolisch – die Einziehung von 231 000 Euro als Wertersatz angeordnet. Damit entsprach das Gericht dem Antrag von Staatsanwältin Lina Schneider, während Verteidiger Olaf Groborz eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten für schuldangemessen erachtete. Strafmildernd wirkte sich dabei das umfassende Geständnis des 28-Jährigen aus, das eine aufwändige Beweisaufnahme mit Zeugen aus ganz Deutschland erspart hatte. Im übrigen, so Vorsitzender Richter Reiter, sei nicht zu widerlegen gewesen, dass der Angeklagte nicht der Drahtzieher gewesen sei, sondern lediglich eine Nebenrolle inne gehabt habe und seine Entlohnung eher karg ausgefallen sei. Andererseits sei straferschwerend ins Gewicht gefallen, dass er ausschließlich zur Begehung von Straftaten in Deutschland eingereist sei und das Vorgehen äußerst professionell und vor allem auf der Flucht kompromisslos gewesen sei.

In seinem letzten Wort hatte der Angeklagte seine Reue bekundet und sich vor allem bei den geschädigten Autohäusern entschuldigt.                                         Walter Schöttl

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